Automobilzulieferer droht Insolvenz
Deadline für Sachsenring

Spekulationen um eine angeblich bevorstehende Firmenpleite haben am Montag den Aktienkurs der Sachsenring AG einbrechen lassen. Am Dienstag wollen die Gläubiger des defizitären ostdeutschen Automobilzulieferers offenbar über das weitere Vorgehen beraten.

Reuters FRANKFURT/M. Eine Sachsenring-Sprecherin wollte die Gerüchte um eine drohende Insolvenz ihrer Firma nicht kommentieren. Sie verwies aber auf darauf, dass Sachsenring bereits angekündigt habe, dass die langfristige finanzielle Sicherung der Gruppe nur durch neue Finanzmittel oder einen Partner zu gewährleisten sei.

Die Tageszeitung "Die Welt" hatte zuvor berichtet, Sachsenring müsse eventuell bereits diese Woche Insolvenzantrag stellen. Während das Management auf laufende Verhandlungen verweise, seien im Unternehmensumfeld schon erste Vorkehrungen für die befürchtete Pleite getroffen worden, hieß es. In Frankfurter Bankenkreisen hieß es, die Lage bei Sachsenring sei ernst, es gebe aber noch keine endgültige Entscheidung.

Aktienkurs bricht ein

Die Aktie der am Neuen Markt gelisteten Sachsenring AG stürzte zu Handelsbeginn um rund drei Viertel ab und pendelte sich später bei einem Minus von rund 55 Prozent bei 1,65 Euro ein. Vor gut drei Jahren war das Papier noch mehr als das Zehnfache wert gewesen. Sachsenring wollte sich zu dem Zeitungsartikel nicht äußern. "Wir werden generell keine Stellungnahme zu dem Bericht abgeben", sagte eine Sprecherin. Zugleich kündigte sie aber an, dass die eigentlich für Dienstag geplante Veröffentlichung des Quartalsberichtes um einige Tage verschoben werde, aber noch in dieser Woche erfolge.

Sachsenring hatte Ende März mitgeteilt, auf der Suche nach einem strategischen Partner zu sein, um den bisherigen Wachstumskurs fortsetzen zu können. Es würden Gespräche mit drei potenziellen Partnern geführt. Im Geschäftsbericht 2001 hieß es: "Insgesamt ist festzustellen, dass die Sicherung der Unternehmensgruppe langfristig nur durch neue Finanzmittel oder einen strategischen Partner gewährleistet ist."

2001 hatte Sachsenring einen Umsatz von 271,2 Millionen Euro und einen operativen Verlust (Ebit) von acht Millionen Euro ausgewiesen. Zum Jahresende beschäftigte die Firma aus Zwickau 1422 Mitarbeiter. Die liquiden Mittel hatten sich auf rund 11,76 Millionen Euro belaufen.

Bankengespräche für Dienstag angesetzt

Ein Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministerium bestätigte, dass es am Dienstag zu Sachsenring ein Bankengespräch gibt, an dem auch Vertreter des Landes als einer der Gläubiger teilnehmen soll. "Von uns aus gesehen ist Sachsenring immer noch ein lebendiges Unternehmen mit einer guten Auftragslage", sagte er. Als weitere Hauptgeldgeber gelten Dresdner Bank und Commerzbank.

Laut "Die Welt" muss Sachsenring noch in dieser Woche den Gang zum Amtsgericht antreten, falls auf dem Gläubigertreffen am Dienstag keine Lösung vereinbart wird. Die Banken hätten sich bei Sachsenring bisher ohnehin nur zurück gehalten, da Bund und Land eine Bürgschaft über knapp 40 Millionen Euro für das Unternehmen ausgestellt hätten, hieß es weiter.

Die beiden Frankfurter Geldhäuser wollten sich zu Sachsenring nicht äußern. Auch die Gewerkschaft IG Metall, die laut "Die Welt" bereits über eine Auffanglösung nachdenkt, enthielt sich eines Kommentares. Die Zeitung berichtete weiter, Insider bezifferten die Liquiditätsengpässe und überfälligen Verbindlichkeiten von Sachsenring auf 13 Millionen Euro. Hinzu sollen 13,7 Millionen Euro kommen, die für überlebensnotwendige Investitionen in den nächsten zwölf Monaten mobilisiert werden müssten.

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