Autowerte positiv
Dax profitiert von US-Großfusion

Einige Marktteilnehmer wollen den Dax unterhalb der Marke von 5 000 Punkten sehen. Am Dienstag gelang dies nicht, obwohl es kurzzeitig danach aussah. Die überraschend positiven Konjunkturdaten aus den USA stimulierten die Kurse und machten den Pessimisten einen Strich durch die Rechnung.

FRANKFURT/M. Kaum kündigen die beiden US-Computerhersteller Hewlett-Packard und Compaq überraschend eine Fusion an, scheint sich die derzeit trübe Welt der Börsianer wieder aufzuhellen. Von langer Dauer war der kurstreibende Einfluss der Fusion allerdings nicht. Noch am Vormittag setzte sich unter den Marktteilnehmern die Einsicht durch, dass ein vergleichbarer Zusammenschluss bei europäischen Technologiewerten zwar generell auch möglich, auf kurze Sicht jedoch zunächst nicht absehbar sei.

Als dann noch der schwedische Handy-Hersteller Ericsson seine Marktprognose für die neue Generation der Mobiltelefone nach unten korrigierte und die bisher angepeilte Gewinnspanne von 10 % nicht vor dem Jahr 2003 oder 2004 erreichbar sah, gab der Deutsche Aktienindex (Dax) seine Gewinne wieder ab und drehte sogar ins Minus. Wieder ins Plus zogen ihn am späten Nachmittag schließlich die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA, die auch den Kursen an Wall Street in den grünen Bereich verhalfen. Insbesondere der nationale Einkaufsmanagerindex für August war wesentlich besser ausgefallen als Analysten angenommen hatten. Mit einem Wert von 47,9 hatte der Index sogar ein neues Jahreshoch markiert. Allerdings blieb er unter der 50er-Marke. Sie gilt als entscheidend. Denn erst dann wird eine wirtschaftliche Erholung signalisiert. Bis zum Handelsende erholte sich das deutsche Börsenbarometer Dax um 2,14 % auf 5203,25 Punkte.

"Dass der Markt nachhaltig nach oben dreht, erwartet hier derzeit aber eigentlich keiner", äußerte sich ein Händler vom Frankfurter Parkett noch skeptisch. Viel eher sei damit zu rechnen, dass das Börsenbarometer bald unter die Marke von 5 000 Punkten falle. "Die vier vorne im Dax wollen ein paar Leute jetzt einfach mal sehen", ergänzte ein Kollege. Jeden Tag drehten kurzfristig orientierte Investoren ein wenig an ihren Positionen. Sobald kleine Gewinne verbucht worden seien, strichen die Anleger ihr Geld ein, beschrieb Alfred Kaiser vom Research des Maklerhauses Fritz Nols das tägliche Geschäft. Es fehle an Anschlusskäufen. "Erst wenn Fonds und andere institutionelle Investoren verstärkt kaufen, gibt es wieder Potenzial für steigende Kurse", sagte Kaiser. Solange sich diese Gruppen aber bedeckt hielten, dürfte der Dax scheibchenweise weiter fallen.

Unter den Einzelwerten entwickelten sich vor allem die Autoaktien positiv. BMW, Volkswagen und Daimler-Chrysler bauten zum Abend ihre Gewinne deutlich aus. Analyst Martin Haug von der SEB-Bank erklärte diese Entwicklung mit dem fallenden Euro-Kurs. Dieser verbessere die Absatzaussichten in den USA, weil er dort die deutschen Autos verbillige und sie so für die amerikanischen Konsumenten attraktiver mache. Die Gemeinschaftswährung fiel nach den US-Daten zeitweise bis auf 0,8849 Dollar, was Devisenhändler neben den starken Konjunkturzahlen aus Übersee auf eine Konsolidierung der Einheitswährung nach deren Sommer-Rally zurück führten.

Schering und Bayer hielten sich im Plus, nachdem bekannt geworden war, dass sich Bayer mit Aventis und Schering über den Kauf deren Pflanzenschutzsparte CropScience geeinigt hat.

Die Technologiewerte schafften am Nachmittag allesamt den Dreh zurück ins Plus. Die T-Aktie hatte es besonders spannend gemacht: Zunächst war sie wegen der Meldung über den endgültigen Verkaufsabschluss des TV-Kabelnetzes an die amerikanische Liberty Media gestiegen. Dann aber holte die alte Angst vor drohenden Paketverkäufen die Anleger wieder ein und das Papier fiel im Handelsverlauf auf den tiefsten Stand seit Anfang 1998. Zum Schluss stand die Telekom wieder im Plus. Der MDax gab auf 4 457,71 Punkte (-0,6 %) nach.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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