Autovermieter bekräftigt Ziele
Sixt will ein „bisschen Tchibo“ werden

Deutschlands größter Autovermieter fühlt sich stark genug, um auf dem hart umkämpften Markt zu bestehen. Künftig will er in seinen Filialen auch Reisen, Gebrauchtwagen und Leasing anbieten.

MÜNCHEN. Der Autovermieter Sixt will sich künftig verstärkt als Mobilitätsanbieter positionieren und die Geschäftsfelder neben der Vermietung ausbauen. Dazu will Sixt sein großes Niederlassungsnetz besser nutzen. "Wir werden ein bisschen Tchibo", sagte Firmenchef Erich Sixt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Angestellten in den Filialen sollen künftig auch Leasing, Reisen und Gebrauchtwagen vermitteln. Anders als der Kaffeeröster, der Waren aller Art verkauft, will Sixt aber nur Dienstleistungen feilbieten, die mit dem Kerngeschäft Auto zu tun haben. Schon heute bietet Sixt diese Produkte im Internet an. Im vergangenen Jahr verkaufte Sixt bereits 30 000 Flugreisen im Wert von 80 Mill. Euro. Auch das Leasinggeschäft gehört zu den Wachstumsmotoren des Unternehmens, die noch mehr Schwung bekommen sollen.

Sixt will damit etwas unabhängiger vom hart umkämpften Mietwagenmarkt werden. Inzwischen hat der Vorstandschef des größten deutschen Autovermieters aus den Fehlern übermäßiger Expansion gelernt. "Wir haben unsere Kosten voll im Griff", sagt Sixt. Trotz der Konjunkturkrise hält er an seinen im April nach unten korrigierten Ziel fest, den Vorjahresumsatz von 2,34 Mrd. Euro in etwa zu erreichen. Beim Gewinn peilt er nach wie vor eine Steigerung des Vorjahresergebnisses vor Steuern um 15 % auf knapp 35 Mill. Euro an. "Es wird bei den Halbjahreszahlen keine großen Überraschungen geben. Wir sind weiterhin zuversichtlich, unsere Ertragsprognosen für 2002 zu erreichen", kündigt Sixt an. Der Autovermieter wird morgen seine Halbjahreszahlen vorlegen.

Seit zwei Jahren trimmt Sixt sein Unternehmen auf Effizienz. Früher reichte es, die mit Rabatt eingekauften Fahrzeuge nach sechs Monaten mit Gewinn zu verkaufen. Das Vermietungsgeschäft war fast Nebensache. Doch nach dem Zusammenbruch des Gebrauchtwagenmarktes muss Sixt jetzt sein Geld durch Vermieten oder eben durch den Ausbau von Leasing und Fuhrparkmanagement verdienen. Die vermietete Flotte wurde zusammengestutzt, die Auslastung erhöht und fast 30 Niederlassungen dicht gemacht. Vom Gebrauchtwagengeschäft hat sich Sixt durch Rücknahmegarantien der Hersteller abgenabelt.

"Sixt hat die Probleme der letzten zwei Jahre überwunden", glaubt Ernst Scheerer von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Das entscheidende sei, dass Sixt seinen größten Ausgabeposten, die Fuhrparkkosten, um 4 % gedrosselt habe. Wenn diese Entwicklung anhalte, rechnet der Analyst damit, dass sich der Gewinnzuwachs des ersten Quartals auch im zweiten fortsetzt.

"Wir spüren die Konjunktur und merken, dass die Firmen sparen", räumt Sixt ein. Beim Fahrzeugeinkauf habe Sixt in diesem Jahr schnell reagiert und kleinere Modelle eingekauft. "Kein Mensch traut sich derzeit eine Luxuslimousine zu leihen."

Im Vergleich zu den großen amerikanischen Wettbewerbern geht es Sixt aber noch gut. Der Firmengründer, dem die Mehrheit der Stammaktien gehört, kann sich den Seitenhieb auf die angeschlagene Konkurrenz deshalb nicht verkneifen: "Wie ich vorhergesagt habe, ist nach National ein weiterer großer Konkurrent in die Pleite gegangen." Ende 2001 hatte der US-Konkurrent National Insolvenz angemeldet, im Sommer folgte Budget, ein früherer Kooperationspartner von Sixt. Deren Geschäft - zusammen 8 % des deutschen Marktes - will Sixt aufsaugen und seinen Marktanteil von 24 % gegenüber der Konkurrenz von Europcar (17 %), Avis (13 %) und Hertz (10 %) ausbauen. Der europäische Markt für Autovermietung wird auf 8,5 Mrd. Euro geschätzt, davon entfallen 2,3 Mrd. Euro auf Deutschland.

Der Kurs der Sixt-Aktie hat sich in den vergangenen vier Monaten auf 9 Euro halbiert. Nach dem Verbleib im M-Dax der 100 größten deutschen börsennotierten Unternehmen hat sich der Kurs zuletzt mit einem Plus von 3 % wieder bei 9,5 stabilisiert. Das Thema Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien, wodurch Sixt seine Mehrheit verlieren würde, ist vorerst vom Tisch. Sixts oberstes Ziel unabhängig zu bleiben, ist damit leichter zu erreichen. Denn im Falle einer größeren Akquisition fürchtet der Unternehmenschef ohnehin, dass sein Anteil sinken könnte. "Ich schließe Akquisitionen nicht aus, aber wir sind extrem vorsichtig", versichert Sixt. Den Vorwurf einer zu passiven Strategie wehrt er ab. "Dass wir im Augenblick nichts tun, heißt nichts. Ein Tiger rührt sich auch nicht und schlägt dann überraschend zu."

Quelle: Handelsblatt

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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