Autobauer, Versorger und Handel dominieren die Top-100-Liste
Unternehmen kämpfen mit schwachen Erträgen

Die 100 größten Unternehmen in Deutschland konnten auch im Krisenjahr 2001 ihre Umsätze im Durchschnitt steigern. Dafür hinterließ die schwache Wirtschaft auf der Ertragsseite um so deutlicher ihre Spuren. Besserung ist kaum in Sicht. Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung schwinden.

FRANKFURT/M. Das Ergebnis überrascht: Obwohl die Weltwirtschaft im abgelaufenen Jahr einen dramatischen Abschwung erlebt hat, konnten die 100 größten deutschen Unternehmen ihre Umsätze 2001 um durchschnittlich 5,9 % steigern. Mit 28 Unternehmen musste sich am Ende gut jede vierte Gesellschaft mit sinkenden Erlösen herumplagen. Ein Jahr zuvor war es lediglich jede zehnte Firma gewesen.

Gleichwohl kann diese positive Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwierig das vergangene Jahr für die meisten Unternehmen in Deutschland war. Das belegt der Blick auf die Ergebnisse der 100 stärksten Unternehmen: Sie sind im Durchschnitt um fast 60 % eingebrochen. Das hatte mehrere Gründe: Zum einen wurde viel Umsatz über Akquisitionen zugekauft, der sich aber noch nicht in den Erträgen niederschlug. Zum anderen haben viele Unternehmen angesichts der Nachfragflaute kräftig restrukturiert, was die Kosten und die Rückstellungen in die Höhe schnellen ließ. Außerdem sackten vielerorts die Preise angesichts der Marktschwäche in den Keller, was den Ertrag zusätzlich schmälerte.

Auch für das laufende Jahr sieht es mau aus. Von den drei Branchen Automobilbau, Versorger und Handel - mit Daimler-Chrysler, Volkswagen, BMW, Eon, RWE, Metro sowie Rewe dominieren diese Industrien die ersten 10 Plätze der Top-100 - wird es wohl nur bei den Energiekonzernen wegen der Zukäufe weitere Umsatzsprünge geben.

Dagegen erwartet der Verband der Automobilindustrie im laufenden Jahr ein Absatzminus von 4 %, obwohl die jüngsten Zahlen über die Neuzulassungen im Monat Juni mit plus 2 % eine Verschnaufpause signalisieren. Magere Aussichten dominieren auch das Bild im Einzelhandel. Neben der allgemeinen Konsumflaute lastet die (T)Euro-Debatte auf der Branche. Der Dachverband HDE rechnet 2002 mit einem realen Umsatzminus von 2,75 %.

Dunkle Wolken über den Maschinenbauern

Auch über den deutschen Maschinenbauern - gemessen an ihren 900 000 Arbeitsplätzen die größte Branche in Deutschland - ziehen immer dunklere Wolken auf. Experten rechnen jeden Tag damit, dass die Prognose eines Produktionsrückgangs um 2 % im gesamten Jahr weiter nach unten revidiert werden muss.

Vieles hängt von dem von vielen Auguren prognostizierten Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte ab. Bislang ist dieser freilich nicht Sicht. Zudem glauben immer mehr Experten, dass die Erholung, sofern sie kommen wird, nur von kurzer Dauer sein wird.

Entsprechend vorsichtig sind die Aktienstrategen der großen Banken. Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein bleibt vorläufig in den vermeintlich sicheren Häfen. "Aus strategischer Sicht setzen wir weiterhin auf defensive Titel wie zum Beispiel Nahrungsmittel oder Pharma. Außerdem sehen wir Chancen bei ausgewählten Zyklikern wie Öl und Gas sowie den Bau-Aktien", sagt Schlote. Herbert Sturm von der DZ-Bank ist mutiger und präferiert die typischen Zykliker wie etwa die Chemie, "in der Hoffnung, dass die Zahlen im dritten und vierten Quartal wieder etwas besser aussehen werden".

In einem sind sich die meisten Analysten einig: in ihrer Skepsis den Technologietiteln gegenüber. "Die IT-Hardware und Software wird sich weiter schwach entwickeln", erklärt Schlote. Erst gestern erhielt die Halbleiterbranche wieder einen Dämpfer. Im ersten Halbjahr habe der Umsatz mit Halbleitern um 29 % unter dem Vorjahreswert gelegen, teilte der Branchenverband mit. Bereits 2001 war der Technologiesektor vom Abschwung stark betroffen. Zwar konnte sich Siemens in der Rangfolge der größten 100 deutschen Firmen mit einem Umsatzplus von 11 % von Platz 4 auf Platz 3 vorarbeiten. Gleichzeitig brach das Ergebnis aber um 73 % ein.

Nach wie vor finden sich unter den 100 größten Unternehmen nur wenige Technologie- und Telekommunikationsfirmen. Mit Siemens und der Deutschen Telekom tauchen nur zwei Vertreter auf den vorderen 25 Plätzen auf. Der Telekom-Konzern Vodafone (Mannesmann) folgt erst auf Platz 29 und der Software-Spezialist SAP auf Platz 44.

Zum Vergleich: Der Handel kommt auf sieben Namen und dominiert damit das Geschehen im ersten Viertel der Rangfolge. Die Autobauer sind immerhin mit vier Namen präsent - gleich zwei von ihnen führen die Top-100 sogar an. VW steht mit rund 88 Mrd. Euro Umsatz auf Platz zwei. Das größte deutsche Unternehmen war und ist jedoch Daimler-Chrysler. Zwar fiel dessen Umsatz um 5,9 %, doch mit stolzen 152 Mrd. Euro ist der Abstand zu den folgenden Plätzen beachtlich. Vieles spricht deshalb dafür, dass die Stuttgarter ihre Führung auch in diesem Jahr verteidigen können.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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