Autohersteller und Einzelhandelswerte dürften unter Druck geraten
Fallende Kurse für Montag an US-Börsen erwartet

Am Montag um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird der Handel an der New Yorker Wertpapierbörse wieder aufgenommen. Voraussetzung dafür sei, dass die Tests des Handelssystems am Wochenende erfolgreich verlaufen, sagte Börsenchef Richard Grasso am Freitag. Händler und Analysten rechnen am ersten Handelstag nach den Terroranschlägen auf Washington und New York mit sinkenden Aktienkursen.

dpa-afx NEW YORK. Auch zwei Drittel der Befragten einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris Interactive erwarten für die kommenden Wochen sinkende Börsennotierungen. Über die Hälfte hält Aktien in Folge der tragischen Ereignisse für keine gute Anlageform. Dennoch will nur ein Prozent seine Aktien verkaufen.

Rally am Rentenmarkt

Die Anleger versuchten, ihr Geld kurzfristig sicher zu parken, sagten Händler. Seit der Wiederaufnahme des Handels am US-Rentenmarkt am Donnerstag sind US-Staatsanleihen enorm gefragt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel am Freitag im Zuge der anhaltenden Rally auf den tiefsten Stand in vierzig Jahren.

Gleichzeitig wurde auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve noch vor der nächsten planmäßigen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am 2. Oktober spekuliert. Dadurch könnte die Zentralbank sowohl das angeschlagene Verbrauchervertrauen als auch das Geschäftsklima verbessern, hieß es. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten gar eine konzertierte Aktion mehrerer Zentralbanken in den nächsten Tagen.

Richard Bernstein von Merrill Lynch riet Anlegern am Freitag zur Zurückhaltung. Wer das Ende der Überreaktion auf die Ereignisse abwarte, habe bessere Anlagemöglichkeiten als diejenigen, die unmittelbar handeln wollten. Die Investmentbank setzt auf Aktien von Pharmaunternehmen, Herstellern von Verbrauchsgütern, Luft- und Raumfahrtunternehmen, Versorgern und Finanzdienstleistern.

Autohersteller und Einzelhändler mögliche Verlierer

Auch Morgan Stanley geht davon aus, dass sich die Aktienkurse der Versorger positiv entwickeln werden. Auch Öl- und Energieaktien hätten gute Aussichten, schrieben die Analysten in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Autohersteller und Einzelhandelswerte würden dagegen unter den Auswirkungen der Anschläge zu leiden haben.

Der Schock nach den Anschlägen sei mit den schlechten Konjunkturdaten der jüngsten Zeit eine "tödliche Verbindung" eingegangen, schrieb Stephen Roach von Morgan Stanley. Er hält als Folge der Krise einen Rückgang des Weltwirtschaftswachstums auf 1,5 % im laufenden Jahr für möglich. Das entspräche einer weltweiten Rezession, die dem Ölpreisschock von 1972 in nichts nachstünde.

Historische Daten zeigen: Langfristige erholung nach ähnlichen Katastrophen

Die historischen Daten deuten ebenfalls darauf hin, dass sich Abwarten für die Anleger auszahlen könnte: Der japanische Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 drückte den Dow Jones Industrial Average (DJIA), der die 30 wichtigsten industriellen US-Standardwerte enthält, um 2,9 % ins Minus. Eine Woche später belief sich das Minus auf 4,6 %. Jedoch hatte sich der Index 18 Monate später um 22,8 % verbessert.

Eine ähnliche Entwicklung war in anderen Krisensituationen zu beobachten, etwa nach dem irakischen Angriff auf Kuwait am 2. August 1990. Der DJIA fiel zunächst um 1,9 %, eine Woche später stand er mit 3,7 % ins Minus. 18 Monate später aber befanden sich die Standardwerte aber wieder zweistellig im Plus.

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