Autokonzerne liefern sich spannendes Wettrennen um die besten Startplätze im Reich der Mitte
Daimler zurrt China-Strategie fest

Noch ist Volkswagen die Nummer eins unter den Autokonzernen in China. Doch die Wolfsburger müssen sich heftiger Konkurrenz erwehren. Viele Wettbewerber, darunter auch Erzrivale BMW, unterschreiben Verträge über den Bau neuer Werke. Daimler-Chrysler gilt hier als Nachzügler, will aber umso mehr Dampf machen.

PEKING/STUTTGART. Der Automarkt in China entwickelt sich rasant. Allein in diesem Jahr wollen die Chinesen 40 % mehr Autos kaufen - womit die Schallmauer von einer Million verkaufter Pkw durchbrochen wäre. Noch ist Volkswagen mit einem Marktanteil von 46 % unangefochten die Nummer eins. Doch nicht mehr lange.

Denn seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO Ende 2001 geben sich die Topmanager der großen Autokonzerne hier die Klinke in die Hand. Der vorerst letzte, der mit glänzenden Augen das Land mit einem dicken Vertrag verlassen hat, ist PSAChef Jean-Martin Folz. Der Peugeot-Citroen-Konzern baut künftig mit dem drittgrößten Hersteller Chinas Dongfeng ein Werk für die Fertigung von zunächst 150 000 Pkw pro Jahr. Zuvor hat Dongfeng mit Nissan eine Vereinbarung unterschrieben.

Die deutschen Autokonzerne wollen da nicht zurückstecken. BMW erwartet noch für dieses Jahr grünes Licht für eine Montage der BMW 3er-Reihe. Der chinesische Partner ist der Minibushersteller Brilliance. Allerdings beweist das Kapitel Brilliance auch, wie schwer das China-Geschäft für den erfolgsverwöhnten Konzern aus Bayern ist. Der Partner selbst gilt nach internen Querelen und der Flucht des Ex-Chefs Yang Ron in die USA als sehr geschwächt, möglicherweise muss die Provinzregierung einspringen, um den Hersteller zu retten.

Die Probleme des Rivalen halten Daimler-Chrysler, immerhin viertgrößter Autokonzern der Welt, nicht davon ab, Flagge zu zeigen. "Der Vorstand arbeitet derzeit ein Gesamtkonzept aus, welche Märkte mit welchen Partnern ausgebaut werden", bestätigte ein Sprecher dem Handelsblatt. Die China-Projekte wird der Konzern möglicherweise schon im Dezember bekannt geben. Die Investitionen könnten dann einen deutlichen dreistelligen Millionenbetrag erreichen.

Daimler hat in den vergangenen Jahren mehrere Anläufe in China unternommen, die alle nicht den Durchbruch brachten. Das Unternehmen besitzt seit langem Minderheitsbeteiligungen an zwei zuletzt verlustreichen Gemeinschaftsunternehmen: Beijing Jeep stellt in Lizenz Chrysler-Geländewagen her, Yaxing Benz Mercedes-Busse.

Beide Unternehmen hat Daimler in diesem Jahr mit frischen Kapital und neuem Management ausgestattet. "Wenn wir hier weiter investieren, müssen wir für die Behörden sichtbare Zeichen setzen und zeigen, dass wir durchhalten können", sagte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes vor wenigen Wochen. Daimler-Chrysler will jetzt in einem ersten Schritt eine neue Führungsorganisation für China bestimmen. Daimler-Manager sollen Verhandlungen vor Ort schneller voranbringen. Der Vorstand will außerdem weitere Joint-Ventures eingehen. Im Pkw-Bereich sind die Entscheidungen bereits gefallen. Das Joint-Venture Beijing Jeep wird mit der Daimler-Tochter Mitsubishi Motors (MMC) als zusätzlichem Partner weiterarbeiten.

Kern für weitere Vorhaben im Pkw-Geschäft ist Beijing Jeep. Im kommenden Jahr wird MMC dort den Geländefahrzeuge Pajero Sport fertigen, der Outlander folgt 2004. "Mittelfristig ist auch eine Montage von Mercedes-Benz-Fahrzeugen beabsichtigt", sagte der Daimler-Chrysler-Sprecher. Die Luxuslimousinen mit dem Stern will Daimler allerdings erst bei größerer Kundennachfrage in China montieren. Gedacht wird dabei vor allem an die E-Klasse. Bislang verkauft Daimler in China pro Jahr erst zwischen 7000 und 8000 Pkw der Nobel-Marke. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking allerdings würden die Stuttgarter gern mit dem Stern vor Ort glänzen.

Schwieriger gestaltet sich dagegen die Partnerentscheidung auf der Nutzfahrzeugseite. Die Vorstände werden demnächst mehrere Szenarien diskutieren. Es gilt einen Joint-Venture-Partner für Transporter auszuwählen und einen für schwere Nutzfahrzeuge. Seit zwei Jahren verhandelt der Konzern intensiv mit FAW, dem größten Lkw-Hersteller des Landes. Die Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen sind weit gediehen. Sogar der Standort steht zu 90 % fest. Es ist die Stadt Qingdao in der Provinz Shandong an der Küste im Nordosten Chinas.

Die Vorstände wollen sich für die Planung entscheiden, die am wirtschaftlichsten erscheint und wo eine schnelle unternehmerische Führung winkt. Noch können Autokonzerne nicht die Mehrheit an Werken in China erwerben.

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