Autokonzerne investieren in den Vereinigten Staaten in den digitalen Rundfunk
Satellitenradio macht lokalen Sendern Konkurrenz

Ein neues Satelliten-Digitalradio ermöglicht es erstmals, in den Vereinigten Staaten überall dasselbe Programm zu hören. Das XM Radio genannte Projekt ist Ende September gestartet. Ein echter Fortschritt vor allem für Autofahrer. Die Radiolandschaft in den USA besteht aus lokalen Sendern, deren Reichweite oft nur 50 Kilometer beträgt. Nun bleibt Reisenden erspart, ständig neue Programme einzustellen.

MÜNCHEN. Für die Betreiber des neuen Radios war deshalb klar: Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg ist, dass XM Radio auch im Auto empfangen wird. Das ermöglichen zwei extrem leistungsstarke Satelliten, die Boeing geliefert hat. Hinzu kommt die Sendetechnik von Alcatel, deren Signale mit simplen Draht- oder Stabantennen aufgefangen werden. Da Gebäude, Tunnel und andere Hindernisse den Kontakt zum Satelliten verhindern können, werden zusätzlich lokale Sender errichtet. Das Radio schaltet bei Bedarf automatisch zu den terrestrischen Funkmasten um.

Die beiden XM-Satelliten wurden bereits im August auf ihre geostationäre Umlaufbahn geschickt. Nach dem Start in lokalen Testmärkten wie Dallas und San Diego beginnt nun eine 100 Mill. Dollar teure, landesweite Kampagne.

Die Geräte werden vor allem von Pioneer und Sony hergestellt. Käufer eines Cadillac erhalten das XM-Radio schon jetzt serienmäßig. Im nächsten Jahr werden die Satelliten-Empfänger auch in Chevrolets und anderen GM-Marken zu finden sein. Einzigartig für die USA ist das Programmangebot von XM: Der Sender bietet 100 Kanäle, 71 davon mit Musik rund um die Uhr und sortiert nach Genre. Der Rest sind Informations- und Kinderprogramme.

Radio-Abonnenten erhalten eine Chip-Karte

XM Radio übernimmt nur einen kleinen Teil des Programms von anderen Sendern. Der größte Teil wird nur für XM in eigenen Studios in New York, Washington und Nashville gemischt. Die Eigenproduktionen sind werbefrei - dafür kostet XM Radio 9,99 Dollar monatlich. Abonnenten des Radios erhalten eine Chipkarte, auf der der Zugangs-Code gespeichert ist.

An der privaten XM-Betreibergesellschaft sind neben anderen Investoren auch General Motors und Honda USA beteiligt. Die GM-Tochter Hughes hat bereits mit DirecTV einen großen Erfolg mit digitalem Fernsehen über Satellit erzielt. Der Name XM sei die logische Folge auf die Systeme AM (Mittelwelle) und FM (UKW), teilen die Betreiber mit.

Auch andere Anbieter haben das Geschäft mit dem Satellitenradio entdeckt: Bereits in der Testphase befindet sich Sirius Radio. Die Firma hat drei Satelliten in die Umlaufbahn geschickt. Anders als bei XM sind diese aber nicht an einer festen Himmelsposition über dem Äquator stationiert, sondern kreisen in einer wesentlich erdnäheren, elliptischen Bahn.

Die Satelliten wechseln sich untereinander mit der Übertragung der Programme ab, da sie jeweils nur rund 16 Stunden auf den amerikanischen Kontinent abstrahlen. Sirius-Kunden werden zunächst eigene Empfangsgeräte brauchen, die von Firmen wie Kenwood und Panasonic gefertigt werden. Autofirmen wie Ford, Daimler-Chrysler und BMW haben sich dazu verpflichtet, Sirius zu unterstützen. Haben sich beide digitalen Radiosysteme etabliert, soll später eine neue, zweite Generation von Radios auf den Markt kommen, die beide Sendesignale empfangen kann.

Auch das Digital Audio Broadcast (DAB), das neuerdings unter dem Stichwort Digital-Radio vermarktet wird, setzt auf Autofahrer als zentrale Zielgruppe. Die europäische Variante wird jedoch nur terrestrisch ausgestrahlt - für den Satellitenempfang gäbe es auf dem alten Kontinent zu viele Hindernisse. Eine Art XM Radio für Europa wäre allerdings wegen der Sprachbarrieren kaum denkbar. Die DAB-Betreiber setzen deshalb darauf, terrestrisch ausgestrahlte regionale Programme einzuspeisen.

Im Gegensatz zu Europa gilt die Satellitenradio-Technologie in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas als viel versprechend. Da dort am Boden oft die Infrastruktur fehlt, könnte der Satellit einspringen. Diese Idee verfolgt World Space, eine weitere US-Firma. Sie plant, lokale Radioprogramme gegen Gebühr über ihre Satelliten zu verbreiten. World Space hat zudem angekündigt, seine Ausstrahlung bei entsprechender Nachfrage auch auf Europa auszurichten.

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