Autotest
Die Kraft des Bären

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff testet die stärkste Version des Audi Quattro Allroad.

Nein, es ist nicht der Drehzahlmesser, der so schwankt. Im stärksten Audi, dem 4,2-Liter- Quattro-Allroad, ist es die Tankanzeige, die eine Neigung zum Nullpunkt verspürt. Bei zügiger Fahrt - und wer fährt mit so einem Auto schon Richtgeschwindigkeit - landet sie nach 400 Kilometern im roten Bereich, und der angegebene Normverbrauch von 13,8 Liter wird weit, weit übertroffen.

Christian Wulff ist auch einer von der zügigen Sorte. Zwar hat er einige Anläufe gebraucht, um für die CDU in Niedersachsen Ministerpräsident zu werden, aber seit es im Frühjahr klappte, legt er Tempo vor. "Ich habe lieber ein paar PS mehr", sagt er, schaltet das Automatikgetriebe in die Sportversion und hätte beinahe beim Sprint im Berliner Stadtverkehr das Begleitfahrzeug mit den Sicherheitsbeamten abgehängt. Aber die fahren zum Glück auch Audi, wie eigentlich alle, die in Niedersachsen etwas zu sagen haben, ein Modell aus dem VW-Konzern steuern. Schließlich will man sich den Wolfsburgern verbunden zeigen - und schließlich sitzt der Ministerpräsident im Aufsichtsrat von Deutschlands größter Autoschmiede.

Das war schon zu Gerhard Schröders Zeiten in Niedersachsen so. Auch der fuhr einen Audi, was den Vorteil hatte, dass er sich mit dem Ingolstädter Produkt auch in der bayerischen Heimat seiner Frau Doris sehen lassen konnte. Wulff kommt aus Osnabrück. Da muss er im Detail nicht solche Rücksichten nehmen und kann privat ruhig einen Touareg chauffieren. Ja, er interessiere sich für Autos. "Die meiste Zeit verbringe ich in Autos, die zweitmeiste im Bett", sagt Wulff, weswegen er heute einen Autotest zwischen seine Termine geschoben hat.

Der Mann hat seine eigenen Kriterien für so eine Fahrt. "Der Klang der CD muss stimmen", sagt er. Ein kerniges Motorgeräusch stört ihn eher. Der Audi Quattro befriedigt ihn da voll und ganz. Nur bei Spurts lässt sich der Motor blubbernd vernehmen, und es klingt nach großem Durst. Fürs aggressive Fahren hat der auf Ausgleich bedachte Ministerpräsident nicht viel übrig. Die Tiptronic, die das Schalten des Automatikgetriebes per Hand am Lenkrad ermöglicht, hält Wulff für etwas, "was nur die Schumis unter uns brauchen". Die Innenausstattung aus Holz, Leder und Aluminiumverzierungen gefällt ihm. Allein die Farbe - dieses Wischiwaschibraun, das sich auch in den Polsterbezügen wiederholt, ist nicht sein Fall. "Ich werde Herrn Pischetsrieder empfehlen, Testwagen nur in blaumetallic ausliefern zu lassen", sagt Wulff.

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