Autochef Boschetti wackelt
Fiat-Konzern stellt bald neue Strategie vor

Alles andere als ein Spaziergang wird die heutige Hauptversammlung für die neue Führungsspitze von Fiat: Präsident Umberto Agnelli und Vorstandschef Giuseppe Morchio müssen ihren Aktionären deutlich machen, dass die Sanierung des noch immer tief in der Krise steckenden Mischkonzerns lang und steinig wird.

HB MAILAND. Denn trotz der jüngsten Erfolge, die das Management mit dem Verkauf von Beteiligungen feiern konnte und eines Kursanstiegs der Aktie von mehr als 20 %, läuft das wichtigste Geschäftsfeld Auto unverändert schlecht. Analysten schätzen das operative Minus von Fiat-Auto im ersten Quartal auf 250 bis 350 Mill. Euro. Unter dem Strich dürfte der Konzern zwischen 300 Mill. und 450 Mill. Euro verloren haben.

Definitive Zahlen wird Morchio heute vorlegen. Zudem wird der frühere Pirelli-Manager ankündigen, bis Ende Juni einen neuen Strategieplan zu präsentieren. Die jüngst eingeschlagene Konzentration auf das Kerngeschäft Fahrzeuge (Autos, Nutzfahrzeuge, Traktoren, Baumaschinen) wird fortgesetzt, berichten unternehmensnahe Kreise. Mit dem baldigen Verkauf der Triebwerkstochter Fiat Avio an den Private-Equity-Fonds Carlyle sowie den Rüstungskonzern Finmeccanica, sei die Bereinigung des Portfolios beendet. Der Abschluss dieses 1,6 Mrd. Euro schweren Deals dürfte in den nächsten Tagen verkündet werden. In einem Jahr hat Fiat somit Beteiligungen, Aktivitäten und Vermögenswerte für 9 Mrd. Euro verkauft. Größter Brocken war die Versicherung Toro, die im März für 2,4 Mrd. Euro an das Verlagshaus De Agostini ging.

Auch industriell wird Morchios Plan nun eher auf offensive Elemente setzen, nachdem das zurück liegende Jahr geprägt war durch tiefe Einschnitte und Kürzungen. Rund 10 000 Mitarbeiter sind gekündigt oder in den Vorruhestand geschickt worden. Künftig soll mehr investiert werden in Technologie und Produktneuerungen. Parallel werden aber auch weitere Rationalisierungspotenziale gesucht: Vor allem bei Zulieferern und im Händlernetz will Fiat die Kosten senken und sich auch aus bestimmten Regionen (etwa der Türkei) zurückzuziehen. Die Allianz mit General Motors soll künftig eine größere Rolle spielen - in Turin ist die Rede von einer Ausweitung der Plattformstrategie mit Opel über das Kleinwagensegment hinaus.

In direktem Zusammenhang mit dem neuen Industrieplan dürfte gut informierten Quellen zu Folge im Sommer Giancarlo Boschetti seinen Posten als Chef von Fiat-Auto verlassen. Nach einem geeigneten Nachfolger werde bereits gesucht. Kontakte seien auch zu deutschen und französischen Kandidaten aufgenommen worden. Offiziell soll Boschetti, dem allseits eine gute Sanierungsleistung bescheinigt wird, aus Altersgründen ausscheiden. Der frühere Chef der Lastwagentochter Iveco ist 63 Jahre alt. Morchio und Agnelli suchen nun nach einem profilierten Automanager, der eher von der Vertriebs- als von der Produktionsseite komme, so die Kreise.

Auch im Verwaltungsrat - dem Management-Board - stehen Neubesetzungen an. Ausscheiden werden unter anderem die beiden Ex-Vorstandschefs, Gabriele Galateri di Genola und Alessandro Barberis. Sie werden ersetzt durch Sergio Marchionne, Präsident des Schweizer Chemiekonzerns Lonza, sowie Luca Garavoglia, Präsident des Getränkeherstellers Campari.

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