Autovermieter sieht Ende der Talfahrt
Sixt verteidigt Selbstständigkeit

Der Aktienkurs des einstigen Börsenlieblings Sixt ist dramatisch gefallen. Der größte deutsche Autovermieter will mit einer verkleinerten und profitableren Fahrzeugflotte verlorenes Vertrauen auf dem Kapitalmarkt zurückgewinnen. Firmenchef Erich Sixt will auf keinen Fall unter das Dach eines Autokonzerns schlüpfen.

MÜNCHEN. Deutschlands größter Autovermieter Sixt AG will trotz Krise des Marktes unabhängig bleiben und nicht unter das Dach eines Automobilkonzerns schlüpfen. "Nicht so lange ich Vorstand des Unternehmens bin", schließt Firmengründer, Mehrheitseigentümer und Vorstandschef Erich Sixt dies im Gespräch mit dem Handelsblatt aus.

Dem Unternehmen werden enge Verbindungen zu Daimler-Chrysler nachgesagt, der Stuttgarter Autokonzern bestückt bereits rund 40 % des Fuhrparks. Und die Fahrzeuge mit dem Stern lassen sich mit größerer Gewinnspanne vermieten als andere. "Ein Projekt - Rent a Star - gibt es nicht", dementiert Sixt erneut aufgekommene Verkaufsgerüchte. Es sei gerade die Stärke von Sixt, als einziger der großen vier Autovermieter unabhängig zu sein. Nur so könne Sixt die Fahrzeuge einkaufen, die er für richtig hält.

Konkurrent Hertz gehört beispielsweise inzwischen zu Ford, Avis zu General Motors und Europcar zum VW-Konzern. Die vier Großen vereinen über die Hälfte des deutschen Vermietmarktes auf sich. Sixt gilt mit 26 % als Marktführer vor Europcar (16 %), Avis (14 %) und Hertz (9 %).

Analysten kritisieren die Alleinherrschaft von Erich Sixt

Analysten kritisieren häufig, dass das Unternehmen zu sehr auf Erich Sixt als Alleinherrscher zugeschnitten sei und deshalb ein hohes Risiko berge, sollte der Chef einmal ausfallen. Der 58-Jährige glaubt für diesen Fall vorgesorgt zu haben. Das Unternehmen, das mit einem Umsatz von 5,1 Mrd. DM zu den 100 größten in Deutschland zählt, könne jederzeit von einem seiner acht Vorstände im Konzern weitergeführt werden. Wem er diese Aufgabe zutraut, verschwieg

Der Firmenchef kann die Kritik an seinem Unternehmen und seiner Person nicht nachvollziehen. Das Ergebnis werde immer mit dem Boom-Jahr 1998 verglichen, als Sixt 117 Mill. DM vor Steuern verdiente und 60 Mill. DM Gewinn machte. Danach aber sei der für Sixt so wichtige Gebrauchtwagenmarkt stärker und länger eingebrochen als je zuvor. Deutliche Rückgänge beim Ertrag waren die Folge.

Der Konzern muss jetzt sein Geld im Vermietgeschäft verdienen. "Wir können wie eine Ziehharmonika reagieren", bekräftigt Sixt. Allein in diesem Jahr wurde der Fuhrpark um 10 000 Fahrzeuge verringert und 20 bis 25 Filialen geschlossen. 70 % der gesamten Kosten entfallen auf den Fuhrpark. Deshalb sei die richtige Prognose der Nachfrage entscheidend. "Ein Prozent mehr oder weniger Auslastung bedeutet bei uns 4 Mill. DM mehr oder weniger Ertrag". Über seine Auslastungsquote gibt Sixt keine Auskunft. Die US-Konkurrenten kommen auf 88 %. "Die habe ich bei weitem nicht, sonst wäre unser Gewinn deutlich höher", sagt

Neuausrichtung kostete einen zweistelligen Millionen-DM-Betrag

Insgesamt habe die seit zwei Jahren dauernde Neuausrichtung das Unternehmen einen zweistelligen Mill.-DM-Betrag gekostet, räumt Sixt ein. Im Kerngeschäft Vermietung brach das Ergebnis in den ersten neun Monaten um 20 % auf 38 Mill. DM ein, der Umsatz sank um 10,5 % auf 992 Mill. DM. Sixt sieht das angesichts der schwierigen Marktlage als Erfolg an. Schließlich hätten die US-Konkurrenten inzwischen ernste Existenzprobleme. Budget etwa ziehe sich aus Europa zurück.

Dagegen sieht sich Sixt inzwischen gut in Form. Die Ausrichtung auf Geschäftskunden mache sich jetzt bezahlt. Nach den Anschlägen in den USA sei vor allem das Tourismusgeschäft eingebrochen. Das Geschäft mit Geschäftskunden habe sich schon wieder erholt. Die nach unten korrigierte Prognose mit einem Minus von 10 % bei Umsatz und 20 % beim Gewinn werde erreicht. Im kommenden Jahr erwartet der Firmenchef eine zehnprozentige Umsatzsteigerung und 15 % Ertragswachstum. Das Unternehmen will weiter durch Akquisitionen wachsen, aber dabei sehr vorsichtig sein. "Wenn sich eine gute Gelegenheit bietet, greifen wir zu", sagt Sixt. Eigene Aktien taugen derzeit allerdings nur wenig zur Akquisitionswährung. Nach Höchstständen von 70 Euro Mitte 2000 notiert die Aktie derzeit knapp über 10 Euro. Der Verfall des Börsenkurses ficht Sixt nicht an. Ein Rückkaufprogramm will er trotz Ermächtigung nicht starten.

Unter den Analysten hat Sixt keine guten Karten. Ihnen fehlt in der Aktie die Phantasie, sie sehen keine Story und fühlen sich schlecht informiert. Die Quartalszahlen kommen meist zum letztmöglichen Termin. Am vergangenen Donnerstag fand erstmals seit langem eine Analystentreffen statt. "Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung", sagt Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank. Eine Veranlassung, die Aktie von "Underperformer" hochzustufen, sieht er aber noch nicht. Das Umfeld sei für alle Autovermieter sehr schwierig. Die große Story sieht auch er nicht. Aber angesichts des niedrigen Kurses habe die Aktie immerhin Potenzial nach oben. Sein Fazit: "2002 ist für Sixt das Jahr der Bewährung".

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