Axel-Springer verbindet "Bild" exklusiv mit der Telekom
Analyse: T-Online wird zum schwierigen Fall für die Kartellwächter

Das Modell AOL Time Warner lehnt Ron Sommer für die Deutsche Telekom ab. Auf Gedeih und Verderb sei der Internetdienst AOL nach der Fusion an die Inhalte von Time Warner gebunden, argumentiert der Telekom-Chef. Sein Konzern jedoch wolle Inhalte von möglichst vielen Anbietern.

Seine Partner für Inhalte hat Sommer dann aber doch am liebsten ganz allein für die Telekom. Die Exklusiv-Partnerschaften für den Internetauftritt der Bildzeitungs-Gruppe des Axel-Springer-Verlags und der Heute-Nachrichten des ZDFenthalten jedenfalls Ausschlussklauseln für ähnliche Partnerschaften mit konkurrierenden Internetanbietern. Bild.de wird es also gekoppelt an AOLoder an eines der neuen mobilen Internetportale wie Vodafones Vizzavi nicht geben.

Für die Kartellwächter ist die neue Telekom-Partnerschaft damit eine harte Nuss. Wie sehr stärkt die Kooperation, die erklärtermaßen erst der Anfang einer strategischen Partnerschaft zwischen Telekom und Springer ist, T-Online auf dem deutschen Internetmarkt und den Konzern Telekom gegenüber den Mobilfunkkonkurrenten? Wie sollen Exklusiv-Partnerschaften zwischen Telekom-Netzbetreibern und Großverlagen generell beurteilt werden? Auf diesem Feld gibt es bisher wenige Erfahrungen. EU-Kommission und Bundeskartellamt mussten bisher lediglich die Versuche von Bertelsmann und Kirch prüfen, sich mit der Telekom im Kabelfernsehen zu verbünden. Mit negativem Ergebnis.

Im Fall "Bild" bezieht sich die Kooperation der Telekom allerdings nur auf ein Produkt eines Großverlags und nicht auf alle Inhalte von Springer. Natürlich gibt es im Bereich Unterhaltung und Sport andere Zeitungen anderer Verlage, die sich wiederum mit T-Online-Konkurrenten zusammenschließen könnten. Aber werden sie dies wollen, wenn T-Online schon jetzt der größte Internetanbieter in Deutschland ist?

Doch die Kooperation zwischen Telekom und Springer wirft nicht nur Kartellfragen auf. Es ist auch schwer zu verstehen, warum sich Verlage und Fernsehstationen überhaupt auf Exklusiv-Verträge für den Inhaltevertrieb im Internet einlassen. Nach heutigem Stand ließe sich noch argumentieren, dass die Allianz mit dem Marktführer bei Internetzugängen den Sinn hat, dessen Kunden zu erreichen. Denkt man jedoch an die kommenden mobilen UMTS-Datendienste, schwindet der Größenvorteil der Telekom dahin. Warum also schließt sich "Bild" schon jetzt selbst von der Chance aus, neben den D1-Kunden auch die von D2, E-Plus und Viag Interkom zu bedienen?

Minimierung der Anlaufkosten

Wie im Fall "Heute" scheint es da auch bei Springer vor allem um die Minimierung der Anlaufkosten für das Internetprogramm sowie um technische Kompetenz zu gehen.

Das Gute an dem Deal ist die Absicht, das Internet als eigenständiges Medium endlich ernst zu nehmen. Bisher führen die streng getrennten Welten von Inhalt und Infrastruktur dazu, dass Druckerzeugnisse und Videosequenzen, die für Zeitungen oder Fernsehen produziert wurden, irgendwie ins Internet gestellt werden. Neue Formen für das neue Medium sind überfällig.

Nach der Entwicklungsphase jedoch macht Exklusivität für beide Partner wenig Sinn. Die Telekom dürfte weitere Inhalte für die neuen Formen brauchen und Springers "Bild" zusätzliche Vertriebskanäle für die Inhalte.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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