Auswirkungen auf die Aktien
Amerikanern vergeht so langsam die Lust auf Bier

Die großen US-Brauer trotzen der Rezession - und schlagen kräftig bei den Preise auf.

NEW YORK. Das weiß jeder Student: Wird das Lieblingsbier teurer, hilft nur eines: Weniger trinken oder zu einer billigeren Marke wechseln. Diese Regel von Angebot und Nachfrage scheint für die US-Brauereien nicht zu gelten. Inzwischen versuchen diese ihre vierte Preiserhöhung in Folge durchzusetzen. Die Biertrinker sind aufgebracht und halten sich zurück. Das könnte den Aktien der Brauer schaden.

In Zeiten, in denen andere Unternehmen gegen den Preisverfall ihrer Wertpapiere kämpfen, schnitten die Aktien der zwei großen amerikanischen Brauer, Anheuser Busch - und Adolph Coors, viel besser ab als die übrigen Papiere an der New Yorker Börse. Das lag zum Teil daran, dass sie ihren Gewinn durch regelmäßige Preiserhöhungen steigern konnten. Wenn die Brauereien die angestrebten Preise jedoch nicht mehr erzielen, sind ihre Aktien in Gefahr. "Wir sind im Moment vorsichtig bei Bieraktien", gibt Caroline Levy, Analystin bei UBS Warburg in New York, zu verstehen.

Bis vor kurzem entwickelten sich die Brauaktien prächtig. Seit dem Platzen der großen Spekulationsblase im März 2000 hat die Aktie von Anheuser-Busch, die das in den USA beliebte Budweiser brauen, 72 % gut gemacht. Die Papiere von Coors (Coors, Killian's and Keystone) stiegen im selben Zeitraum um 50 %. Die Analysten befürchten nun, dass Investoren die in Baissezeiten relativ soliden Bieraktien zugunsten von Papieren abstoßen, deren Preise klettern werden, wenn die Wirtschaft 2003 wieder anspringt. Die Aktien der beiden großen Brauer bekamen es bereits zu spüren, als Investoren ihr Gelder in Chipfirmen umschichteten.

Nur eine Frage steht weiterhin im Raum: Wie viel können und wollen die amerikanischen Biertrinker noch für einen Sixpack Bud bezahlen? Derzeit kostet der Sechserpack Budweiser 4,67 $; 1998 waren es noch 4,25 $. Anheuser-Busch und seine Konkurrenten haben die Preise in den vergangenen vier Jahren um jeweils 2 % erhöht. Das ist zweimal so viel wie die aktuelle US-Inflationsrate für Nahrungsmittel und Getränke.

Anheuser-Busch, das die Hälfte des amerikanischen Biermarktes bestimmt, hat im Oktober die Preise für knapp die Hälfte seiner Produkte erhöht und wird im Februar wahrscheinlich noch einmal bei 20 % der Produktpalette zuschlagen. Der Brauer setzte konsequent auf Preiserhöhungen um stetige Gewinnsteigerungen verbuchen zu können - immerhin fast 62 % in den vergangenen fünf Jahren.

Jetzt wollen die US-Bürger aber offensichtlich nicht mehr so viel für ihr Bud ausgeben. Laut Morgan Stanley veranlassten die schwachen Verkäufe im November die Brauerei bereits zu niedrigeren Umsatzprognosen für das vierte Quartal. W. Randolph Baker, Finanzchef von Anheuser-Busch, ist dennoch unverdrossen zuversichtlich: Auch wenn die Verkäufe an die Händler im vierten Quartal ziemlich flau ausfallen werden, sind sie im Vergleich zu den beiden vergangenen vierten Quartalen immer noch um 2,5 % gestiegen.

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