AvD warf den Ölmultis Preisabsprachen vor
Benzinpreise sanken zu Ostern wieder

dpa HAMBURG. Der bundesweite Aufschrei von Autofahrern und Politik über die kurz vor der Osterreisewelle gewaltig erhöhten Benzinpreise hat offenbar Wirkung gezeigt. Am Ostermontag ergab eine stichprobenartige Umfrage in mehreren deutschen Städten, dass Benzin teilweise wieder mehrere Pfennig billiger geworden war. Politiker und der Automobilclub von Deutschland (AvD) hatten nach der Preiserhöhung am Mittwoch vor Ostern nach dem Kartellamt gerufen und den Ölmultis Preisabsprachen vorgeworfen.

Geteilter Meinung waren die Tankstellenpächter über die Auswirkungen der höheren Preise auf das Verhalten der Autofahrer. Einige hatten weniger zu tun, bei anderen lief das Geschäft normal. Nicht nur die Preise, sondern auch das schlechte Wetter habe den Betrieb an den Zapfsäulen beeinflusst, meinte der Geschäftsführer einer Aral-Tankstelle in Berlin-Dahlem, Konrad Neumann. Höhere Preise vor Feiertagen seien durchaus üblich. Das eher zähe Geschäft erklärte er mit schlechtem Wetter. "Das liegt nur am Wetter", sagte auch Hans- Joachim Mannhold an einer Tankstelle in Berlin-Hellersdorf.

«Preislich sind wir schon wieder 10 Pfennig runter seit Samstag.» Peter Heintel von der Raststätte Allertal an der Autobahn 7 in Niedersachsen registrierte einen deutlichen Umsatzrückgang zwischen 15 und 20 Prozent. "Das führe ich allein auf den hohen Spritpreis zurück", sagte Heintel. An einer Schleswiger Tankstelle hieß es: "Wir haben ein ganz normales Ostergeschäft gehabt. «Das Schlimmste schon vorbei". Fast überall gingen die Preise inzwischen wieder einige Pfennige runter.

"Natürlich haben die Leute vorher geschimpft. Aber es wurde nicht weniger getankt, genauso wenig wie jetzt nach der Preissenkung mehr Benzin verkauft wird", sagte Pächter Jan-Peter von Hofe. "Praktisch keine" Folgen bestätigt auch eine BP-Tankstelle in Lübeck. "Natürlich schimpfen die Leute über Abzocke", sagte Ursula Mannfraß. An einer Dresdner DEA-Tankstelle war Ostermontag etwas mehr Betrieb. Die Benzinpreise waren wieder um fünf Pfennige gesenkt worden. Alexander Neef von einer Stuttgarter Aral-Tankstelle sagte, der geringere Betrieb zu Ostern liegt vor allem am Wetter. Der Sprit war zwei Pfennig billiger als noch am Ostersonntag. Aber: "Die nächsten Erhöhungen kommen an Pfingsten ganz bestimmt", erklärte Neef.

AvD wirft Ölmultis Preisabsrachen vor

Der Pressesprecher des Automobilclub von Deutschland (AvD), Johannes Hübner, hatte in der ARD gewettert: "Es ist immer das gleiche Spiel. Das wird zu Ostern, zu Weihnachten, natürlich auch zum Beginn der Sommer- und Herbstferien kräftig erhöht", dann geht es wieder runter. Wenn etwa die Hälfte der Autofahrer am Osterwochenende 50 Liter tanke, bringe das den Ölkonzernen bei einem Mehrpreis von rund fünf Pfennig je Liter rund 50 Millionen DM. AvD-Präsident Wolfgang-Ernst zu Ysenburg und Büdingen, rief das Bundeskartellamt auf, die offensichtlichen Preisabsprachen der Ölkonzerne zu untersuchen. Den Autofahrern empfahl er den Umweg zur preiswerten Tankstelle. Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Rainer Brüderle, forderte, gegen die "Abzocke der Autofahrer" müsse mit einer "Doppelstrategie" vorgegangen werden: "Erstens: keine weitere Erhöhung und Abschaffung der Ökosteuer. Zweitens muss das Kartellamt prüfen, ob die Ölmultis marktwidrig zulangen."

Noch am Dienstag hatten die großen Mineralölfirmen signalisiert, dass vor Ostern die Preise stabil bleiben dürften. Nachmittags setzte jedoch an den internationalen Ölmärkten ein plötzlicher Preisanstieg ein. Der Rohölpreis stieg um 1,5 Dollar je Barrel (159 Liter) und die Großhandelspreise für Benzin gingen innerhalb kurzer Zeit um mehr als zehn Dollar je Tonne nach oben. "Damit haben wir nicht gerechnet", sagte ein Aral-Sprecher.

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