Autozulieferer will Rendite bis 2005 deutlich verbessern
Bosch wächst nur durch Rexroth

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt, Robert Bosch, will seine Umsatzrendite binnen zwei Jahren auf sieben von vier Prozent vor Steuern verbessern und das Wachstumstempo wieder deutlich erhöhen. 2003 sei aber ein weiteres Jahr der Stagnation zu erwarten.

Reuters BERLIN. "Ich sehe gute Chancen, sieben Prozent 2005 zu schaffen", sagte der scheidende Chef der Bosch-Geschäftsführung, Hermann Scholl, am Donnerstag in Berlin. Dazu hatte sein designierter Nachfolger Franz Fehrenbach Ende 2002 ein Sparprogramm mit dem Namen "Profit 2005" aufgelegt. Für 2003 wagte Scholl aber keine konkrete Prognose. Das Jahr habe mit einem Umsatzzuwachs von nur einem Prozent bis März aber wenig verheißungsvoll angefangen. "Es ist zu befürchten, dass sich der Abstand zu unserer Planung noch vergrößert", sagte Scholl, der Ende Juni abtritt. Die Zahl der Arbeitsplätze - 102 000 allein in Deutschland - hofft Bosch aber möglichst konstant zu halten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Bosch nur noch auf Grund der Übernahme des Schweinfurter Industrietechnikkonzerns Rexroth beim Umsatz um 2,8 % auf 35 Mrd. ? zugelegt. Ohne den Zukauf wäre er um 0,8 % zurückgegangen. Der erstarkte Euro ließ das Umsatzplus allein um drei Prozentpunkte geringer ausfallen. Das Ergebnis vor Ertragsteuern blieb mit 1,42 (2001: 1,41) Mrd. ? ebenso konstant wie die Umsatzrendite von 4,1 %. Operativ habe sich der Gewinn um 272 Mill. ? verbessert, unterstrich Finanz-Geschäftsführer Gerhard Kümmel.

Für 2003 habe sich Bosch eigentlich einen Umsatzzuwachs um zwei Prozent vorgenommen, sagte Scholl. In den nächsten Monaten sei nun aber eher mit rückläufigen Umsätzen zu rechnen. Deshalb stehe auch das Ziel in Frage, das Ergebnis schon in diesem Jahr zu verbessern. Der Profit sei stark vom Umsatz abhängig. Große Hoffnungen setzt Scholl auf den Durchbruch des Diesel-Antriebs in Nordamerika und auf China, wo 2008 schärfere Abgasrichtlinien eingeführt werden. Der Umsatz von Bosch in China könne sich in den nächsten zehn Jahren auf fünf Mrd. ? verfünffachen.

Mit acht bis neun Prozent mehr Umsatz pro Jahr soll Bosch in Zukunft seinen alten Wachstumskurs wieder aufnehmen. "Das ist die Größenordnung, die wir uns vorstellen", sagte Scholl. "Für die nächsten Jahre kann nicht mehr wie bisher damit gerechnet werden, dass uns der Export über die schwache Inlandsnachfrage zumindest teilweise hinweg hilft", kritisierte er den Reformstau in Deutschland. Bosch müsse wachsen, um die Position als Nummer zwei auf dem weltweiten Autozuliefer-Markt hinter Delphi zu behaupten. 2003 könne man dem US-Rivalen noch näher rücken.

Mit der Übernahme des Wetzlarer Heiztechnik-Konzerns Buderus will Bosch sich von der zyklischen Autokonjunktur noch unabhängiger machen. Im vergangenen Jahr war der Umsatzanteil im Autozuliefer-Geschäft auf 66,8 von 68,3 % gesunken. Bosch hatte sich Anfang der Woche 47 % an Buderus gesichert und den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot über je 29,15 ? unterbreitet. Die insgesamt bis zu 1,7 Mrd. ? teure Übernahme soll aus den liquiden Mitteln finanziert werden. Ende 2002 lag die Liquidität des von einer Stiftung beherrschten Konzerns trotz des milliardenschweren Kaufs von Rexroth bei 6,48 (2001: 6,87) Mrd. ?.

Finanzchef Kümmel erwartet auf seine Übernahmeofferte breite positive Resonanz. Bosch strebe zwar nur eine Übernahmequote von 50 % plus einer Aktie an, erkärte er, "aber ich gehe von einer wesentlich höheren Quote aus." Die Commerzbank, die wie der Fonds Arnold & Bleichroeder rund zehn Prozent hält, will nach Angaben aus Unternehmenskreisen ihr Paket abgeben. Ob Buderus am Ende mit der Bosch-Marke "Junkers" fusioniert werden soll, macht der Autozulieferer von der Akzeptanzquote abhängig.

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