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Autos, Insekten und Soziale Gerechtigkeit

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Paolo Tumminelli:Car Design.Verlag teNeues, Kempen 2004,400 Seiten, 20 Euro

Autos, Autos, Autos: Was kann es Schöneres geben für das Kind im Manne als ein Nachschlagewerk, das beinahe ausnahmslos aus Abbildungen motorisierter Träume besteht? Paolo Tumminelli, Kölner Design-Professor, lässt in diesem Buch fünf Jahrzehnte in der Entwicklung des Autodesigns Revue passieren. Er zeigt, wie das Auto in den Augen vieler Menschen eben nicht nur Transportmittel, sondern auch Statussymbol ist. Tumminellis Buch spiegelt die Konsumkultur im Nachkriegseuropa und in den USA wider. Wohltuend unbeschwert und frei von jedem Gedanken an Verkehrsstaus und hohe Benzinpreise kommt dieses Buch daher und will einem sagen: Theoretisch kann Autofahren richtig Spaß machen. Christoph Moss

Jeffery Deaver: Der Insektensammler.Blanvalet Taschenbuchverlag,München 2003, 476 Seiten, 8,90 Euro

Ein neuer spannender Fall des Ermittler-Duos Lincoln Rhyme und Amelia Sachs: Garrett Hanlon, ein 16-jähriger Außenseiter, entführt ein Mädchen und flieht mit ihm in die Sümpfe. Garrett, der in seinem Dorf "Insektensammler" genannt wird, weiß diese Viecher als tödliche Waffe einzusetzen. Ein Polizeibeamter tappt in seine Falle und wird von Wespen bis zur Bewusstlosigkeit gestochen. Der örtliche Sheriff Jim Bell ist mit dem Fall überfordert und kann Rhyme überreden, die Ermittlungen zu übernehmen. Rhyme und Sachs gelingt es schon bald durch strategisches Geschick, Garrett ausfindig zu machen. Der Junge kommt ins Gefängnis, gibt jedoch den Aufenthaltsort seiner Geisel nicht preis. Amelia Sachs erkennt mehr und mehr, dass Garrett nicht der psychopathische Verbrecher ist, wie es zunächst aussieht, sondern ein verängstigter Junge, der sich vor etwas zu schützen versucht. Hans Schürmann

Steffen Liebig, Holger Lengfeld, Steffen Mau (Hrsg.):Verteilungsprobleme und Gerechtigkeit in modernen Gesellschaften.Campus Verlag, Frankfurt 2004,390 Seiten, 39,90 Euro

Der Staat verwöhnt seine Bürger mit allerlei Segnungen - und versinkt in Schulden. Wie dann "soziale Gerechtigkeit" aussehen kann, beschäftigt die Autoren dieses Sammelbands. Ihre Befunde sind wenig optimistisch. Stefan Liebig von der Berliner Humboldt-Uni etwa konstatiert nach einer Studie unter Arbeitslosen "Fatalismus und Normlosigkeit", was künftige Verteilungskämpfe zu verschärfen droht. Ingo Bode von der Uni Duisburg stellt fest, dass der so genannte "Dritte Sektor" keineswegs immer die selbst gesteckten Gerechtigkeitsziele von der Teilhabe aller Bürger an der Gesellschaft erreiche. Und die sozialen Sicherungssysteme? Auch hier überwiegt Skepsis, diesmal vorgebracht von Lutz Leisering von der Uni Bielefeld: Korporatistische "Umbaublockierer" hätten ihre Pfründen bislang noch gegen jede neue Gerechtigkeitsidee verteidigt. Olaf Wittrock

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