Autokonzern soll sich aus eigener Kraft retten
Banken verhindern Staatsrettung von Fiat

Die 8100 Fiat-Arbeiter, die um ihre Jobs fürchten müssen, hatte auf eine Rettung durch eine Kapitalspritze der Regierung Berlusconi gehofft. Die Hausbanken stellen sich quer.

HB/dpa ROM. Um ihre Arbeitsplätze bangend hatten sich rund 1400 Arbeiter eines Fiat-Werks auf Sizilien auf den Weg nach Rom gemacht. Zwischen Angst und Hoffnung wollten sie in der italienischen Hauptstadt gegen eine mögliche Schließung ihrer Fabrik demonstrieren. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte nach einem ersten Treffen mit der Fiat-Führung lauthals verkündet, den geplanten Abbau von 8100 Arbeitsplätzen unbedingt verhindern zu wollen - notfalls auch mit einer Staatsbeteiligung an dem Unternehmen. Dieses erste Lösungsmodell ist jetzt gescheitert: Die finanzkräftigen Hausbanken stellen sich quer.

Trocken teilten die vier Gläubigerbanken nach Beratungen mit Regierung und Fiat-Management mit, dass der am 9. Oktober von dem Turiner Konzern vorgelegte Plan durchaus akzeptabel ist. Der sieht neben Stellenkürzungen für eine drastische Produktionsdrosselung auch zukunftsträchtige Investitionen vor. Bis 2006 sollen jährlich 2,5 Mrd. ? in neue Auto-Modelle gesteckt werden. "Zuvor sind jedoch Kostensenkungen nötig, um in den nächsten vier Jahren 20 neue Modelle auf den Markt zu bringen", hatte Fiat-Auto-Chef Giancarlo Boschetti bereits vor Wochen erklärt. "Ein positiver Plan, unter dem Gesichtspunkt eines Wiederaufschwungs", werteten die Banken.

Nachdem die italienische Regierung tagelang das Heft in die Hand genommen hatten und bereits von einem völlig neuen Industrie- und Finanzplan die Rede war, wurde Berlusconis Euphorie jetzt gebremst. Den Banken geht es in erster Linie um die Rettung des Fiat-Konzerns aus eigener Kraft, der Regierung um die Rettung tausender Arbeitsplätze. Ob beides möglich sein wird, ist fraglich.

Dem Fiat-Management ist dabei durchaus klar, dass der Plan für viele schmerzlich ist. "Ein sehr trauriges Rezept, aber noch keine Kapitulation. Wir müssen die zukünftige Entwicklung garantieren", hatte es Umberto Agnelli, Chef der Fiat-Holdings Ifi und Ifil, auf den Punkt gebracht. "Alle erwarten von uns, dass wir in Italien Nägel mit Köpfen machen - und genau das tun wir jetzt", sagte Boschetti.

Fiat musste sich etwas Durchgreifendes einfallen lassen, um wieder hoffen zu können. Und dies vor allem hinsichtlich des im Juli mit den Hausbanken unterzeichneten Vertrags, der für Fiat böse Folgen haben kann, falls er nicht eingehalten wird. Der Turiner Konzern hatte sich dazu verpflichtet, als Gegenleistung für eine Wandelanleihe in Höhe von drei Mrd. ? seine Nettoverschuldung bis Ende 2002 auf drei Mrd. ? zu halbieren. In den Vereinbarungen sind zur Erreichung dieses Ziels grundlegende Veränderungen vorgesehen, einschließlich Stellenabbau und Veräußerung von Vermögenswerten.

"Der Plan bleibt unverändert", verkündete Fiat-Präsident Paolo Fresco erleichtert nach dem Treffen mit den Banken. Auch eine Drohung von US-Partner General Motors hat wohl zu dieser Entscheidung beigetragen. GM hält derzeit 20 % an Fiat und muss den Rest ab 2004 ganz übernehmen, falls Fiat das wünscht. "Wenn sich die Kontrolle über den Konzern ändert, werden unsere Vereinbarungen hinfällig", hatte der Auto-Gigant mitgeteilt.

Jetzt will die italienische Regierung mit den Gewerkschaften über neue Lösungen beraten. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti soll am Freitag den Ministerrat über den neuesten Stand der Dinge informieren. Unterdessen warten die sizilianischen Arbeiter vor den römischen Regierungsgebäuden. Ein Demonstrant verkündete: "Wir gehen hier nicht weg, bis wir konkrete Antworten haben.

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