Axa und Mannheimer müssen verkaufen
WestLB: Versicherer verlassen die Börse

Die deutschen Lebensversicherer werden sich nach Ansicht von Experten von den Börsen zurückziehen müssen. Angesichts des Rückgangs von Risikokapital um über 75 Prozent seit 2000 werden künftig nur Aktienquoten zwischen fünf und zehn Prozent gefahren werden können, schreiben die Analysten der WestLB Panmure in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

vwd DÜSSELDORF. Nachdem die reine Aktienquote 2001 bei 16 Prozent gelegen habe, sei aktuell von neun Prozent auszugehen. Von den börsennotierten Versicherungsgesellschaften hätten Mannheimer und die deutsche Axa das geringste Risikokapital und müssten künftig vorrangig Fondspolicen verkaufen.

Die Allianz Leben sei nicht mehr Marktführer in der Kapitalstärke, stehe aber noch gut da. Dank ihrer sehr starken freien Rückstellung für Beitragsrückerstattung könne die Münchener-Rück-Gruppe mit den Erstversicherern der Ergo Versicherungsgruppe AG die gegenwärtige Krise gut überstehen, urteilen die WestLB-Analysten weiter. Sollten Axa und Mannheimer kein zusätzliches Eigenkapital erhalten, wären sie gezwungen, das Neugeschäft mit kapitalbildenden Lebensversicherungen einzustellen. Dies wäre im Hinblick auf die aktuellen Steuerpläne ein enormer Wettbewerbsnachteil, sagte Chefanalyst Carsten Zielke.

Studie: Nettoverzinsung beträgt 2002 nur noch drei Prozent

Den Lebensversicherten selbst droht die kräftige Kürzung der Verzinsung ihrer Sparanteile. Die WestLB Panmure rechnet auf absehbare Sicht nur noch mit Überschussbeteiligungen zwischen 4,5 und 5,5 Prozent; das wären bis zu zwei Prozentpunkte weniger als für 2002 in Aussicht gestellt. Da die Versicherungsaufsicht jetzt erstmalig die Höhe der Überschussbeteiligung kontrolliert, sei davon auszugehen, dass die Unternehmen diese Verzinsung sehr vorsichtig berechneten. Den Versicherern fehlten die Gewinne aus dem erfolgreichen Handel mit Aktien. Daher werde die durchschnittliche Nettoverzinsung 2002 nur noch drei (5,7) Prozent erreichen.

Die stillen Reserven, also der Unterschied zwischen Buch- und Marktwert von Kapitalanlagen, sind nach Einschätzung der Düsseldorfer Analysten von ursprünglich 41,7 Mrd EUR im Jahr 2000 auf 1,5 Mrd EUR gesunken. Infolge der gesetzlichen Milderung des einst strengen Niederstwertprinzips durch den Paragraphen 341 b HGB habe die Mehrzahl der Gesellschaften sogar stille Lasten. Das bedeutet, dass die Kapitalanlagen zu höheren Preisen in den Bücher stünden, als bei einem Verkauf tatsächlich erlöst würde.

"Die Lage ist ernst, die Unternehmen stehen aber nicht vollkommen unter Wasser", sagte Zielke. Schließlich habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) rechtzeitig reagiert, als sie bei mehreren Unternehmen Stresstests anordnete.

Kräftige Verkäufe nach dem 20. Dezember

Wegen dieses Wegfalls von Risikokapital würden die Aktienquoten in der nächsten Zeit nicht hoch gefahren. Bei ihrer prognostizierten Aktienquote unterstellen die WestLB-Experten, dass sich die hohen Volatilitäten wieder normalisieren. Bleibe der Kapitalmarkt so volatil wie im dritten Quartal, dürfte die Aktienquote allenfalls noch 2,5 Prozent ausmachen. Für die derzeit gehaltenen Aktien reicht das Risikokapital nur deshalb, weil ein Großteil der Engagements mit Futures gehedgt ist. Diese liefen aber am 20. Dezember aus. Danach könnte es wegen des Paragraphen 341 b und der Höhe des Risikokapitals zu kräftigen Verkäufen kommen.

Weiteren Verkaufsdruck erwartet Zielke durch die Novellierung und mehr oder weniger branchenweite Einführung des Rechnungslegungsstandards IAS, der bei der gegenwärtigen Höhe des Risikokapitals keine Aktienengagements zulasse. Wie in den USA, würden die Versicherer dann auch hier eher in Corporate Bonds investieren müssen.

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