Auto im Motorrad-Gewand
Ein echtes Macho-Stück

In einer alten Schmiede im ruhigen Vorharz bastelt Werner Friesecke an dem Objekt seiner Leidenschaft. Seit knapp einem Jahr entwickelt der 53-jährige Montagebauleiter einer Brandschutzfirma in seiner Freizeit die "V8 Magnum Five Point Seven". Das Vorbild: die amerikanische Bike-Legende Indian V8.

HB DÜSSELDORF. Frieseckes Gefährt ist ein Auto im Motorrad-Gewand. Eine Maschine mit den acht Zylindern eines Chevrolets und dem dazugehörigen 5,7-Liter-Hubraum. Ein Ein-Gang- Automatikgetriebe bringt die Kraft des Monster-Motors auf die Straße. Eine einzigartige Kombination auf dem internationalen Motorradmarkt.

Fast vom Sattel gerissen

Die geballte Exklusivität hat ihren Preis: 62 000 Euro kostet das gute Stück. Wahlweise können gewaltige 310, 340 oder 400 PS abgerufen werden. Dimensionen jenseits von gut und böse. Gut zu wissen, dass im Notfall Sechskolbenzangen- Bremsen die Maschine wieder zum Stehen bringen können. Die Höchstgeschwindigkeit kennt selbst der Erbauer nicht: "Die Leistungsgrenze des Motorrads liegt weit höher als die des Fahrers", sagt Friesecke. Er selbst traute sich bis 240 km/h. Da riss es ihn schon fast vom Sattel. "Man hat die Macht unter sich, aber man kann sie eigentlich gar nicht nutzen."

Friesecke hat über hundert Anfragen nach dem Super-Motorrad, zwei Drittel davon aus den USA. "Natürlich gibt es solche Maschinen auch da drüben, aber eben nicht so schick. Und: Die Amerikaner mögen immer noch ,made in Germany ", sagt Friesecke. Allerdings seien die Zulassungsbedingungen für solch eine Maschine in den Vereinigten Staaten sehr kompliziert.

Etwas einfacher geht es dagegen in Frankreich. Philippe Marcoux will die V8 Magnum unbedingt nach Paris holen. Der 32-jährige Journalist steht derzeit mit Werner Friesecke in Verhandlungen über den Kauf der ersten Maschine. "Es gibt nicht viele Motorräder, die mit einem Motor wie die V8 ausgestattet sind. Ich will erleben, wie es ist, mit einem 400-PS-Motorrad zu fahren", sagt Marcoux.

Durch den hohen Preis lässt sich der leidenschaftliche Zweiradfan nicht schocken. "Natürlich ist es verrückt, so viel Geld in zwei Räder zu investieren. Aber ich bin nun mal ein Mensch, der nicht gerne vernünftig ist. Und ich lebe mein Leben auf der Überholspur." Dank seines Berufes könne er sich sein Traum-Gefährt leisten, ohne jeden Tag Kartoffeln essen zu müssen. "Leute, die 100 000 Euro in ein Auto investieren, werden schließlich auch nicht für verrückt erklärt."

"Cruisen und genießen"

Die V8 Magnum ist für ihn keine Maschine, "um wie ein Verrückter rumzuheizen. Sie ist nicht so schnell wie die sportlichen Japaner. Ich möchte damit gemütlich cruisen und das Fahrgefühl genießen."

Bis zu zehn Exemplare der Magnum V8 kann Werner Friesecke pro Jahr in seiner Werkstatt produzieren. Jede Maschine wird speziell für den Kunden angefertigt, Sonderwünsche inklusive. Denn der wahre Reiz der Magnum liegt in Stil und Design. Sie ist ein echtes Macho- Stück.

440 Kilo Schwergewicht

Wer auf ihr Platz nimmt, ist zunächst beeindruckt von ihrer Angst einflößenden Größe. Beinahe eine halbe Tonne Motorrad gilt es, im Zaum zu halten - 440 Kilogramm, andere Bikes wiegen gerade einmal 200. Der Radstand liegt bei fast 1,90 Meter, die Lenkerspanne bei etwa einem Meter.

Diesen Cruiser zu fahren ist Gewöhnungssache: Vor allem beim Start ist die Maschine schwer zu halten. Wenn die Wuchtbrumme sich in Gang setzt, wackeln die Wände, aber schon nach den ersten Metern wird der Fahrer von der leichten Fahrweise überrascht: Von Schwerfälligkeit ist nichts mehr zu spüren. An der Ampel verweist die Maschine jeden Konkurrenten auf die Plätze. Wegen des Automatik-Getriebes zieht die V8 Magnum wie ein Geschoss davon. Die Pferdestärken werden aus dem Handgelenk geschüttelt: "Stellen Sie sich vor, Sie steigen von einem Fahrrad auf ein normales Motorrad. So ist das in etwa, wenn Sie von einem normalen Motorrad auf die V8 Magnum steigen", sagt ihr Erbauer. Fast zahm dagegen der Verbrauch: Pro 100 Kilometer acht Liter Treibstoff.

Im April 2002 hatte Friesecke die Konkursmasse von "Güstrow Motorcycles" aufgekauft, wo die "Indian V8, Ride the Big Buffalo" hergestellt worden war. Friesecke krempelte das Firmenkonzept um, machte aus dem kleinen Unternehmen einen Ein-Mann- Betrieb und aus dem Prototyp ein serienfähiges Motorrad. "Die Maschine war vom Design her schick, aber die Technik war mittelmäßig bis schlecht. Die perfekt zu machen, das war für mich der Reiz an der Geschichte." Die Detailverbesserungen haben Zeit gekostet. Die erste Maschine, die ganz Frieseckes Vorstellungen entspricht, ist gerade erst fertig geworden. Den größten Teil der V8 Magnum hat er selbst in seiner Werkstatt gebaut. Rahmen, Schwingen, Lenker, Tank, Sitzbank und Fußrasten sind seine Spezialkonstruktionen. Nur den Motor hat er in den USA bestellt.

Exklusivität ist dem Besitzer also sicher, ebenso wie der Neid eines jeden Harley-Fahrers. Die V8 Magnum Five Point Seven ist was für extrovertierte Fans, denen Stil wichtiger ist als Zweckmäßigkeit. Friesecke weiß den Wert seines Produkts einzuschätzen: "Das ist eine Maschine, die in der Garage neben dem Z8 steht", sagt er stolz. "Und darauf wartet, am Sonntag ausgefahren zu werden."

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