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Automobil-Weltkonzerne im Trennungsfieber

Früher freuten sich die Aktionäre der Automobilkonzerne, wenn ihre Kfz-Schmieden reichlich vierräderige Untersätze verkauften. Heute beglückt es sie nur noch, steht auf der Verkaufsliste auch eine Unternehmenstochter. Und das möglichst in Übersee.

Das Vorbild BMW macht Schule. Die blau-weiße Nobelmarke legte beim Aktienkurs im vergangenen Jahr, nachdem sie sich von ihrem milliardenteuren Rover-Abenteuer getrennt hatte, gegen den Branchentrend um mehr als 25 % zu. Zuvor hatten die Bayern unter Beweis gestellt, dass sie vom Geschäft jenseits der Ober- und Luxusklasse wenig Ahnung besitzen.

Der Traum vom Weltkonzern wird auch bei Daimler-Chrysler offenbar nur noch in der Vorstandsetage geträumt. Die Aktionäre sind längst aufgewacht: Als am 15. Januar Gerüchte um eine Aufspaltung des deutsch-amerikanischen Konzerns die Runde machten, schoss der chronisch unter Druck geratene Börsenkurs kurzfristig in die Höhe. Nach dem Einzug von Daimler ins Detroiter Chrysler-Headquarter sucht man bis heute vergeblich nach den angekündigten Synergien. Chrysler blieb nicht nur auf dem europäischen Markt ein Nobody, auch in den Vereinigten Staaten plante der frisch fusionierte Konzern mit seiner traditionellen US-Marke meilenweit am Käufergeschmack vorbei. Das amerikanische Chrysler-Händlernetz, das noch bis vor wenigen Jahren rekordverdächtige Margen erwirtschaftete, entglitt der Konzernführung und verramschte die Modelle unter Wert.

Die Entfernung über den Ozean verstellt den Konzernlenkern in der Automobilindustrie anscheinend den notwendigen Blick für die Marktanforderungen: Buchstäblich in letzter Minute stoppte Ford - Topmanager Wolfgang Reitze die Einführung der US-barocken Straßenkreuzermarke "Lincoln" in Europa. Und auch die Wiedereinführung der Marke Alfa Romeo in den USA könnte sich für das von Fiat und General Motors betriebene Joint Venture als Fiasko erweisen. Die italienischen Sportwagen besitzen bei Amerikanern nicht nur ein miserables Image, den Modellen fehlt zudem in der Mehrzahl ein Automatikgetriebe. Doch was den Alfisti ein Graus, gilt jenseits des großen Teichs als unverzichtbares Muss.

Dass keinesfalls von einem Zusammenrücken der nationalen Kfz-Märkte die Rede sein kann, zeigt der Rüsselsheimer Autobauer Opel. Die Traditionsmarke, die sich seit über 70 Jahren im Besitz von General Motors befindet, fuhr für die Konzernmutter im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 1 Mrd. DM ein. Auch hier finden sich die Probleme zum Teil im Interkulturellen: Planungs- und Managementfehler werden vor allem dem amerikanischen Statthalter Robert Hendry zur Last gelegt, der sich sogar weigerte, Deutsch zu lernen. Trennungsgerüchte gibt es deshalb nun auch in Rüsselsheim. Spekulationen um einen Verkauf oder Börsengang von Opel, die ein Aufsichtsratsmitglied ins Spiel gebracht hatte, wies die Firmenleitung als "haltlos und ohne jegliche Grundlage" zurück. Kaum anders hatte es noch vor zwölf Monaten bei BMW geheißen.

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