Auswirkungen noch nicht absehbar
Intertainment-Aktien fallen nach Lizenzstreitigkeiten

Die Aktien des Filmrechte-Händlers Intertainment AG sind nach der Ausweitung der Lizenzstreitigkeiten mit dem US-Filmstudio Franchise Pictures am Freitag stark unter Druck geraten. Die Papiere brachen am Neuen Markt zeitweise mehr als 50 % auf ein Jahrestief bei 4,01 Euro ein.

Reuters/HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Das Unternehmen hatte am Vortag mitgeteilt, dass ihre Tochter Intertainment Licensing Franchise in den USA auf Schadenersatz wegen überhöhter Filmbudgets verklagt habe. Die von Franchise verursachten Schäden lägen bei mindestens 75 Mill. $. Der Ausgang der Rechtsstreitigkeiten könne sich "erheblich" auf Umsatz und Gewinn von Intertainment für die Jahre 2000 und 2001 auswirken, hieß es.

Genaue Zahlen konnte ein Intertainment-Sprecher am Freitag noch nicht nennen. Das Unternehmen werde in den nächsten Tagen die Konsequenzen des Rechtsstreits genauer ermitteln. Intertainment hatte im vergangenen Jahr einen Lizenzvertrag mit dem US-Filmstudio geschlossen, wonach Intertainment in einem Zeitraum von fünf Jahren die Rechte an insgesamt 60 Filmen erwerben wollte. Fünfzehn Filme seien bereits ausgeliefert, sagte der Sprecher. Von in diesem Jahr vereinbarten sechs Filmen habe Franchise bisher drei geliefert. Der Start von drei Filmen, darunter "Get Carter" mit Sylvester Stallone und "The Pledge" mit Jack Nicholson, sei auf das nächste Jahr verschoben worden.

Angeblich überhöhte Lizenzgebühren

Intertainment wirft Franchise vor, die Filmbudgets übertrieben und von Intertainment überhöhte Lizenzgebühren verlangt zu haben. Durch die Klage vor dem US-Bezirksgericht in Los Angeles gegen Franchise Ltd, deren Vorsitzenden Elie Samaha und Präsident Andrew Stevens sowie weitere Tochtergesellschaften will Intertainment Schadenersatz erlangen.

Intertainment Licensing habe die erworbenen Filme bereits in mehreren europäischen Ländern weiter lizensiert, hieß es. Franchise sei einer der wichtigsten Filmproduzenten für die Intertainment AG, die nun versuchen werde, die ausfallenden Umsätze durch Lizenzvereinbarungen mit anderen Studios zu ersetzen, sagte der Sprecher. Belastungen entstünden auch aus den Kosten des Gerichtsverfahrens, die allerdings von der Länge des Prozesses abhingen. "Mit liquiden Mitteln von 150 Mill. DM zum Ende September können wir das Gerichtsverfahren problemlos finanzieren", betonte der Sprecher.

Gegenforderungen

Der Münchener Filmrechtehändler erklärte weiter, Franchise habe Gegenforderungen erhoben und mitgeteilt, ebenfalls Klage gegen Intertainment einreichen zu wollen. Eine Klage sei beim Unternehmen aber noch nicht eingegangen, sagte der Sprecher. Von Franchise war zunächst noch keine Stellungnahme zu erhalten.

Wegen der Verzögerung von Franchise-Filmen hatte Intertainment bereits Mitte November eine Umsatz- und Gewinnwarnung herausgegeben. Die Umsatzprognose für das Jahr 2000 senkte das Unternehmen damals auf 170 Mill. DM von 290 Mill., die Schätzung für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 60 Mill. DM von 84 Mill. DM. Das hatte zu Kursverlusten von mehr als 30 % geführt.

Von Franchise hat auch die Kirch-Gruppe über ihre Tochter Epsilon, ein Joint Venture mit der italienischen Mediaset, die europäischen Rechte von Filmen erworben. Eine Unternehmensprecherin sagte Handelsblatt.com, die Erfahrungen mit Franchise seien sehr positiv. "Wir haben uns vorgenommen, das Abkommen weiter auszubauen." Bislang basiere die Zusammenarbeit auf Filmbasis.

Zum Vertragspaket gehören Unternehmensangaben nach die Rechte an drei Produktionen, an denen Robert de Niro, Antonio Banderas und Wesley Snipes mitwirken.

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