Axa will den Deutschen Herold übernehmen
Axa spricht mit Deutscher Bank über Vertrieb

Die beiden größten europäischen Versicherer Axa und Allianz stehen möglicherweise vor einem Kampf um den lukrativen deutschen Markt. Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Montag, die Deutsche Bank und die französische Axa-Gruppe verhandelten über eine Vertriebspartnerschaft.

Reuters FRANKFURT. Axa habe großes Interesse an der Versicherungstochter der Deutschen Bank, Deutscher Herold, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Bankenkreise. Sollten die Gespräche tatsächlich geführt werden, brächte dies die Allianz unter Druck, die mit der Deutschen Bank seit längerem über eine gegenseitige Öffnung der Vertriebswege spricht. Axa und Deutsche Bank lehnten eine Stellungnahme ab. Analysten sagten, eine Kooperation von Deutscher Bank und Axa würde Sinn machen.

Axa wolle den Deutschen Herold übernehmen und in den Filialen der Deutschen Bank 24 ihre Versicherungsprodukte verkaufen, hieß es in dem Zeitungsbericht. Im Gegenzug würde die Versicherung ihre europäischen Vertriebsnetze für die Privatkundensparte Deutsche Bank 24 öffnen. Außerdem biete Axa der Deutschen Bank Hilfe beim Aufbau eines Privatkundennetzes unter anderem in Frankreich und Spanien an. Möglich seien gemeinsame Filialen sowie ein gemeinsamer Vertrieb per Internet.

Der Deutsche Herold hat auf dem Lebensversicherungsmarkt in Deutschland einen Anteil von rund vier Prozent. Der Marktanteil der Axa Axa-Tochter Colonia, mit der der französische Versicherer bereits in Deutschland vertreten ist, würde mit einer Übernahme auf 15 % steigen. Dies entspricht dem derzeitigen Marktanteil der Allianz.

Sprecher von Axa und Deutscher Bank lehnten Stellungnahmen zu dem Bericht ab. Eine Axa-Sprecherin sagte in Paris nur: "Wir sprechen mit jedem und haben immer deutlich gemacht, dass wir unser Vertriebsnetzwerk in den Ländern ausbauen wollen, in denen wir präsent sind." Auch die Allianz gab keine Stellungnahme ab.

In Bankenkreisen hieß es, das Interesse der Deutschen Bank am französischen Markt sei durch den Aufbau eines eigenen Filialnetzes und den Kauf der Banque Worms von Axa deutlich geworden. "Die Übernahme von Banque Worms sollte die Fantasien hinsichtlich der Pläne in Frankreich nicht überschießen lassen, aber sie zeigen das Interesse der Bank an Frankreich." Gespräche mit einem französischen Versicherer würden signalisieren, dass die Bank einen anderen Weg einschlage. In einem solchen Fall würde sie zugleich mit einem Versicherer verhandeln, ein eigenes Vertriebsnetz aufbauen und über die Banque Worms expandieren.

Analysten sagten, eine Kooperation von Axa und Deutscher Bank würde Sinn machen. Jedoch könnte es sich bei den angeblichen Gesprächen auch um einen Versuch handeln, Druck auf die Allianz auszuüben. "Wir glauben, dass eine Vereinbarung mit Axa von den Märkten positiver aufgenommen würde als eine mit der Allianz, deren Nutzen weniger klar wäre", teilte Marijn Smit von ABN Amro mit. Nach Einschätzung von Tom Bennett von BNP-Paribas könnte Axa tatsächlich Interesse an einer Übernahme des Deutschen Herold haben. Dennoch stuft er die Aussichten für eine Einigung als eher gering ein. Axa habe starke Verbindungen zu französischen Banken und werde der Deutschen Bank vermutlich nicht helfen, sich weiter im französischen Markt zu etablieren.

Die Deutsche Bank befindet sich bereits seit längerem in Gesprächen mit dem Axa-Rivalen Allianz über eine gegenseitige Öffnung der Vertriebskanäle. Da bei den Gesprächen bislang kein Abschluss erreicht werden konnte, wurde in Bankenkreisen bereits vermutet, dass die beiden Unternehmen nicht ernsthaft an einer Einigung interessiert seien. Auch in den Kreisen wurde es nicht für ausgeschlossen gehalten, dass die Bank die angeblichen Gespräche mit Axa als Druckmittel nutzt, um die Verhandlungen mit der Allianz voranzubringen. Denn ein solcher Vorstoß der Axa könnte die Allianz zwingen, ihren Heimatmarkt zu verteidigen und selbst mit der Deutschen Bank zu einer Einigung zu kommen.

Axa ist nach Prämieneinnahmen der größte europäische Versicherer, die Allianz-Gruppe folgt auf Rang zwei. Auf dem deutschen Markt gilt der Bedarf an von Versicherungen angebotenen Investmentprodukten zur Altersvorsorge als besonders groß. Zuletzt hatte Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer gesagt, es gebe mindestens fünf europäische Versicherer, die an einer Kooperation mit der Deutschen Bank 24 interessiert seien.

Im deutschen Aktienhandel gab der Kurs der Deutschen-Bank- Aktie zunächst nach, drehte später aber ins Plus. Am Nachmittag wurde die Aktie mit 89,24 Euro um 0,4 % höher als am Freitag gehandelt. Die Allianz-Aktie verlor um 0,2 % auf 355,31 Euro. Das Börsenbarometer Dax lag um 0,5 % über dem Schlussstand vom Freitag. An der Börse in Paris sank der Kurs der Axa-Aktie um 0,5 % auf 132,50 Euro.

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