Autopreise
Kommentar: Hersteller lassen EU auflaufen

Mit der Liberalisierung des Autohandels wollte die EU vor allem den Verbrauchern dienen. Von niedrigeren Preisen können diese nun aber nur noch träumen.

Ein gemeinsamer Feind von außen eint die Reihen im Inneren: Das hat die Automobilindustrie eindrucksvoll demonstriert. Gemeinsam sind die Konkurrenten von BMW bis VW gegen die Liberalisierung des EU-Autohandels Sturm gelaufen. Sie haben die Novelle der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung damit zwar nicht verhindert, doch die Lobbyisten haben gute Arbeit geleistet. Denn von dem Brüsseler Ziel, den Wettbewerb in Europa anzufachen und dem Verbraucher durch wachsende Konkurrenz niedrigere Autopreise zu bescheren, ist nicht viel übrig geblieben. Auch EU-Kommissar Mario Monti muss nun erkennen, dass die großen Automobilkonzerne einfach am längeren Hebel sitzen. Denn statt sich europaweite Preisschlachten zu liefern, zeigen sie weiter Einmütigkeit. Um für sie unkontrollierbare Handelsströme zu unterbinden, werden die Preise harmonisiert - darauf hatte Monti schließlich gesetzt. Jedoch ging er naiverweise davon aus, dass sich die Preise auf europäischen Mittelwerten einpendeln würden. Doch die Automobilwirtschaft folgt keinen politischen Kompromissformeln. Die Hersteller harmonisieren die Preise zwar, allerdings am oberen Level. Realisten hatten auch nichts anderes erwartet, denn schließlich sind die Autos auf großen Absatzmärkten wie Deutschland und Frankreich steuerbereinigt am teuersten. Dort werden Volumina verkauft, dort werden die Margen eingefahren. Die Wurzel des Problems sind auch nicht die Nettopreisunterschiede. Diese sind nur die Reaktion auf riesige Steuerdifferenzen in der EU. Doch dass die Steuern schnell harmonisiert werden, dürfen sich Autokäufer hier zu Lande nicht wünschen. Denn nach EU-Manier ist zu befürchten, dass man sich bei den Steuersätzen wieder einmal in der Mitte trifft. Das würde des Deutschen liebstes Kind erheblich teurer machen.

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