B2B-Plattform für den Metallhandel
Mehr Transparenz durch virtuelle Metallbörsen

Der Handel über das Internet boomt. B2B-Plattformen bieten Rohstoff-Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte weltweit zu vermarkten. Globaler Zugang, Transparenz und Schnelligkeit sind einige der Vorteile dieser virtuellen Marktplätze, durch die den traditionellen Börsen immer mehr Konkurrenz entsteht.

HB FRANKFURT/M. Der sich verschärfenden Konkurrenz durch Electronic Communication Networks (ECN) und B2B-Marktplätze (Business-to-Business Marktplätze) im Internet begegnen etablierte Kassa- und Terminbörsen mit der Schaffung eigener B2B-Plattformen. Dies gilt auch für die Deutsche Börse AG, die ihre Strategie seit kurzem auch auf neue E-Commerce-Aktivitäten außerhalb des Finanzsektors ausgerichtet hat. Die Börse hat Ende Juni zu diesem Zweck mit der britischen Emetra Plc - ein Gemeinschaftsunternehmen der MG Plc, der Internet Capital Group und des Safeguard International Fund - eine Kooperation zum Aufbau einer B2B-Internet-Plattform für den Metallhandel abgeschlossen.

Diese B2B-Börse soll Ende Januar 2001 online gehen und Teil eines weltweit integrierten Marktplatzes für den physischen Handel sowie für den Handel von Terminprodukten auf NE-Metalle und darauf aufbauender Dienstleistungen sein. Zuvor bereits hatte die MG Plc - inzwischen vom US-Energieriesen Enron Corp. übernommen - im Oktober des vergangenen Jahres ihr Online-Metallhandelssystem MITS in Betrieb genommen. B2B steht für den Handel zwischen Unternehmen auf einer elektronischen Plattform über das Internet.

Sowohl die London Metal Exchange (LME) als auch die New York Mercantile Exchange (Nymex) - die größten etablierten Metallterminbörsen der Welt - sehen durch die Existenz von B2B-Exchanges zunächst keine Gefahr für ihr Geschäft. So haben diese bislang dem Präsenzbörsensystem (physische Anwesenheit von Händlern in den speziell abgegrenzten "Pits" auf dem Parkett) vertrauenden Börsen bereits eine stärkere elektronische Ausrichtung ihres Geschäfts angekündigt. Die LME will im Rahmen einer Neuorientierung neben dem bestehenden Geschäft an ihre existierenden Mitglieder Aktien der neu gegründeten LME Holdings Plc verkaufen, die dann in Zukunft auch eigene B2B-Handelsplattformen entwickeln soll.

"MetalSite" als virtueller Modell-Marktplatz

Für Anfang 2001 hat auch die Nymex den elektronischen Handel von Metallterminkontrakten angekündigt. Patrick Thompson, Präsident dieser New Yorker Terminbörse, glaubt, dass es die B2B-Exchanges sehr schwer haben werden, den Standard etablierter Terminbörsen zu erreichen. Die Erfolgskomponenten der LME und der Nymex, nämlich der Umgang mit dem Kontrahentenrisiko, das Clearing gehandelter Kontrakte und der vorhandene Liquiditätspool seien von Neulingen nur sehr schwer darzustellen.

Diese bei den führenden Metallbörsen bestehende Sicht der Dinge verhindert die Schaffung neuer elektronischer Metallhandelsplattformen allerdings nicht. Da die Metallmärkte durch eine Vielzahl Produzenten, Verarbeiter, Händler, Broker und Sekundärhütten stark fragmentiert ist, können Internet-Portale zu mehr Transparenz beitragen.

Den zweifellos bestehenden Vorteil, diese Idee am Metallmarkt als erster in die Realität umgesetzt und sich so eine führende Position erobert zu haben, genießt die bereits im Jahr 1996 von Weirton Steel aufgebaute "Metal-Site", die nach Meinung von Lynn Trepp, Research-Direktor der Electronic Market Center Inc. in Philadelphia, als Modell für andere virtuelle Marktplätze gilt. Inzwischen haben sich zahlreiche Metall-Unternehmen in der Welt an "Metal-Site" beteiligt. Mit Isteel-Asia und Material-Net fand dieses Modell dann weltweit rasch Nachahmer.

In der ersten Oktoberwoche hat auch die Norddeutsche Affinerie-Gruppe (NA) - der größte Kupferproduzent Europas - sein Terrain in der virtuellen Geschäftswelt abgesteckt und "Copper-online.com" als Branchen-Portal, Marktplatz und Handelsplattform ins Leben gerufen. Die Initiatoren bauen auf das gigantische Marktpotenzial Europas, dem mit 4,2 Mill. t pro Jahr größten Kupfermarkt der Welt. Vor einigen Wochen bereits hatten 15 führende Minengesellschaften der Welt wie Rio Tinto, Anglo American, Alcoa, oder De Beers erklärt, in den nächsten Wochen mit einer B2B-Plattform online gehen zu wollen.

Schwedische OM Group bei B2B-Börsen aktiv

Am Start steht auch die Ferrous-Exchange Inc., die in der globalen Stahlindustrie für mehr Transparenz sorgen will. Der in Paris ansässige Internetmarktplatz Aluminium-First.com will sich vor allem auf den Aluminiummarkt konzentrieren. In Atlanta im US-Bundesstaat Georgia wurde im März 2000 die B2B-Börse Intercontinental Exchange gegründet, die als Freiverkehrsmarkt zunächst nur Gold- und Silberoptionen handelt, im vierten Quartal dieses Jahres ihr Angebot jedoch um energetische Rohstoffe ausweiten will.

Schwedens agile OM Group - Börse und Technologieunternehmen zugleich - ist nicht nur Wertpapier- und Strombörse. Es hat mit der Pulpex (Papier), der OM Environment Exchange (Umweltschutzzertifikate) und der UK Power Exchange in London bereits B2B-Börsen etabliert. In Schweden wurde im Juli u.a. von Ericsson und SEB zudem die Nordic Commerce Exchange (NCE) als Online-Börse für Reise- und Beratungsdienstleistungen, PC und Büromaterialien gegründet. Daneben existiert seit März dieses Jahres in Schweden die Steelscreen.com, auf deren Plattform sowohl Stahl als auch Metalle gehandelt werden können.

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