"B2B wird kommen"
Langfristig gute Aussichten für Firmensoftware-Aktien erwartet

Mit deutlichen Kursabschlägen hat die Börse die Hersteller von Geschäfts-Software bestraft. Doch die Aussichten der Aktien dieser Branche sind nach wie vor gut. Das zeigen die jüngsten Quartalszahlen.

koe FRANKFURT/M. Die Zahlen sind imposant: Dreistellige Umsatzzuwächse haben die Anbieter von Software für die Geschäftsabwicklung per Internet (B2B) für ihre jüngst zu Ende gegangenen Quartale gemeldet. Doch die Börse gibt sich unbeeindruckt. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich B2B-Aktien zurzeit weit von ihren jeweiligen Jahreshöchstständen entfernt. Bis zu 60 % ihres Wertes haben einzelne Titel innerhalb weniger Wochen eingebüßt.

Eine paradoxe Situation: Schließlich sind sich die meisten Analysten darüber einig, dass der Absatz von B2B-Software auch weiterhin boomen wird. Aber gleichzeitig wächst unter den Investoren die Furcht, dass die Kunden, vor allem die Großkonzerne, ihre Aufträge für B2B-Programme wegen der abflachenden US-Konjunktur aufschieben könnten.

Entmystifizierung des E-Business

"Wir befinden uns in einer Desillusions-Phase. E-Business wurde entmystifiziert", erklärt Kai Holger Müller-Kästner, Leiter der Abteilung E-Business beim IT-Beratungshaus CSC Ploenzke. Zwar blieben die Aussichten für die Software-Anbieter mittelfristig gut. Aber auf Seiten der B2B-Kunden sei die Euphorie verflogen.

Viele Großkonzerne würden jetzt abwarten, ob bereits existierende Marktplätze tatsächlich die versprochenen Vorteile bringen werden. "Ich denke, dass die ursprünglich angekündigten Investitionsbudgets in der Summe kommen werden. Aber es wird eine zeitliche Streckung geben", glaubt Müller-Kästner.

Prall gefüllte Orderbücher

Zurzeit ist von einer sinkenden Nachfrage allerdings noch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Peoplesoft, Ariba, Commerce One oder I2 Technologies haben die Analysten mit ihren Quartalszahlen positiv überrascht. Selbst Branchenschwergewichte wie Oracle oder SAP konnten ihre milliardenschweren Umsätze zweistellig steigern. Und der Ausblick für das laufende Quartal ist gut. Die Branche meldet prall gefüllte Orderbücher. Die Analysten haben reagiert. "Buy" ("Kauf") oder gar "Strong Buy" ("Starker Kauf") lauten die Urteile quer durch die B2B-Branche.

Dennoch drückt das Damoklesschwert einer nachlassenden US-Konjunktur die Stimmung der Investoren. Sie stehen zudem noch vor einem weiteren Problem: Unter dem Modewort B2B wird mittlerweile ein riesiges Feld von Software-Programmen zusammengefasst. Von Marktplätzen über Datenbank-Management bis hin zu Programmen für die Einbindung von Zulieferfirmen (Supply-Chain-Management) - alles läuft unter dem Namen Business-to-Business.

Angesichts dieser Vielfalt rückt die Frage in den Mittelpunkt, in welcher Nische künftig die B2B-Musik spielen wird. Einige Experten sprechen der so genannten Procurement-Software zur Steuerung der gesamten Beschaffung eines Unternehmens enormes Potenzial zu. Andere sagen, dass diese Optimierung der Beschaffung zu einem Boom bei Online-Marktplätzen führen wird. Eine definitive Antwort hat allerdings noch keiner gefunden.

"Rosige Zukunft" und hohe Volatilität

Anleger werden deshalb wohl auch weiterhin mit heftigen Kursausschlägen bei B2B-Aktien rechnen müssen. Zumal einzelne Papiere trotz der Kurskorrekturen nach wie vor recht teuer sind. Auf Basis der für dieses Jahr erwarteten Gewinne erreicht etwa I2 Technologies ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 386. Art Technology Group kommt auf 450 und Siebel Systems auf 228. Selbst die Papiere der zuletzt arg gebeutelten Broadvision - das US-Unternehmen musste Kursabschläge von über 60 % hinnehmen - sind mit einem KGV von 160 immer noch ansehnlich bewertet.

Dennoch bleiben B2B-Aktien auf lange Sicht für Anleger interessant. "Allen, die Software für die Schnittstellen zwischen den Unternehmen anbieten, prognostiziere ich eine rosige Zukunft", sagt Müller-Kästner. Die Desillusions-Phase habe zu einer Korrektur der B2B-Euphorie geführt. "Jetzt können sich die Unternehmen um die tatsächlichen Kostenvorteile von Business-to-Business-Anwendungen kümmern", glaubt der IT-Experte: "B2B wird kommen."

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