Automobilzulieferer steht Zukäufen skeptisch gegenüber
Hella will durch Joint Ventures unabhängig bleiben

Die Konjunkturkrise in der Automobilindustrie zwingt den Hella-Konzern zu Abstrichen an der Umsatzplanung. Eine neue Generation von Scheinwerfern soll die Sparte Lichttechnik aus den roten Zahlen bringen.

zel LIPPSTADT. Der westfälische Automobilzulieferer Hella muss seine kühnen Umsatzerwartungen zu den Akten legen. Im Oktober hatte der Konzern noch ein Wachstum von 12,5 % auf knapp 3,2 Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 2001/02 angekündigt, das am 31. Mai endet. "Das wird so sicher nicht kommen", sagte Hella-Chef Jürgen Behrend dem Handelsblatt. Vor allem die schlechten Aussichten auf den Automärkten zwingen den Lichttechnik-Spezialisten zur Revision der Pläne. Der Umsatz könnte sogar auf dem Ergebnis des Vorjahres verharren.

Behrend sieht trotzdem keinen Grund zu "übertriebener Sorge". Auf der Ertragsseite rechnet er sich gute Chancen aus, das Ergebnis des vorigen Geschäftsjahres wieder zu erreichen. Zahlen dazu hatte das zurückhaltende Familienunternehmen aus Lippstadt nicht veröffentlicht. Die Hella KG Hueck & Co. hatte lediglich erklärt, dass die angepeilte Umsatzrendite von 5 % vor Steuern nicht erreicht worden war.

Verbessern soll sich im nächsten Jahr auf jeden Fall die Ertragssituation beim wichtigsten Hella-Standbein, der Lichttechnik. "2002 erreichen wir wieder die Gewinnzone", verspricht Behrend, der einzige persönlich haftende Gesellschafter bei Hella. Seine Zuversicht basiert auf einer neuen Generation von Scheinwerfern, die künftig verstärkt an die Kunden aus der Automobilindustrie ausgeliefert werden. Hella konzentriert sich auf die Fertigung neuartiger Scheinwerfer, die etwa in Kurven die Bewegungen des Lenkrades mitmachen. Bei künftigen Automobilgenerationen werden diese Scheinwerfer zum Standard.

"Die Preise für die neuen Scheinwerfer verbessern sich, was allerdings auch dringend nötig ist", sagte Behrend. Seit Jahren hätten alle europäischen Anbieter in dieser Sparte rote Zahlen geschrieben. Überkapazitäten drückten auf Preise und Erträge. Inzwischen ist die Zahl der Anbieter gesunken, der Bosch-Konzern etwa hat sich aus dem Bereich zurückgezogen. Mit Marktanteilen von jeweils rund 30 % sind Hella und der französische Wettbewerber Valeo die wichtigsten Anbieter.

Angespannte Ertragslage

Wegen der angespannten Ertragslage ist Hella nicht an einer großzügigen Ausweitung seiner Produktionskapazitäten interessiert. Behrend verneint daher jedes Interesse an einer Übernahme des italienischen Konkurrenten Magneti Marelli. "Es gibt gute Gründe, dass das für uns kein Thema ist", betonte er. Der Magneti- Mutterkonzern Fiat hatte den Zulieferer zum Kauf angeboten.

Spektakulären Zukäufen steht Hella grundsätzlich skeptisch gegenüber. "Wir sind kein Konsolidierer", sagte Behrend. Allerdings sieht auch er den Trend, "dass es immer größere Zulieferer geben wird".

Auslöser dafür ist die veränderte Politik der Automobilhersteller, die umfangreiche Fertigungsprozesse zu den Zulieferern verlagern. "Die mittelständischen Zulieferer stehen unter einem enormen Wachstumsdruck", folgert Ferdinand Dudenhöffer, Automobil-Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Häufig können sie allein nicht das Kapital aufbringen, dass sie für die von den Herstellern gestellten Aufgaben benötigen.

Die IKB Deutsche Industriebank AG hat die Konsequenzen für die Zulieferer in einer Branchenstudie untersucht. "Kooperationen und strategische Allianzen mit komplementären Technologieträgern im In- und Ausland bieten sich als sinnvolle Lösung an", schlägt IKB-Experte Constantin Sarantidis den mittelständischen Unternehmen vor.

Diesen Lösungsansatz verfolgt auch Hella und hat dazu eine "Netzwerk-Strategie" installiert: Hella sucht sich mittelständische Partner, mit denen Joint Ventures für die Fertigung aufwendiger Produkte gegründet werden. Mit dem Nürnberger Drahthersteller Leoni produziert Hella Bordnetze für Autos. Andere Partner sind der Stuttgarter Klimaspezialist Behr und der japanische Scheinwerfer-Hersteller Stanley.

Behrend sieht mit diesem strategischen Ansatz gute Chancen dafür, trotz aller Fusionsbestrebungen in der Branche die Unabhängigkeit des Familienunternehmens mit weltweit fast 23 000 Beschäftigten zu erhalten. "Mit dem Netzwerk schaffen wir eine Basis, halten uns aber gleichzeitig alle Optionen offen."

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