Avis Europe rechnet mit schlechtem Ergebnis
Preiskampf treibt Autovermieter in den Ruin

Der hart umkämpfte Markt der Autovermieter steckt weltweit in der Krise. Doch der tiefste Punkt ist noch nicht erreicht - besonders dann nicht, wenn es im Irak zum Krieg kommt. "Für diesen Fall rechnen wir mit einem kurzfristigen Umsatzeinbruch von 20 bis 25 Prozent", sagte am Donnerstag Dieter Woitscheck, der für das operative Geschäft von Avis Europe verantwortlich ist.

hof/hz FRANKFURT/M. Auf das Gesamtjahr betrachtet entspräche dies einem Umsatzrückgang von mindestens 10 % und einem deutlichen Rückgang des Ertrages. "Wir werden aber auch dann noch sehr profitabel sein", prophezeiht Woitscheck. Sollte es wirklich zu einem Krieg kommen, würden viele Unternehmen ihren Betrieb einstellen, glaubt der Manager. Seit Jahren leidet die Branche unter einem anhaltenden Konzentrationsprozess.

Bisheriger Höhepunkt der Branchenkrise war der Konkursantrag des US-Autovermieters ANC Rental Corporation, zu dem Alamo und National gehören, sowie die Pleite des fünftgrößten US-Autovermieters Budget. Der Ex-Kooperationspartner von Sixt musste vergangenes Jahr Gläubigerschutz beantragen und wurde vom US-Konzern Cendant geschluckt. Der kontrolliert bereits das amerikanische Avis-Pendant. Avis und Budget werden voraussichtlich auch in Europa künftig unter einer Flagge segeln - allerdings mit einem getrennten Marktauftritt. Etwas komplizierter ist die Situation bei der deutschen Budget-Tochter, die zwar von der Insolvenz der Muttergesellschaft unberührt blieb, aber Ende vergangenen Jahres vom Leasingkonzern Albis übernommen wurde. Sie wird operativ selbstständig bleiben.

Die Autovermieter leiden weltweit unter der Flaute im Reiseverkehr infolge der Terroranschläge vom 11. September. Der Einbruch traf die Branche in einer ohnehin angespannten Lage. Jahrelange Preiskämpfe, verschlechterte Konditionen der Hersteller beim Ankauf sowie ein überfüllter Gebrauchtwagenmarkt machen den Anbietern zu schaffen. Die Zahl der Unternehmen sinkt von Jahr zu Jahr. Vor zehn Jahren gab es noch etwa 1 400 Autovermieter in Deutschland, heute sind es nur noch halb so viele. Auch bekannte Namen wie die Düsseldorfer Firma Arndt und die Kette CC Raule gerieten in Schwierigkeiten: Die Düsseldorfer mussten Insolvenz anmelden und Raule wurde von der niederländischen Mutter Athlon aufgeben. Die fünf großen Vermieter Avis, Europcar, Hertz, National und Sixt decken mittlerweile zwei Drittel des europäischen Marktes ab. Deutscher Marktführer ist Sixt vor Europcar und Avis.

Gegenwind bekommen die etablierten Unternehmen zusätzlich von Billiganbietern. So schreckte die britische Firma Easycar in den vergangenen Jahren die Branche mit Raten ab 8 Euro auf. Der Preisbrecher aus Großbritannien ärgert bereits die Konkurrenten im Heimatland, in Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und möglicherweise noch in diesem Jahr auch in Deutschland. In Berlin wirbt zudem die neu gegründete Autovermietung Navicar.de um preisbewusste Kunden. Außerdem macht die neue Sparsamkeit bei Geschäftsreisenden der Branche zu schaffen. "Statt der S-Klasse wird schon mal die C-Klasse gebucht", beschreibt der Bundesverband der Autovermieter den Trend.

Im Gegenzug sparen auch die Autovermieter. Sie bauen Flotten ab und ihr Internetangebot aus. Ein Nachfrageeinbruch in Folge eines Krieges gegen den Irak würde die Sparerfolge jedoch überlagern. Bei einem normalen Geschäftsverlauf strebt Avis Europe 2003 nach einem Rückgang des Vermietumsatzes um 5,3 % auf 1,189 Mrd. Euro wieder leichtes Wachstum an. Der Vorsteuergewinn, der unter der Preisaggressivität am Markt gelitten hat und 15 % eingebrochen ist, soll gehalten werden, hofft Woitscheck. Nötig sind dazu aber Preissteigerungen. Optimistisch äußerte sich in dieser Woche auch Sixt-Chef Erich Sixt. Er will 2003 den Umsatz um 5 % und das Vorsteuerergebnis um mehr als 10 % steigern - vorausgesetzt, ein Krieg am Golf macht nicht alle Prognosen zu Makulatur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%