Automobilzulieferer investieren massiv in Web-Projekte
Ich bremse nicht bei E-Business

Für Peter Thomsen ist die Sache klar: "Automobilzulieferer, die die Möglichkeiten des Internets nicht nutzen, landen auf Dauer im Abseits." Allzu große Sorgen um die Zukunft der Zulieferer braucht sich der Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA) aber nicht zu machen - denn die Branche setzt mit Vehemenz aufs Internet und stockt ihre E-Business-Etats deutlich auf.

Von Olaf Storbeck,
HANDELSBLATT.

Dies ist zentrales Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung KPMG Consulting über die E-Business-Aktivitäten der Automobilzulieferer, die Netzwert exklusiv vorliegt. Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut NFO Infratest Automotive haben die Berater 60 Firmen der Branche nach ihren Web-Aktivitäten befragt.

Die große Mehrheit (61 %) weist dem Thema eine hohe oder sehr hohe Bedeutung zu. Vor allem drei Ziele wollen die Firmen mit dem Internet erreichen: Sie möchten ihre Kunden enger an sich binden, sie besser über Produkte und das Unternehmen informieren sowie die Kosten senken (siehe Grafik). Dafür sind die Unternehmen auch bereit, einiges Geld auszugeben. Im Durchschnitt sollen ihre Etats für E-Business zwischen 2001 und 2002 um fast 40 % steigen - von 2,2 auf gut 3 Mill. . "Investitionskürzungen sind derzeit nicht festzustellen", sagt Michael Wittich, Partner bei KPMG Consulting.

Am weitesten ist die Branche beim Einkauf über das Internet, dem so genannten E-Procurement: Heute beschafft bereits knapp die Hälfte der Unternehmen schon Materialien über das Netz, bis 2003 werden es nahezu 90 % sein. Ein Pionier ist die Remscheider Edscha AG: Der Produzent von Türscharnieren und Cabrio-Verdecken ordert sein Büromaterial komplett über das Internet - und will in Zukunft auch den Einkauf von Teilen für die Produktion zunehmend elektronisch organisieren.

"Beim E-Procurement liegen die Vorteile des E-Business deutlich auf der Hand", sagt Wittich - die interne Verwaltungsabläufe ließen sich stark verschlanken und die damit verbundenen Kosten drastisch senken. Langsam, aber sicher verlagern sich allerdings die Investitionsschwerpunkte, stellte KPMG fest: Immer wichtiger wird für die Zulieferer die elektronische Steuerung der Lieferkette, das Supply Chain Management (SCM). 54 % wollen es in Zukunft aufbauen - um ihre Produktion besser auf die Nachfrage abzustimmen, Lieferengpässe schneller zu erkennen und die Lagerhaltung zu reduzieren.

Der Zulieferer Edscha zum Beispiel will durch SCM den Lagerumschlag für Rohmaterial und Komponenten verdoppeln und die gesamten Durchlaufzeiten um bis zu 50 % verringern. In zwei Werken testet das Unternehmen derzeit die vernetzte Lieferkette. "Unsere Vision: Der Werker bekommt die aktuellen Anforderungsdaten direkt an die Maschine", sagt Projektleiter Herrmann Hinck. Schon bald soll der Zugriff für die 22 Produktionsstandorte in 14 Ländern in der jeweiligen Landessprache möglich sein.

Auch im Vertrieb bekommt das Web laut der KPMG-Studie eine immer höhere Bedeutung: Während die Unternehmen in diesem Jahr knapp 9 % ihres Umsatzes über das Internet erzielen, sollen es 2002 13 % sein. Bis dahin will mehr als die Hälfte der befragten Zulieferer ihre Produkte online anbieten - meist über ein eigenes Web-Portal oder einen elektronischen Marktplatz. Die von Daimler-Chrylser, Ford und General Motors aus der Taufe gehobene Handelsplattform Covisint sowie der von vier Zulieferern gegründete Konkurrent Supplyon entwickeln sich nach der Umfrage zu den führenden E-Marktplätzen der Branche: 47 % der befragten Firmen wollen mit Covisint zusammenarbeiten, 30 % mit Supplyon.

Bei der Umsetzung der E-Business- Initiativen scheint bei vielen Firmen indessen noch einiges im Argen zu liegen. KPMG-Mann Wittich attestiert der Branche eine manchmal noch "zu geringe Professionalität im Umgang mit den neuen Technologien".

Mehr als 40 % der Zulieferer legten mit Web-Projekten los, ohne die Bedürfnisse ihrer Kunden oder die Internet-Aktivitäten ihrer Konkurrenten genau unter die Lupe genommen zu haben. Und mehr als die Hälfte verzichte darauf, ihre verschiedenen E-Business-Aktivitäten übergreifend zu planen, klare Ziele zu definieren und Kosten und Nutzen genau zu ermitteln - ein schwerer Fehler, der häufig den Erfolg kostet, wie die Studie zeigt: Nur jede fünfte Firma, die so agiert, hält ihre bisherigen E-Business-Initiativen für erfolgreich. Bei Unternehmen, die sich mit festen Bewertungskriterien ans Werk gemacht haben, sind es hingegen 54 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%