Autobauer wird keine Quartalsberichte veröffentlichen
Porsche gibt Platz im MDax auf

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bleibt hart: Der Autobauer wird sich den Regeln der Deutschen Börse nicht beugen. Die Börse will den Sportwagenhersteller daher aus dem MDax verbannen.

HB FRANKFURT/M. Der Machtkampf zwischen dem Sportwagen-Konzern Porsche und der Deutschen Börse eskaliert. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" hat sich Vorstandschef Wendelin Wiedeking erneut geweigert, vierteljährlich über den Geschäftsverlauf zu berichten. "Dieses Kurzfristdenken ist in meinen Augen keine sinnvolle Unternehmensführung", betonte er. "Das war unser endgültiges Nein in Sachen Quartalsberichten", betonte Porschesprecher Manfred Ayasse.

Damit wird der Autobauer aller Voraussicht nach seinen Platz im MDax, dem Markt-Barometer für die 70 wichtigsten Nebenwerte, verlieren. Denn die Deutsche Börse will auf die Einhaltung ihrer Regeln pochen - und die schreiben seit Anfang des Jahres eine vierteljährliche Berichterstattung für alle Werte in den Auswahlindizes vor.

PORSCHE AG - Drei-Monatsverlauf

"Kandidaten, die sich grundsätzlich weigern, Quartalsberichte zu liefern, werden wir aus den Indizes herausnehmen", hatte Börsenvorstand Christoph Lammersdorf bereits im Februar gewarnt. "Dabei bleibt es, eine Ausnahme wird es für Porsche nicht geben", bestätigte jetzt ein Sprecher der Börse. Voraussichtlich werde der Sportwagen-Konzern bei der nächsten Neuordnung der Aktien-Indizes Mitte September aus dem MDax verwiesen.

Mit einer Markt-Kapitalisierung von rund 3,3 Milliarden Euro zählt Porsche zu den schwersten Titeln im Nebenwerte-Index. Die Plätze in den Indizes sind normalerweise heiß begehrt, weil sie die Aufmerksamkeit der Großinvestoren sichern. Zahlreiche Fonds- und Vermögensverwalter richten ihre Investitionen eng an den Marktbarometern aus. Bislang ist Porsche das einzige Unternehmen, das sich grundsätzlich weigert Quartalsergebnisse vorzulegen.

Zwei Gründe für die Ablehnung

Porsche-Sprecher Ayasse nannte zwei Gründe für die Ablehnung der Berichtsregel: Zum einen sei das Automobilgeschäft ausgesprochen zyklisch. Je kürzer die Berichtszeiträume, desto größer die Gefahr, dass die Investoren falsche Schlüsse aus den Zahlen zögen. Zum anderen werde das Börsengeschehen immer hektischer. Darunter litten vor allem die privaten Anleger.

"Wir haben in den vergangenen Wochen mit unseren wichtigsten Investoren gesprochen, und für die spielte das Thema MDax kaum eine Rolle", erläutert Ayasse. Druck auf den Aktienkurs fürchtet der Sprecher nicht. Schließlich stehe das Unternehmen vor dem Aufstieg in die Indizes von Morgan Stanley Capital International (MSCI). Damit lasse sich der Verlust des MDax-Platzes mehr als kompensieren. MSCI, der weltweit führende Anbieter internationaler Börsenbarometer, hatte Mitte Mai überraschend beschlossen, den deutschen Konzern in seinen Indizes zu berücksichtigen.

Analyst stuft Aktie auf "Neutral"

Analyst Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim teilt grundsätzlich den Optimismus von Porsche: "Kurzfristig könnte es zwar zu leichten Kursverlusten kommen, auf Dauer interessiert der Rauswurf aus dem MDax aber nicht". Das Unternehmen sei gut positioniert und könne auf seine ausgezeichnete Modellpolitik verweisen. Dennoch stuft Raab die Aktie derzeit nur mit "Neutral" ein. Er fürchtet, dass die Konjunkturschwäche in den USA das Wachstum von Porsche schwächt. Optimistischer zeigen sich die Analysten des Bankhauses Metzler. Sie raten zum "Kauf" der Aktie.

Die Porsche-Aktie zeigte sich gestern unbeeindruckt von dem Streit um den Verbleib im MDax. Das Papier gehörte gestern mit einem Plus von über drei Prozent zu den Tagesgewinnern an der deutschen Börse. Händler führten den Kursanstieg auf die von Wiedeking betonten besseren Aussichten des Sportwagenherstellers zurück. Porsche erwartet für 2000/2001 (per Ende Juli) neben dem angekündigten Umsatzplus auch Gewinnsteigerung. Im Februar hatte das Unternehmen noch angekündigt, der Gewinn werde auf Vorjahresniveau liegen.

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