Autoindustrie setzt alle Hoffnungen in IAA
Gespannter Blick nach Frankfurt

Wenn die 60. Internationale Automobil-Ausstellung ihre Pforten öffnet, blickt die Branche wieder gespannt nach Frankfurt. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der Bundesrepublik rückläufig, nun hoffen die Autobauer wieder auf positive Impulse.

Reuters FRANKFURT. Nach vier mageren Jahren hofft die deutsche Automobilbranche so stark wie schon lange nicht mehr auf einen Nachfrageschub durch die weltweit größte Automesse IAA, die in der kommenden Woche in Frankfurt beginnt.

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der Bundesrepublik rückläufig, und in diesem Jahr dürfte sie allenfalls stagnieren. 2004 jedoch soll es wieder bergauf gehen. Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) soll nach dem Willen der Veranstalter mit vielen Neuheiten wie den neuen Modellen des VW Golf und des Opel Astra die Initialzündung für einen Aufschwung im wichtigsten Industriezweig des Landes bringen und damit am besten ganz Deutschland aus dem Konjunkturtief holen. 60 automobile Weltneuheiten verspricht der Verband der Automobilindustrie (VDA), der sogar erstmals im Fernsehen für die Messe wirbt. Bezeichnenderweise öffnet die Schau am 11. September - dem zweiten Jahrestag der Anschläge in den USA, die die vorherige IAA überschattet hatten und die sich damals abzeichnende Erholung der Weltwirtschaft abrupt stoppten.

"Zugpferd der Konjunktur"

Nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA standen die Zeichen für eine Belebung der deutschen Autoindustrie lange nicht mehr so gut wie jetzt: "2004 haben wir gute Chancen, nicht nur den Bodensatz erreicht zu haben, sondern wieder zuzulegen und über dem Jahr 2003 zu liegen", prophezeit Verbandspräsident Bernd Gottschalk. Dabei könne sich die Branche sogar als "Zugpferd" für eine gesamtwirtschaftliche Erholung beweisen: "In Deutschland hat es noch nie einen Aufschwung ohne die Autoindustrie gegeben", sagt Gottschalk. Auch Branchenkenner sagen der Industrie - von der in Deutschland schätzungsweise jeder fünfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt abhängt - bessere Zeiten voraus: "Ich bin positiv eingestellt. In Deutschland könnte der Absatz 2004 um vier Prozent zulegen", glaubt Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Dann könnten auch endlich wieder die gebeutelten Aktienkurse der Autokonzerne steigen.

Die allmählich zurückkehrende Zuversicht der Verbraucher auch angesichts der geplanten Steuerentlastungen sowie die sich aufhellende Stimmung bei den Unternehmen bilden nach Meinung von Branchenkennern einen immer festeren Boden für steigende Auftragseingänge bei den Autobauern. Hinzu kommt der vergleichsweise alte Fahrzeugbestand in Deutschland: Im Schnitt rund sieben Jahre hat ein deutscher Pkw mittlerweile auf dem Buckel, ein Alter, das nach Ansicht der Anbieter den Kauf eines Neuen dringend rechtfertigt. Und dazu wollen die Autobauer nun auf der IAA mit der Präsentation ihrer neuesten Modelle anregen. Mut macht den Unternehmen auch die Erfahrung der Vergangenheit: Nach der IAA gingen bisher immer die Verkaufszahlen hoch, wie das Statistische Bundesamt meldete.

Alltagsautos im Vordergrund

Nachdem die vergangenen zwei Autojahre aus deutscher Sicht überwiegend im Zeichen von Luxuslimousinen und Nischenmodellen wie etwa Geländewagen oder Sportwagen standen, rücken auf der diesjährigen IAA eher alltägliche Fahrzeuge in den Vordergrund. Vor allem der neue VW Golf sowie der voraussichtlich im Frühjahr in den Verkauf gehende Astra von Opel sollen die Massen anziehen und die Kauflaune steigern. "Diesmal stehen echte Massenautos im Vordergrund", urteilt Analyst Pieper. Auch die im Sommer auf den Markt gekommenen Version des 5er-BMW dürfte noch Blicke auf sich ziehen - alles in allem Fahrzeuge, die die Neuzulassungszahlen in Deutschland in den kommenden Monaten kräftig steigen lassen könnten. VW will noch in diesem Jahr mehr als 130 000 Stück seines Golf V verkaufen.

Und "Alltagsautos" sind schwer gefragt: Funktionalität und Preis eines Wagens stehen einen neuen Umfrage zufolge bei der Kaufentscheidung an erster Stelle - und nicht etwa Geschwindigkeit und Design. Ungeachtet dessen werden auf der IAA auch schnelle, luxuriöse, spektakuläre und vor allem teure Karossen zu sehen sein. BMW zeigt das neue 6er-Luxus-Coupe, Mercedes präsentiert seinen Super-Sportwagen SLR, und VW stellt die Studie eines Roadsters mit angeblich über 250 PS Leistung vor - nebenbei das erste Auto aus dem VW-Konzern, das ganz unter der Regie des seit April 2002 amtierenden Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder entstanden ist.

Diesel-Technik wird immer intelligenter

Aus technischer Sicht dürfte auf der IAA sicherlich die auch in Deutschland immer stärker gefragte Diesel-Technologie im Mittelpunkt stehen. Rund 40 % der Neuwagen haben hier zu Lande einen Dieselmotor. Nun ziehen deutsche Hersteller einigen ausländischen Konkurrenten nach und bieten für ihre Fahrzeuge ebenfalls Diesel-Rußfilter an, um die schädlichen Emissionen zu reduzieren. Neuigkeiten dürften auch bei elektronischen Hilfssystemen wie etwa einer automatischen Fußgängererkennung für mehr Verkehrssicherheit zu sehen sein. Und dass die IAA auch für weniger geübte Autofahrer etwas parat hat, stellt Toyota unter Beweis: Der führende japanische Autokonzern präsentiert seinen "Prius", der ganz von alleine einparken kann. Ein Verkauf dieser Version des Fahrzeugs in Deutschland ist allerdings nicht vorgesehen.

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