Autobauer entwickeln intelligente Beleuchtung
Clevere Scheinwerfer leuchten die Kurve aus

Autoscheinwerfer der Zukunft wissen genau, wo die Fahrt hingeht: Sie passen sich an, sobald sich Umgebung und Witterung ändern. Die neuen Technologien wollen deutsche Autobauer bis 2005 umsetzen.

DÜSSELDORF. Fast alle Automobilhersteller arbeiten derzeit an intelligenten Scheinwerfersystemen, die sich an unterschiedliche Fahrsituationen anpassen. Vorreiter ist Audi: Im neuen A8 ist der weltweit erste Scheinwerfer mit serienmäßigem Abbiegelicht eingebaut. Der Wagen kommt Ende des Jahres auf den Markt. Er hat zwischen Abblend- und Fernlicht einen Freiflächenreflektor mit einer Halogenlampe installiert. Will der Fahrer zum Beispiel rechts abbiegen, wird das Abbiegelicht auf der rechten Seite automatisch langsam zugeschaltet, ähnlich einem Lampendimmer. Das Zusatzlicht fällt fast rechtwinklig zum Auto. Nach der Kurve wird es wieder ausgeblendet. "So entsteht ein großer Informationsgewinn, da diese Straßenbereiche bislang gar nicht ausgeleuchtet wurden", sagt Audi-Sprecher Udo Rügheimer.

Damit das Abbiegelicht immer weiß, wann es anzugehen hat, wertet ein Steuergerät drei Signale aus: Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Blinksignal. "Durch diese Kombination ist sichergestellt, dass das Licht nicht angeht, wenn man beispielsweise auf der Autobahn die Spur wechselt", sagt Ulrich Köster, Sprecher des Automobilzulieferers Hella, der das System zusammen mit Audi entwickelt hat.

Laut Statistischem Bundesamt passieren über 40 % der Unfälle mit Toten in der Dämmerung oder bei Dunkelheit - und das bei weniger Autos auf den Straßen als am Tag. Bisher durfte laut einer Regelung der United Nations Economic Commission for Europe nur das Fernlicht um die Kurve leuchten. Diese Vorschrift wird nun geändert.

Auch Mercedes-Benz und BMW wollen bald Kurvenlicht in ihren Autos anbieten. Technischer Unterschied zu Audi: Sie benutzen kein zusätzliches Abbiegelicht, sondern der gesamte Scheinwerfer bewegt sich zur Seite. "Dadurch verbessert sich die Fahrbahnausleuchtung um bis zu 90 %", sagt Mercedes-Sprecher Florian Moser. Das aktive Kurvenlicht soll bis zum Frühjahr kommenden Jahres serienreif sein. Die Stuttgarter sehen den Vorteil ihres Systems darin, dass es auch in lang gezogenen Kurven und bei Fahrten auf der Landstraße funktioniert.

Udo Rügheimer von Audi bestätigt, dass die eigene Technik ab einer Geschwindigkeit von über 70 Stundenkilometern Nachteile habe. "Für den Stadtverkehr ist es aber sinnvoll, ein zusätzliches Licht einzublenden. So wird nicht durch den schwenkenden Scheinwerfer Helligkeit von der anderen Seite weggenommen", sagt er.

Bei BMW heißt die variable Scheinwerfersteuerung "Adaptive Light Control (ALC)" und soll nach Unternehmensangaben "in naher Zukunft" in Serie gehen. "Bei herkömmlichen starren Scheinwerfern schiebt sich der Lichtstrahl bei Kurvenfahrten auf die Gegenfahrbahn und blendet entgegenkommende Fahrer", sagt Martin Enders, Leiter Lichttechnik bei der BMW Group. "Mit ALC wird der Strahl mehr auf den Fahrbahnrand, weg vom Gegenverkehr gelenkt. Dadurch schaffen wir mehr Sicherheit, nicht nur für BMW-Fahrer."

Das Kurvenlicht ist nur der erste Schritt in die Lichttechnik der Zukunft. Die Autobauer arbeiten an dem so genannten Adaptive Front Lighting System, kurz AFS. Das Ziel: Die Lichtverhältnisse sollen sich ständig automatisch an die Umgebung anpassen, je nach Straßentyp und Witterung. "Auf einer trockenen Straße sind beispielsweise andere Lichtverhältnisse ideal als auf einer nassen", sagt Gunter Zimmermeyer, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Um AFS zu verwirklichen, müssen allerdings weitere Vorschriften geändert werden. Damit rechnen die Autobauer bis 2005.

Für AFS braucht das zuständige Steuergerät im Auto eine Fülle an weiteren Informationen, zum Beispiel von einem Regenlichtsensor. "Auch Hinweise vom Navigationssystem könnten ausgewertet werden", sagt Hella-Sprecher Köster.

Quelle: Handelsblatt

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