B-Probe ist entscheidend
IOC bestätigt: Mühlegg bei Dopingtest positiv

Dem König der Langläufer droht der Sturz vom Thron. Der dreimalige Langlauf-Olympiasieger Johann Mühlegg ist bei einer Dopingprobe positiv getestet worden.

dpa/sid SALT LAKE CITY. Dies bestätigte die medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonntagmorgen in Salt Lake City. Am Sonntagmorgen (Ortszeit) bestätigte der spanische Mannschaftsarzt Benjamin Fernandez, dass eine A-Probe des dreifachen Olympiasiegers Johann Mühlegg vom vergangenen Donnerstag positiv war. Die B-Probe soll um 11.00 Uhr Ortszeit (19.00 MEZ) am Sonntag analysiert werden.

Spaniens Sportminister Juan Antonio Gomez hatte nach einem Gespräch mit der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bereits zuvor im spanischen Radio erklärt, dass in einer Probe des gebürtigen Allgäuers die Substanz Darbepoetin nachgewiesen worden sei. Wie EPO wirkt sie stimulierend auf die Produktion roter Blutkörperchen im Knochenmark.

Der vom US-Pharmakonzern Amgen unter dem Namen Aranesp vertriebene Wirkstoff wird bei der Behandlung von Nierenpatienten erfolgreich eingesetzt. Die Aminosäuresequenz von Nesp ist im Vergleich zu Epo leicht verändert. Weil dies der Fall ist, kann man die Einnahme relativ einfach nachweisen. Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur Efe wird die Grundsubstanz aus den Eierstockzellen von chinesisch-mongolischen Hamstern gewonnen.

Mühhlegg musste am Sonntagmorgen 8.00 Ortszeit (16.00 MEZ) in Salt Lake City vor der IOC-Disziplinarkommission erscheinen. Den Vorsitz dieses Gremiums hat IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Der Tauberbischofsheimer ist Leiter der juristischen Kommission des IOC. Sollte sich der Dopingvorwurf bestätigen, droht dem 31-jährigen Mühlegg die Aberkennung aller drei Goldmedaillen und eine zweijährige Sperre.

Nach Angaben des Teamarztes war der Langläufer seit dem 8. Februar zu vier Bluttests gebeten worden. Wegen seiner drei Goldmedaillen kamen zudem drei obligatorische Urinproben hinzu. Mühlegg soll bereits während einer Feier am Samstag nach dem 50-km-Triumph über das positive Resultat informiert worden sein. Das bestätigte der spanische Verbandsfunktionär Angel Luiz Lopez de la Fuente im nationalen Radio: "Wir sind darüber informiert worden, dass in Mühleggs Urinprobe vom 21. Februar die Substanz Darbepoetin festgestellt wurde."

Mühlegg hatte vor den 50 km im klassischen Stil bereits die Rennen über 30 km Freistil und in der Verfolgung gewonnen und damit als erster Langläufer der Geschichte dreimal Einzelgold bei den gleichen Winterspielen geholt.

Schon vor seinem Goldlauf von Soldier Hollow über 50 km war Mühlegg ins Zwielicht geraten. Bei einer Blutkontrolle vor dem Rennen lag er über dem Hämoglobin-Grenzwert von 17,5. Der obligatorische zweite Test brachte dann ein Ergebnis unterhalb des Grenzwertes und damit doch noch die Starterlaubnis.

Der beschuldigte Mühlegg hatte eine einfache Erklärung für die Ungereimheiten. "Ich habe die letzten fünf Tage eine spezielle Diät gemacht, zwei Tage nur Proteine und drei Tage nur Kohlenhydrate. Außerdem hatte ich letzte Nacht Durchfall und die Höhenlage spielt auch eine Rolle", sagte der Deutsch-Spanier. Seine Erklärungsversuche nannte Patrick Schamasch absurd. "Eine Diät oder Durchfall beeinflussen den Hämoglobinwert nicht", sagte der Medizinische Direktor des IOC.

Obwohl zwischen erstem und zweitem Test nach den Regeln des Internationalen Skiverbandes FIS nur fünf Minuten liegen dürfen, verbrachte der um 8.16 Uhr zur Kontrolle angetretene Langläufer angeblich mehr als eine Stunde beim Blutabzapfen. "Ein Teamkollege von mir war auch bei der Kontrolle und hat berichtet, dass Mühlegg zwischen den Tests viel Wasser getrunken hat", meinte Silbergewinner Michail Iwanow (Russland). Das ist jedoch nach Aussage von Bengt-Erik Bengtsson verboten, weil es hilft, das Blut dünner zu machen, um dadurch die Hämoglobinkonzentration zu senken.

Die Doping-Gerüchte um Mühlegg drängten das 50-km-Rennen völlig in den Hintergrund. Der "Legionär" hatte mit einem starken Endspurt den teilweise schon 40 Sekunden enteilten Russen Michail Iwanow mit 14,9 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei verwiesen. Der Russe hatte sich ebenso wie der drittplatzierte Este Andrus Veerpalu (38,6 Sekunden zurück) nicht einem Bluttest unterziehen müssen. Andreas Schlütter (Oberhof) belegte mit 2:48,9 Minuten Rückstand einen glänzenden fünften Platz.

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