Autobranche steht vor einem schwierigem Jahr
2005 kommen 30 neue Auto-Modelle und Varianten

Die deutschen Autobauer stehen auch im kommenden Jahr vor einer schwierigen Wegstrecke. Teures Benzin, hohe Soziallasten und die Angst der Menschen vor Arbeitslosigkeit dürften das Geschäft weiterhin belasten.

HB HAMBURG. Überkapazitäten sorgen bei den Herstellern für hohe Kosten, und der Euro-Wechselkurs auf Rekordniveau erschwert den Export. Neue Billigmodelle für den Massenmarkt wie der in Rumänien zusammengebaute Logan von Renault könnten zudem den Preiskampf bei Kleinwagen anheizen. Die Prognosen der Experten für das kommende Jahr sind daher sehr vorsichtig.

Mit weit über 30 neuen Auto-Modellen und Varianten wollen die Autokonzerne die Nachfrage in Gang bringen. Nach fünf Jahren Absatzflaute in Deutschland soll nun die von den Herstellern erhoffte Wende endlich gelingen. Im vergangenen Jahr hatte die Modelloffensive mit immerhin vier wichtigen Neuerscheinungen - wie dem Golf V von VW oder dem Opel-Astra - nicht die gewünschte Belebung erbracht. Erst gegen Jahresende zogen die Neuzulassungen an; die Prognosen der Konzernvorstände für das Inlandsgeschäft waren zuvor einmal mehr viel zu optimistisch gewesen. "2005 wird das Jahr in dem sich entscheidet, ob die momentane Nachfrageschwäche nur vorrübergehender Natur ist, oder ob wir uns auch in Zukunft mit deutlich niedrigeren Neuzulassungen als in der Vergangenheit abfinden müssen", sagt Ulrich Winzen vom Marktforschungsunternehmen R.L. Polk.

Die Vorhersagen der Branche reichen von 3,25 bis 3,3 Millionen Pkw-Neuzulassungen, nachdem 2004 voraussichtlich wie im Jahr davor 3,24 Millionen Fahrzeuge neu registriert wurden. Mit einem Durchbruch rechnen Experten erst 2006, wenn auch die auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im kommenden Herbst in Frankfurt vorgestellten Modelle zu kaufen sind. "Das Potenzial für das kommende Jahr ist um gut 100 000 Pkw höher, aber das aktuelle Kaufverhalten lässt eine Steigerung auf 3,4 Millionen im Moment unwahrscheinlich erscheinen", sagt Winzen. "Der Tiefpunkt ist durchschritten - der Weg in die Normalität wird aber vor 2006 nicht erreicht", urteilt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Institut B&D Forecast. Er hält für das übernächste Jahr 3,4 Millionen Neuregistrierungen für möglich.

Modelloffensive: 3er-BMW und VW-Passat machen den Auftakt

Den Auftakt zur Modelloffensive machen im Frühjahr der neue Passat von VW und der 3-er von BMW. Nachdem der Verkauf des Golf V 2004 schwach angelaufen war und durch die Dreingabe einer kostenlosen Klimaanlage angekurbelt werden musste, hofft VW auf einen besseren Start des zweitwichtigsten Volumenmodells. Mit dem 3er erneuert BMW seinen Hauptabsatzträger. Opel bringt im zweiten Halbjahr den neuen Zafira. Mit der B-Klasse bietet Mercedeseinen weiteren Kompakt-Van an. In den USA will VW mit dem dort als Jetta verkauften neuen Bora punkten.

Mit Spannung wird der Start des Logan erwartet, den die Renault-Tochter Dacia in Rumänien baut. Ab Mai soll dieser Wagen in Westeuropa zum Niedrigpreis von 7500 Euro angeboten werden. Schon die Ankündigung hatte in der Branche für Wirbel gesorgt, weil damit der Kampf um das Billigsegment neu eröffnet wird. Volkswagen will mit seinem Kleinwagen Fox aus Brasilien 2005 in Europa für weniger als 10.000 Euro kontern - vermutlich wird er 8800 Euro kosten. In der Wolfsburger Konzernzentrale wird sogar schon über ein günstigeres Modell diskutiert, um dem Logan - der von Autotestern gute Noten bekommt - Konkurrenz zu machen. Günstiger als der Fox sollen auch drei Kleinwagen-Modelle sein, mit denen Toyota zusammen mit dem französischen PSA-Konzern seine Verkaufserfolge in Europa fortsetzen will. Auf einer gemeinsamen Plattform entstehen ab dem kommenden Jahr in einem neuen Werk im tschechischen Kolin speziell für Europa der Peugeot 107, der Citroen C1 und der Toyota Aygo.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gab sich jüngst besorgt über die Konkurrenz, die dank niedriger Kosten in Osteropa die Modelle hier zu Lande günstig anbieten kann. VDA-Präsident Bernd Gottschalk warnte vor "Billigstangeboten aus den Karpaten", durch die eine Preisspirale nach unten in Gang gesetzt werde. Schließlich ist die heimische Autoindustrie von immensem Kostensenkungsdruck belastet und kann preislich etwa gegen japanische Konkurrenten kaum mithalten. DaimlerChrysler und VW haben in diesem Jahr ihren Belegschaft schmerzhafte Einschnitte abgerungen, die General-Motors-Tochter Opel steckt noch in Verhandlungen über weit drastischere Maßnahmen. Der Autoverband sieht sehr wohl die Nachfrage nach günstigeren Autos ohne teure Zusatzausstattungen auch in Deutschland. "Die eigentliche Gefahr liegt aber eher in einem grassierenden Preisnivellierungsbazillus, der dem Kunden vorgaukelt, Technologie könne auch zu Discountpreisen erhältlich sein", klagt Gottschalk.

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