Autozulieferer ZF sieht keine konjunkturelle Erholung
ZF Sachs muss produktiver werden

Der drittgrößte deutsche Autozulieferer, die ZF Friedrichshafen AG, hat mit der Integration der neu erworbenen ZF Sachs AG noch viel Arbeit. Der Schweinfurter Fahrwerkshersteller bringt zwar wichtige Ergänzungen der Produktpalette mit. Die Rendite ist für ZF-Chef Goll jedoch noch sehr verbesserungsbedürftig.

 

brb STUTTGART. Bei der ZF Friedrichshafen AG steht in diesem Jahr die Integration der Mannesmann Sachs im Mittelpunkt. Bis Mitte Mai will Siegfried Goll ein erstes Konzept für den Schweinfurter Kupplungs- und Stoßdämpferhersteller, der inzwischen in ZF Sachs umbenannt wurde, fertig haben. Das Konzept soll bis Frühjahr 2003 umgesetzt werden. Es soll vor allem Überschneidungen bei den Gummimetall-Produkten und bei den vier Handelsfirmen beseitigen.

Im vergangenen Sommer hatte der Getriebe- und Fahrwerkshersteller ZF für Aufsehen gesorgt, als er im Rennen um die Sachs den Autozulieferer Conti ausstechen konnte. ZF steigt mit dem Erwerb von Sachs nicht nur zum drittgrößten deutschen Zulieferer auf, es ist auch der größte Erwerb in der langen Firmengeschichte des Stiftungsunternehmens. ZF erhöht mit Sachs die Mitarbeiterzahl um die Hälfte auf über 55 000 Beschäftigte und den Umsatz um knapp ein Drittel auf 9 Mrd. Euro.

Einsilbig äußerte sich Goll gestern auf der Bilanzpressekonferenz dagegen über die Rendite des Zukaufs. Genaue Gewinnzahlen will er nicht nennen. Nur so viel gab er bekannt: Im vierten Quartal 2002 habe Sachs einen leicht positiven Ertrag ausgewiesen. Der Firmenchef, seit knapp einem Jahr im Amt, betonte, dass die Schweinfurter in den vergangenen Jahren "nicht so intensive Produktivitätsprogramme durchgeführt haben wie ZF. Man werde dort deshalb nachhaltige Ertragsprogramme starten müssen.

Aus Unternehmenskreisen in Friedrichshafen heißt es, dass die Fertigungstiefe in Schweinfurt sehr viel höher sei als in Friedrichshafen. Außerdem sei die damalige Mannesmann Sachs als Teil von Mannesmann Atecs zwei Jahre lang bei Siemens geparkt gewesen. Wichtige unternehmerische Entscheidungen seien in dieser Zeit nicht gefällt worden.

Der erste Integrationsschritt wird in der Sparte Gummimetall erfolgen. Die Firmen Boge (Sachs) und Elast Metall (ZF) werden zusammengeführt, sagte Goll. Nicht entschieden ist bislang die Führungsfrage und damit, wer unter welches Dach schlüpft. Noch ist auch Arbeitsplatzabbau kein Thema bei der Sachs-Integration. In Schweinfurt ist der neue Eigner vor allem deshalb willkommen, weil er Sachs unternehmerisch voranbringen will. Die Stoßdämpfer von Sachs sollen künftig die Achsen von ZF ergänzen.

Dennoch ist bei den Sachs-Beschäftigten die Botschaft angekommen, künftig mehr Gewinn bringen zu müssen. Mit gemischten Gefühlen beobachten sie derzeit, wie die Schwaben die Forschungs- und Entwicklungskosten unter die Lupe nehmen. ZF Sachs gab für diesen Bereich 2001 etwa 6,5 % vom Umsatz aus. Bei ZF sind das nur 5 %.

ZF Friedrichshafen wird Sachs erstmals in der Bilanz 2002 voll konsolidieren und damit einen großen Umsatzsprung ausweisen. Goll bleibt, was die Konjunktur angeht, für 2002 pessimistisch. Im ersten Quartal konnte der Konzern ein Umsatzwachstum von 1 % auf 2,4 Mrd. Euro erzielen. Für das Gesamtjahr rechnet der Firmenchef - ohne den Konsolidierungseffekt Sachs - allenfalls mit einem leichten Umsatzplus.

Im Vorjahr konnte ZF beim Umsatz zwar um 7 % auf knapp 7 Mrd. Euro zulegen. Das Geschäftsergebnis ging jedoch um über 40 % auf 191 Mill. Euro zurück. ZF begründet das mit dem Konjunktureinbruch im zweiten Halbjahr 2001. Verluste schrieb das Joint Venture mit dem US-Autozulieferer Arvin Meritor wegen der Krise der dortigen Nutzfahrzeugbranche.

Quelle: Handelsblatt

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