Autovermieter stemmt sich gegen die Branchenflaute
Sixt: Sprücheklopfen reicht nicht

Der eigenwillige Autovermieter Erich Sixt ist bekannt für flotte Sprüche. Das Unternehmen legt unterdessen beachtliche Ergebnisse vor. Die Leistungsfähigkeit ist indes schwer einzuschätzen.

MÜNCHEN. Jeder kennt Sixt - vor allem wegen der originellen Werbetexte. "Auch gierig auf LH-Meilen? Mieten Sie bei Sixt", lautete der kesse Werbespruch unter einem Bild des Bundestages. Was nicht jeder weiß: Firmengründer Erich Sixt mischt beim Texten der preisgekrönten Werbeagentur Jung von Matt kräftig mit.

Sixt ist frech, hat Witz und ist angriffslustig. Vor Politikern schreckt er schon gar nicht zurück. Angela Merkel und Oskar Lafontaine mussten auch schon unfreiwillig als Werbebotschafter herhalten. Letzterer fordert von Sixt 100 000 Euro Schadenersatz. "Der kriegt von mir keinen Cent, und wenn ich durch alle Instanzen muss", sagt Sixt. Der Chef ist eigenwillig und unberechenbar - wie bisweilen sein Unternehmen auch, das als MDax-Wert immerhin zu den 100 größten in Deutschland zählt. Kaum ein Analyst begleitet die Firma, nicht einmal die Hypo Vereinsbank, die den Münchner Spezi an die Börse gebracht hat. Zu schlecht war in der Vergangenheit die Informationspolitik. Eigentlich müsste Sixt mal eine Werbekampagne an die Aktionäre schalten - frei nach dem Motto: "Glaubt mir was".

Viel Kredit hat er mit verpassten Prognosen verspielt. Zuletzt wechselte er die Öffentlichkeitsarbeiter schon nach dem ersten unliebsamen Artikel aus. Bei so viel Rauch um nichts für Bulle und Bär allemal eine Herausforderung mal zu schauen, was Herr Sixt außer flotten Sprüchen noch so zu bieten hat.

Die Mietwagen-Branche ist knallhart, spätestens seit der Gebrauchtwagenmarkt zusammengebrochen ist. Sixts Trick, die bei den Herstellern in großer Zahl mit hohem Rabatt eingekauften Fahrzeuge gut wiederzuverkaufen, funktioniert nicht mehr. Seither muss die Firma ihr Geld wirklich durchs Autovermieten verdienen. Sixt hat die Flotte zusammengestrichen, Prozesse optimiert und die Auslastung erhöht. Nach schmerzlichen Quartalen hat er seine Kosten jetzt im Griff.

Beachtlicher Kurserfolg

Im ersten Halbjahr legte der eigenwillige Autovermieter einen Gewinnsprung um ein Viertel auf 16 Mill. Euro hin. Der Aktienkurs kletterte in der zweiten Augusthälfte von 9 auf fast 12 Euro. Das ist durchaus beachtlich. Denn gleichzeitig scheint der Billigkonkurrenz die Luft auszugehen. Zwei große Konkurrenten, National und Budget. haben schlapp gemacht. Tendenziell wird der deutsche Marktführer davon profitieren. Europcar, Hertz und Avis sind börsennotiert oder gehören zu Autokonzernen. Von ihnen braucht Sixt keine Dumping-Konkurrenz zu befürchten.

Auch den geplanten Angriff des Billig-Anbieters Easycar sieht Sixt gelassen: "Ich kann zusehen wie die Konkurrenz Geld verliert." Er selbst fährt eine Premium-Strategie. Alle Mercedes-Fahrzeuge sind mit Navigationssystem ausgestattet. Auf diese Weise will er die höheren Preise bei den Kunden rechtfertigen. Sixt kauft lieber weniger, aber besser ausgestattete Fahrzeuge. Die Stratregie ist überzeugend, aber mutig in der Krise. Sixt musste selbst neulich einräumen, dass derzeit kaum jemand eine Luxuslimousine mietet. Aber seis drum. Die Strategie hat ihm im Vermietgeschäft ein Umsatzminus von über 10 % eingebracht und Marktanteile gekostet.

Sixt hat dennoch das Kunststück fertig gebracht, dabei mehr Geld zu verdienen. Das bewußte Verzichten auf unrentables Geschäft scheint sich auszuzahlen. Das zweite Standbein Leasing entwickelt sich zudem gut. Sixt muss aber im zweiten Halbjahr noch kräftig zulegen, wenn er wie versprochen den Vorjahresumsatz von 2,3 Mrd. Euro erreichen will.

Sixts tatsächliche Leistungsfähigkeit ist schwer einzuschätzen, weil er den Auslastungsgrad seiner Mietwagen nicht verrät. Der Halbjahresgewinn von 16 Mill. Euro entspricht dem Gegenwert von weniger als 1000 Fahrzeugen. Insgesamt will Sixt in diesem Jahr mit 95 000 Autos 9000 Fahrzeuge weniger einkaufen, dafür aber wegen der höheren Aussstattung wie im Vorjahr 1,7 Mrd. Euro ausgeben.

Von den Folgen der Terroranschläge auf die Tourismus-Wirtschaft hat sich Sixt wieder erholt. Der Mietwagen-Spezialist schiebt sich trotz berechtigter Vorbehalte langsam wieder ins Blickfeld der Anleger. Dort wird er aber nur bleiben, wenn er seine Prognosen erfüllt.

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