Automobilkonzern vor Umstrukturierung in Südamerika - A-Klasse erweist sich als Ladenhüter
Daimler erwägt Smart-Produktion in Brasilien

Daimler-Chrysler plant offenbar, den viersitzigen Smart auch in Brasilien zu fertigen. Der Automobilkonzern will die dortige Fabrik für die Mercedes A-Klasse besser auslasten.

hjk JUIZ DE FORA. Die Daimler Chrysler - AG, Stuttgart, erwägt nach Informationen des Handelsblatts, gemeinsam mit Mitsubishi den Bau eines Kleinwagens in der brasilianischen Fabrik Juiz de Fora. Offenbar ist an den viertürigen Smart gedacht, der derzeit zusammen mit Mitsubishi Motors (MMC) unter dem Namen Z-Car entwickelt wird. Daimler-Chrysler wollte dies am Montag nicht kommentieren. "Zu Gerüchten nehmen wir keine Stellung", sagte ein Sprecher.

Experten in Stuttgart sind derzeit intensiv mit der Planung beschäftigt, heißt es bei Mercedes in Brasilien. Eine Produktion des viertürigen Smarts, der ab 2004 auf den Markt kommen soll, ist bisher nur im holländischen Werk Nedcar vorgesehen. Überlegt werde nun, den Kleinwagen auch außerhalb Europas zu fertigen, heißt es in Brasilien. Die Entscheidung soll angeblich spätestens bis Jahresende fallen.

Zwischen Brasilien und dem japanischen Hersteller MMC, an dem Daimler-Chrysler mit 37 % beteiligt ist, gibt es eine alte Beziehung. Rolf Eckrodt war früher für das Brasilien- Geschäft im Konzern und für den Bau der Fabrik in Juiz de Fora mitverantwortlich. Jetzt ist er Vize- Chef bei MMC und will möglicherweise die Brasilianer unterstützen.

Grund der Überlegungen ist die mangelhafte Auslastung der hochmodernen Autofabrik, die Daimler im Frühjahr 1999 rund 180 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro eröffnet hatte. In dem 820 Mill. $ teuren Werk sollten ursprünglich pro Jahr 70 000 Fahrzeuge der A-Klasse im Zweischichtbetrieb hergestellt werden. Stattdessen beschränkt sich die Produktion in diesem wie im letzten Jahr auf nur 12 000 Fahrzeuge der A-Klasse.

Seit Januar dieses Jahres werden zudem Fahrzeuge der C-Klasse für den US-Markt montiert, allerdings dieses Jahr nicht mehr als 7 000 Einheiten. Die C-Klasse gilt bei Daimler im Gegensatz zur A-Klasse als Verkaufsschlager. Damit ist das Werk in Juiz de Fora mit seinen 1 590 Mitarbeitern, das nach eigenen Angaben eine ähnlich hohe Qualität liefert wie das A Klasse-Werk in Rastatt, nur zur Hälfte ausgelastet.

Wesentliche Ursache des weit hinter den Erwartungen bleibenden Absatzes der A-Klasse im 160 Millionen Einwohner zählenden Brasilien ist die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, das sich in den vergangenen Jahren zum größten Automobilhersteller und-exporteur Lateinamerikas entwickelt hat. Ben van Schaik, Präsident von Daimler Chrysler do Brasil, erklärte gegenüber deutschen Journalisten, die Abwertung der Landeswährung Real, die anhaltende Inflation und die hohen Importzölle hätten die Einfuhr einzelner Zulieferteile wie Motor und Getriebe derart verteuert, dass der Verkaufspreis rund ein Drittel über dem Plan liege. Der lokale Anteil der Produktion liegt laut Werksleiter Goetz Kirchner seitens Mercedes bei 70 % und unter Einrechnung der Zulieferteile bei 55 %. Damit sei die A-Klasse in Brasilien in ein Preissegment gerutscht, dass deutlich oberhalb der Schwelle für die beliebten Kleinwagen liege. Zum Zeitpunkt der Fabrikplanung, sagte van Schaik, habe in Brasilien Preis- und Währungsstabilität geherrscht. Ein weiterer Grund sei der Rückgang der Verkaufszahlen der Autoindustrie.

Ben van Schaik, der auch für das gesamte Lateinamerika-Geschäft von Daimler Chrysler zuständig ist, glaubt trotz der Probleme mit der A-Klasse, dass Brasilien ein lohnenswerter Produktionsstandort bleibe. Das Marktwachstum werde dieses Jahr, konzentriert auf das Segment Kleinwagen, um 15 bis 16 % wachsen. Ein immer größerer Anteil der Produktion aller Hersteller werde in den Export gehen. Van Schaik bestätigte, dass aus diesem Grund zurzeit überlegt werde, wie das Werk in Zukunft besser ausgelastet werden könne. Die Produktion der A-Klasse werde zumindest bis 2004 laufen.

Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte das Werk in Juiz de Fora mit einem langfristigen Darlehen über 320 Mill. $ zu 40 % der Investitionskosten finanziert. Weitere Kredite gewährten die Europäische Investitionsbank und die brasilianische Entwicklungsbank.

Das KfW-Darlehen ist durch eine Kapitalanlagegarantie der Bundesrepublik Deutschland gegen politische Risiken versichert. Die wirtschaftlichen Risiken werden durch eine Garantie von Daimler Chrysler abgesichert.

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