Auswirkungen auf Ölsektor
Generalstreik trifft Venezuelas Ölindustrie

Wegen des Streiks kommt es an mehreren Häfen des Landes zu Verzögerungen bei der Ölverladung. Präsident Chavez will jetzt sogar das Militär gegen die Streikenden einsetzen.

Reuters CARACAS. In Venezuela hat ein Generalstreik gegen Präsident Hugo Chavez die Ölindustrie des fünftgrößten Erdölexporteurs der Welt schwer beeinträchtigt.

Chavez sagte am Donnerstag, die Streiken bedrohten mit dem Ausstand in der Ölindustrie "das Herz des Landes". Er kündigte an, das Militär einzusetzen, um den Streik von Tanker-Kapitänen zu beenden. Diese hatten sich dem seit Montag dauernden Streik angeschlossen. Die Opposition will mit dem Arbeitskampf ein Referendum über Chavez durchsetzen. Darin soll abgestimmt werden, ob dieser zurücktreten soll. Chavez lehnt dies ab. Die Ölpreise zog wegen des Streiks an.

Wegen des Streiks kam es am Donnerstag an mehreren Häfen des Landes zu Verzögerungen bei Ölverladungen und-transporten. Die größte Ölraffinerie Venezuelas drosselte nach eigenen Angaben ihre Produktion stark. An einigen Tankstellen des Landes wurde bereits das Benzin knapp.

"Das ist Piraterie", sagte Chavez mit Blick auf die streikenden Kapitäne venezolanischer Öltanker. Man werde die Kontrolle über diese Schiffe der staatlichen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela wiedererlangen. Die Armee werde zudem der Nationalgarde helfen, die venezolanischen Ölanlagen zu sichern.

Auch Vize-Energieminister Bernardo Alvarez warnte vor den Folgen des Streiks der Tanker-Kapitäne. "Dies ist definitiv eine Grenzüberschreitung und gefährdet einen besonders sensiblen Arbeitsbereich des Landes", sagte Alvarez. Dies wirke sich auch auf den Ölexport aus. "Dies schafft ein Problem nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt." Größter Abnehmer venezolanischen Erdöls sind die USA.

In London stieg am Donnerstag der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Januar bis zum Abend um 62 Cents auf 25,80 Dollar. Zum Streik hat ein loses Bündnis aus Gewerkschaftern, Geschäftsleuten und Oppositionsparteien aufgerufen. Noch am Donnerstag sollte über eine Verlängerung des Streiks entschieden werden, sagte Gewerkschaftschef Carlos Ortega. "Der Streik geht weiter und wir sind dabei, genauso wie die übrige Bevölkerung Venezuelas", sagte Kapitän Enrique Colome im Öl- und Schiffsknotenpunkt Lake Maracaibo. Weitere Kapitäne und Besatzungsmitglieder schlossen sich ihm an.

Chavez warf seinen politischen Gegnern vor, ihn durch einen Putsch stürzen zu wollen. "Es ist ein Plan im Gange, die verfassungsmäßige Regierung zu destabilisieren", sagte Chavez. Im April war Chavez bei einem gescheiterten Putschversuch von Teilen des Militärs für wenige Tage entmachtet worden. Der frühere Fallschirmjäger Chavez gilt als linker Populist, dem die Opposition diktatorisches Vorgehen vorwirft. Kritiker werfen ihm vor, durch falsche Reformansätze die Wirtschaft des Landes beschädigt zu haben. Chavez wurde 1998 zum Präsidenten gewählt und überstand im April einen Putschversuch.

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