Automobilbranche
Volvo will auf die Partnerschaft mit Mitsubishi nicht verzichten

Der schwedische Lkw-Hersteller Volvo würde mit Besorgnis darauf reagieren, sollte Daimler-Chrysler tatsächlich in drei Jahren seine Beteiligung am japanischen Konkurrenten Mitsubishi Motors von 34 auf 100 Prozent aufstocken. Volvo hält unbedingt am Lkw-Joint-Venture mit den Japanern fest.

HB FRANKFURT/M. Volvo steht einem stärkeren Engagement von Daimler-Chrysler bei dessen neuem japanischen Partner Mitsubishi Motors mit Skepsis gegenüber. "Eine höhere Daimler-Beteiligung würde bei uns eine gewisse Besorgnis auslösen", sagte Volvo-Lkw-Chef Tryggve Sthen auf der Nutzfahrzeugmesse IAA gegenüber dem Handelsblatt. Er äußerte allerdings die Hoffnung, "dass wir eine gute Lösung finden können." Daimler-Chrysler steigt in den nächsten Wochen mit 34 % bei Mitsubishi ein und hat danach das Recht, seinen Anteil auf die kompletten 100 % aufzustocken.

Sthen ließ offen, wie die Schweden auf ein stärkeres Daimler-Engagement bei Mitsubishi reagieren würden. "Wir schließen nichts aus", betonte der Volvo-Lkw-Chef. Anfang nächsten Jahres wird der Nutzfahrzeug-Hersteller mit den Japanern ein neues Joint Venture zur Lkw-Produktion gründen, an dem die Schweden zunächst 20 % halten sollen.

Im Moment sei Volvo mit der Mitsubishi-Kooperation "extrem glücklich". Beide Seiten hätten eine gute Form der Zusammenarbeit gefunden. Daimler-Chrysler habe Volvo und Mitsubishi stets zugesichert, dass die anstehende Kooperation von Japanern und Schweden bei Lkw vollstens respektiert werde. Der deutsch-amerikanische Automobilkonzern muss sich bei seiner geplanten Kooperation mit Mitsubishi im Moment ausschließlich auf den Pkw-Bereich beschränken.

Genug Zeit für eine vernünftige Lösung



Volvo will sich beim von der EU-Wettbewerbsbehörde verordneten Ausstieg bei Scania nicht unter Druck setzen lassen. "Die EU hat uns 3 Jahre gegeben. Das ist genug Zeit, um eine vernünftige Lösung zu finden", sagte Sthen. Brüssel verlangt von Volvo den kompletten Verkauf seiner restlichen Anteile am innerschwedischen Konkurrenten Scania. Andernfalls würde die EU-Kommission das neue Lkw-Bündnis zwischen Volvo und Renault nicht genehmigen. Der französische Automobilkonzern will zunächst mit 15 % bei Volvo einsteigen und seine Beteiligung in einem zweiten Schritt später auf 20 % aufstocken.

Sthen deutete an, dass Volvo an erster Stelle an einem guten Preis für seine Scania-Anteile interessiert sei. Er ließ offen, ob sich die Schweden mit Bargeld oder der Beteiligung an einem anderen Unternehmen bezahlen lassen wollen. Dies werde sich erst im Lauf anstehender Verhandlungen zeigen.

Kooperation mit Renault ist "vielversprechend"



Als wahrscheinlichster Anwärter auf die Scania-Anteile gilt der VW-Konzern. Das Wolfsburger Unternehmen war bereits im Frühjahr mit knapp 20 % der Anteile bei Scania eingestiegen und besitzt mit 34,5 % der Stimmrechtsanteile sogar die industrielle Führerschaft beim schwedischen Lkw-Hersteller. Volkswagen wollte sich auf der IAA ebenfalls nicht zum anstehenden Verkauf der Volvo-Anteile äußern. Scania sei ein eigenständiges Unternehmen, so VW-Nutzfahrzeugchef Bernd Wiedemann. Deshalb nehme er nicht Stellung zu Angelegenheiten, die den schwedischen Lkw-Hersteller beträfen.

Als "sehr vielversprechend" bezeichnete Sthen die Zusammenarbeit mit Renault. Beide Unternehmen könnten künftig auf die Stärke der zwei Marken vertrauen und so zusätzliches Wachstum erreichen. Synergien entstünden an erster Stelle durch die gemeinsame Verwendung von Komponenten. "Bei Motoren ist es beispielsweise nicht besonders klug, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen", betonte der Volvo-Manager. Sthen machte keine Angaben dazu, in welcher Größenordnung künftig Synergien entstehen könnten.

Auf dem US-Lkw-Markt erwartet Volvo zunächst keine kurzfristige Verbesserung. "Auch im nächsten Jahr ist davon nicht auszugehen", sagte Sthen. Das Lkw-Geschäft sei sehr zyklisch ausgelegt, im Moment werde in den Vereinigten Staaten der Tiefpunkt der Konjunkturentwicklung erreicht. Auf die verschlechterten Marktbedingungen habe Volvo bereits reagiert und die eigenen Strukturen in den USA verschlankt. Als problematisch bezeichnete Sthen die hohen Lagerbestände, die in den kommenden Monaten abgebaut werden müssten. Außerdem gebe es in den USA derzeit nicht genug Lkw-Fahrer.

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