Autohersteller setzen auf Modellvielfalt
Mit Vollgas in die Nische

Mit einem Neuheitenfeuerwerk geben die großen Autohersteller auf der Autoshow IAA den Startschuss für eine nie da gewesene Modelloffensive. Mehr als 60 brandneue Typen, Studien und Modellvarianten werden die Hersteller in den Frankfurter Ausstellungshallen im Schatten des Messeturms ins Scheinwerferlicht rücken. Und es bleibt bei dem Trend der letzten Jahre: Das Angebot an Nischenmodellen wächst.

HB/hof/hz FRANKFURT. Mit immer neuen Fahrzeug-Varianten versucht die Branche, die schwächelnde Nachfrage anzukurbeln und die Abhängigkeit von einzelnen Modellen zu verringern. Der steigende Kostendruck zwingt die Hersteller jedoch vermehrt zu Kooperationen mit anderen Herstellern, um die Entwicklungen bezahlbar zu halten.

"Der Weg in die Nische ist eine Überlebensfrage", ist sich Friedrich Preiss, Geschäftsführer für Automobilwirtschaft bei Accenture sicher: "Die Kunden, besonders in Europa, wollen ihr individuelles Auto. Die Firmen, die in vielen Segmenten kein Angebot haben, haben das Nachsehen", glaubt der Experte. Reichten noch vor einigen Jahren eine Stufenhecklimousine, ein Fließheck-Modell und ein Kombi eines Autotyps, erwartet der Kunde heute auch Roadster, Minivans und sportliche Geländewagen. 1982 fuhren nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie rund 150 unterschiedliche Automodelle auf deutschen Straßen. Bald werden es mehr als 300 sein. Zwar entscheidet der Erfolg von so wichtigen Modellen wie VW Golf und Opel Astra nach wie vor darüber, ob die Finanzchefs der Autokonzerne im kommenden Jahr ruhig schlafen werden, doch ihr Einfluss auf die Ertragsrechnung sinkt.

Allein bei Mercedes sind schon heute rund 30 Prozent aller jährlich verkauften Fahrzeuge Nischenmodelle wie Geländewagen, Cabrios oder Coupés. Das tut auch dem Ergebnis gut, denn solche Autos sind durchschnittlich teurer und auch margenstärker als klassische Limousinen. Eine Erfolgsstrategie, der auch die Konkurrenten BMW und Audi folgen. Nach der Trennung von Rover zündeten die Bayern ein Modellfeuerwerk und wollen 2004 in jeder Fahrzeugklasse präsent sein.

Auch VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder zielt mit dem größten Autokonzern Europas in dieselbe Richtung: "Heute sind wir in gut 75 Prozent aller Segmente vertreten, in fünf Jahren sollen es 90 Prozent sein." Bei der Neupositionierung der Marke Opel spielen ebenfalls Nischenmodelle eine Hauptrolle. Die Marke 20 Prozent gibt Opel-Chef Carl-Peter Forster als Ziel vor.

Der wachsende Kostendruck zwingt die Autohersteller jedoch auf diesem Weg in immer neue Kooperationen. Immer häufiger brummt unter der Haube konkurrierender Marken der gleiche Motor. Da die Anzahl der Nischenfahrzeuge wächst, sinken die Stückzahlen je Modell. Damit sich die Entwicklung dennoch lohnt, machen die Konzerne vor allem dort, wo es der Kunde nicht direkt sieht, zunehmend gemeinsame Sache. So teilen sich der neue Mitsubishi Colt und der kommende viersitzige Smart Forfour wichtige Komponenten. Auch der neue Madza-3-Kompaktwagen erhält vom weltweiten Ford-Konzern massive Hilfe. Der Wagen steht auf der gleichen Plattform wie der kommende Ford Focus und der Volvo S 40. Der Chrysler Crossfire wäre ohne Hilfe aus Stuttgart heute noch eine Studie. Das Coupé bedient sich zu 40 Prozent aus dem Mercedes-Regal. Daimler räumt ein: "Ohne den Rückgriff auf Mercedes-Technologie hätten wir das Auto nicht bauen können."

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