Autoindustrie dient als Musterfall
Bundeskartellamt nimmt Internet-Plattformen ins Visier

Die Gründung immer neuer Internet-Plattformen zur Warenbeschaffung in der Industrie hat jetzt das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Kartellamtspräsident Ulf Böge kündigte an, die Behörde werde am Beispiel der Automobilhersteller Ford, General Motors, DaimlerChrysler und Renault/Nissan die wettbewerbsrechtlichen Probleme derartiger E-Commerce-Lösungen untersuchen.

ap/Handelsblatt/Reuters BONN. Die Atomobilhersteller kooperieren bei der Entwicklung einer Internet Plattform. Der Betreiber des Handelsportals, das in der Gründungsphase befindliche Unternehmen "Covosint" will nach eigenen Angaben die Kosten der gesamten Automobilindustrie verringern. Bei der Prüfung der Internetplattform des Unternehmens "Covisint" werde die Möglichkeit zu Absprachen untersucht, bei der durch Bündelung eine Nachfragemacht entstehen könnte", sagte ein Kartellamtssprecher am Dienstag zu Handelsblatt.com. Durch die Internteplattform sollen Zulieferprozesse rationalisiert, Entwicklungszeiten für Fahrzeuge verkürzt, sowie allgemein manuelle Beschaffungsprozesse rationalisert werden.

Einen konkreten Anfangsverdacht gebe es derzeit nicht. "Wir beobachten die Entwicklung im Internet seit geraumer Zeit und sind in die Prüfung eingetreten, um Informationen über Internet Plattformen einzuholen",sagte ein Sprecher des Kartellamtes. Das Amt interessiere bei Covisint vor allem, wie die Zulieferer den Zugang zur Plattform einschätzten, und ob sie die Gefahr aufeinander abgestimmter Verhaltensweisen erkennen würden. Ferner wolle das Amt wissen, inwieweit die Zulieferer Beschränkungen beim Zugang zu dieser Plattform befürchteten oder sich Sorgen um die Vertraulichkeit beim Austausch der Daten machten. Beschwerden seitens deutscher Automobilzulieferer lägen bislang nicht vor. Dennoch habe das Bundeskartellamt eine größere Zahl deutscher Automobilzulieferer um eine Einschätzung gebeten.

Die Prüfung des E-Commerce-Unternehmens Covosint sei aber kein Einzelfall. Auch im Bereich der chemischen Industrie würden Internet Plattformen untersucht, sagte Kartellamtssprecher Ulf Böge. Zudem prüfe das Kartellamt intensiv ein Internetportal für Schiffstreibstoffe. In Absprache mit anderen Kartellbehörden in Europa und den USA würden auch andere E-Commerce-Plattformen untersucht. "Der Internet-Handel ist schließlich ein globales Thema, und deshalb müssen wir weltweit Gefahren für den Wettbewerb ausschließen", sagte Böge. Das Bundeskartellamt betrete mit der Prüfung von Internet-Plattformen Neuland. Die Behörde werde von sich aus auf Initiatoren von Internet-Plattformen zugehen, um mögliche Gefahren für den Wettbewerb zu diskutieren, "damit die Unternehmen nicht in Kartellverfahren hineinlaufen".

Dabei nutzt das Kartellamt selbst die neuen Möglichkeiten des Internets. Auf der eigenen Homepage (www.bundeskartellamt.de) präsentiert die Behörde den Zulieferern eine Beschreibung der geplanten Internet-Plattform "Covisint", die nach Angaben ihrer Gründer der gesamten Automobilindustrie, einschließlich der Zulieferer, als Kommunikationsplattform dienen und Dienstleistungen im Beschaffungswesen, im Zuliefermanagement und in der Produktentwicklung zur Verfügung stellen soll. Böge bezeichnete "Covisint" als Musterfall, mit dem die Wettbewerbshüter erstmals eine öffentliche Diskussion über die boomenden Business-to-Business-Plattformen erreichen wollten. Denn offensichtlich bestehe die Gefahr einer verbotenen Nachfragebündelung oder unzulässiger Zugangsbeschränkungen. "Ein Kartell bleibt auch im Internet ein Kartell", warnte Böge.

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