Aversion gegen "Schüttelhuber"
Felix Wankel - Visionär ohne Führerschein

Felix Wankel wäre am 13. August 100 Jahre alt geworden. Er war ein klassischer Tüftler, der sein Hobby zum Beruf machte. Eine Ausbildung als Ingenieur hatte Wankel nicht - und einen Führerschein auch nicht.

HB/dpa LAHR. Geboren 1902 im badischen Lahr, absolviert er in Heidelberg eine Lehre als Verlagskaufmann. Wankel eröffnet in den 20er Jahren mit Freunden eine kleine Werkstatt und experimentiert mit Motoren - der Beginn einer ungewöhnlichen Karriere, aus der eine der großen vergessenen Innovationen des 20. Jahrhunderts hervorging.

Mit der Expansion der Rüstungsindustrie unter den Nationalsozialisten zieht Wankels Forschung die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sich. Die Unterstützung ermöglicht ihm, ein eigenes Labor in Lindau am Bodensee einzurichten und dort neuartige Motoren weiterzuentwickeln.

Der Wunder-Motor

Das Kriegsende verhindert eine erste Serienfertigung, Wankels Werkstatt wird von den Franzosen zerstört. Mit Hilfe aus der Industrie kann er seine Versuche fortsetzen. Im April 1954 ist es schließlich soweit: Wankel kommt auf die genial einfache Idee eines Motors, der praktisch ohne Ventile auskommt. Ein dreiecksförmiger Kolben rotiert in einem Behälter in Form einer Acht, die Mathematiker Trochoide nennen. Ein "Wunder-Motor", schrieb die "Bild"-Zeitung.

Zu Wankels Lizenznehmern gehören im folgenden Jahrzehnt unter anderem Daimler-Benz, Porsche, Alfa Romeo und Rolls Royce. - Wichtigster Partner ist der Neckarsulmer Auto- und Motorradhersteller NSU, der 1963 das erste Serienauto mit Wankel- Motor auf den Markt bringt: Den NSU Spider. Vier Jahre später folgt der Ro 80, der von Experten zum "Auto des Jahres" gewählt wird.

Die Euphorie war allerdings nur von kurzer Dauer. Die Ölkrise machte den Autoherstellern die Entscheidung schwer, in Produktionsstätten für einen völlig neuen Motor zu investieren. Der Volkswagen-Konzern, neuer Eigentümer der mit Audi fusionierten NSU, wollte den Ro 80 trotz verbesserter Technik nicht weiter produzieren.

"Wankel war ein Wunschdenker"

Wankel war es nicht gelungen, eine dauerhafte Koalition aus Befürwortern seines Motors zu bilden. "Das hat ihn nicht interessiert", erzählt sein Weggefährte Dankwart Eiermann.

Der heute 69-jährige Ingenieur arbeitete mehr als 20 Jahre lang mit Wankel zusammen. "Er war immer ein bisschen ein Wunschdenker", so Eiermann. Wankel, der mit seinen Erfindungen dennoch Millionen verdiente, starb am 9. Oktober 1988 in Heidelberg.

Eine Ausstellung in der Eilguthalle in Lindau zeigt noch bis zum 6. Oktober berühmte Exponate aus der Geschichte der Motor-Legende, darunter auch einen Mercedes-Benz SL, in den Eiermann nachträglich einen Wankel-Motor mit 320 PS einbaute. Ein "Schüttelhuber", wie der eigenwillige Erfinder den Hubkolbenmotor abfällig nannte, kam Wankel nicht auf die Straße.

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