Autohersteller setzt auf die Serie neuer Modelle
Opel kommt aus dem Tal

Die Adam Opel AG nimmt wieder Fahrt auf. Statt über Personalabbau wird seit einiger Zeit wieder über Sonderschichten verhandelt. Die Serie neuer Modelle ist angelaufen, und die Belegschaft fasst nach ersten Erfolgen wieder Mut. Vor einem Jahr herrschte dagegen noch nackte Angst an den deutschen Opel- Standorten.

HB FRANKFURT/MAIN. Während die Konkurrenz mit Verkaufserfolgen und Gewinnrekorden auftrumpfte, steckte das gesamte europäische Autogeschäft der US-Mutter General Motors (GM) mit den Marken Opel, Vauxhall (Großbritannien) und Saab (Schweden) in der Sackgasse.

Veraltete Modelle, ein mangelhaftes Händlernetz und Imageprobleme auf Grund von Qualitätsmängeln führten zu Milliardenverlusten. Parallel dazu ging vor allem auf dem Heimatmarkt Deutschland der Anteil von Opel-Fahrzeugen ständig zurück. Hinzu kam eine generelle Flaute in der europäischen Autoindustrie. Dabei konnten nur Marken mit attraktiven Modellen ihre Position behaupten oder ausbauen. Der von BMW gekommene neue Vorstandschef Carl-Peter Forster bilanzierte nüchtern: "Die Krise kann nicht mehr mit herkömmlichen Mitteln bewältigt werden."

Zur Rettung des angeschlagenen Autoproduzenten wurde ein Sanierungsprogramm aufgelegt und nach einem Erfolgsmodell der 50er Jahre "Olympia" benannt. Angesichts gesunkener Marktanteile waren die Produktionskapazitäten an den 16 Standorten in Europa eindeutig zu hoch. Ein Kapazitätsabbau von 350 000 Einheiten pro Jahr war notwendig. Von zunächst sechs alternativen Rettungsszenarien beinhalteten alleine vier die Schließung ganzer Werke. "Bochum oder Antwerpen" lautete über Wochen die Spekulation. Entsprechend groß waren Unruhe und Sorgen bei den Opelanern in NRW.

Am 14. September 2001 gelang schließlich der Durchbruch in der Konfrontation zwischen Management und den europäischen Arbeitnehmervertretern. Die Betriebsräte mit dem Rüsselsheimer Klaus Franz an der Spitze akzeptierten den geplanten Kapazitätsabbau. Im Gegenzug bekräftigte das GM-Management, dass kein Werk geschlossen und der Personalabbau ohne Kündigungen vollzogen wird.

In Deutschland werden als Folge von Olympia 2500 Stellen bei Opel wegfallen. Falls sich für die angebotenen Vorruhestands- und Altersteilzeitprogramme bis Ende 2002 mehr Beschäftigte melden, wird Personalvorstand Norbert Küpper aber kaum das Stopp-Schild hochhalten.

Zwar musste Forster zum Jahresbeginn noch einen Rekordverlust für 2001 von 674 (2000: 502) Mill. ? verkünden. Doch schon in diesem Jahr soll der operative Fehlbetrag auf gut 400 Mill. ? gedrückt werden. Für das vierte Quartal 2003 gilt die "schwarze Null" als Zielgröße. Maßgeblich zur Ertragswende tragen massive Einsparungen bei den Personalkosten bei. Im laufenden und im nächsten Jahr wird beispielsweise das Weihnachtsgeld um 30 % gekürzt. In der Hoffnung auf bessere Zeiten leistet Opel in den Jahren 2004 und 2005 im Gegenzug wieder höhere Jahreszahlungen.

"Wir haben mit unserem Modell demonstriert, dass man auch ohne Massenentlassungen und Werkstilllegungen eine Krise meistern kann", bilanziert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Franz das erste Jahr mit Olympia. Das Unternehmen könne wegen der gedrückten Personalkosten wieder atmen. Dafür werde die Belegschaft später entschädigt. "Damit konnten wir zugleich die Motivation in der gesamten Mannschaft sichern."

Nun setzt Opel auf die Serie neuer Modelle. Nach dem guten Start des Mittelklassefahrzeugs Vectra, für das ebenso wie für den erfolgreichen Zafira Sonderschichten gefahren werden, ist die Zuversicht gewachsen. Nach der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September 2003 soll vor allem der Golf-Konkurrent Astra verlorenes Terrain wieder zurück gewinnen.

Bis dahin sind im Olympia-Programm aber noch einige Hürden zu nehmen. Kontrovers wird zwischen Betriebsrat und Vorstand derzeit verhandelt, ob für den Teilebau in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern ein Verkauf oder Gemeinschaftsunternehmen mit Zulieferern die bessere Lösung ist. Bis die Marke Opel aber wieder den Glanz früherer Jahre erreicht, müssen nach Meinung von Forster allerdings noch drei bis fünf Jahre ins Land ziehen.

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