Autohersteller warten auf Angebot für lukrative Rennsportserie
Kirch verkauft Formel 1 notfalls komplett

Die hoch verschuldete Kirch-Gruppe wird derzeit auf den Kopf gestellt. Um die Milliarden-Kredite abzutragen, ist der Münchener Medienkonzern nun auch bereit, die Formel 1 falls notwendig komplett abzugeben. Gewinner könnten die Autohersteller und der Medienmogul Rupert Murdoch sein.

brb/hps/mwb DÜSSELDORF. Die Kirch-Gruppe will die Formel 1 abgeben. "Die Formel-1-Anteile werden alle verkauft", erklärte am Mittwoch ein Kirch-Insider auf Anfrage. Derzeit hält der angeschlagene Medienkonzern zusammen mit der Filmrechtefirma EM.TV drei Viertel am lukrativen Rennzirkus. Ein Kirch-Sprecher sagte: "Unser Interesse ist, die Mehrheit zu behalten. Eine Abgabe der Mehrheit würde nur dann in Frage kommen, wenn sich dies als Teil der Umstrukturierung der Kirch-Gruppe überhaupt nicht vermeiden ließe." Genau danach sieht es aber aus.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Wolfgang van Betteray arbeitet zusammen mit den Gläubigerbanken - darunter Hypo-Vereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank und DZ-Bank - an einer Sanierung der Kirch-Gruppe. "Ein Konkurs wäre eine brutale Wertvernichtung, die niemand zulassen kann", hofft ein Insider. Die Mediengruppe ist mit mindestens 6,5 Mrd. Euro verschuldet. Eine Lösung ist offenbar schwierig. Am kommenden Sonntag setzen sich die Banken, Sanierer und Kirch wieder zusammen.

Die Formel 1 gehört zu den werthaltigsten Teilen des Konzerns. Über TV-Rechte, Sponsoring und Merchandising werden jährlich etwa 2,5 Mrd. Euro umgesetzt. Allein das Fernsehen generiert laut "Wall Street Journal" über 325 Mill. Euro. Aus der Werbung kommen weiter 650 Mill. Euro hinzu. Die größten Einnahmen kommen aus dem Sponsoring mit 1,7 Mrd. Euro. Durchschnittlich sehen allein bei RTL zehn Millionen Zuschauer die Rennen.

Die an der Formel 1 beteiligten Autohersteller Daimler-Chrysler, BMW, Fiat, Ford und Renault hatten die Übernahme der Serie durch Kirch kritisiert und ab 2008 mit einer eigenen Rennserie gedroht. Kirch erwarb letztes Jahr für 1,83 Mill. Euro den 75 %-Anteil an der Formel-1-Holding Slec. Die restlichen Anteile hält Bernie Ecclestone.

Aus Kirch-Kreisen verlautet, es läge noch kein Angebot der Autokonzerne vor. Hingegen betont ein Sprecher von Daimler-Chrysler "Wir warten auf ein Angebot." Beim Stuttgarter Autoriesen heißt es, es gelte das Wort des Mercedes-Benz Vorstands Jürgen Hubbert: "Wenn das Angebot stimmt, nehmen wir die Formel 1." Aus Kreisen deutscher Autohersteller war zu erfahren, dass die Bewertung der Rechte sehr schwierig sei und die Risiken kaum abzuschätzen. Zudem gehöre die Vermarktung von Sportrechten nicht zum Kerngeschäft der Hersteller. Die Autohersteller halten sich lieber weiter die Option einer eigenen Rennserie offen.

Bei Kirch wird davon ausgegangen, dass die Autohersteller nicht an einer Komplettübernahme interessiert sind. Um den Rennzirkus am Laufen zu halten, sei ein Medienpartner vom Schlag eines Rupert Murdoch nötig, meint ein Konzerninsider. Für Kirch ist eine Lösung unter Einbindung Murdochs überlebenswichtig. Denn im Oktober kann der Australo-Amerikaner aus dem verlustreichen Bezahlsender Premiere aussteigen und dafür 1,7 Mrd. Euro von Kirch verlangen. Ein Teil der Put-Option könnte mit Formel 1-Anteilen beglichen werden. Murdoch ist mit 22 % an Premiere beteiligt.

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