Babcock/HDW
Kommentar: Freie Bahn für Lederer

Jetzt wissen wenigstens alle Beteiligten diesseits und jenseits des Atlantiks, woran sie sind: Babcock, der Pleitekonzern aus Oberhausen, verkauft auch den Rest seiner begehrten Tochter, der U-Boot-Werft HDW, an die amerikanische Gruppe OEP.

Damit wird ein Geschäft besiegelt, das zu den umstrittensten der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte zählt. Es geht um den Ausverkauf der deutschen Rüstungsindustrie und die Frage, ob sich ein Manager auf Kosten von Unternehmen und Beschäftigten bereichert hat.

Das Positive: Der insolvente Maschinenbauer Babcock Borsig erhält für die restlichen 25 Prozent an der Kieler Werft HDW wenigstens ein paar Millionen Euro in bar. Ursprünglich sollten die Amerikaner lediglich Schulden übernehmen. Aber Babcock-Vorstand und Insolvenzverwalter drohten, den Verkauf anzufechten, und so legte OEP nach. Geld, das die Überlebenschancen der geplanten Babcock-Auffanggesellschaft erhöht - und damit auch die Chance, Arbeitsplätze zu erhalten.

Die wahren Gewinner des Pokers um die Werft aber sind die OEP-Investoren - und vor allem Klaus Lederer, ihr Mann bei HDW. Ausgerechnet Lederer, der Babcock Borsig als Vorstandschef in die Pleite lenkte, führt heute HDW. Ausgerechnet Lederer, der als Babcock-Chef die Mehrheit an seiner wertvollsten Tochter verkaufte und die Insolvenz der Mutter damit beschleunigte, hat jetzt freie Bahn, in Kiel das zu tun, was er schon immer wollte: einen transatlantischen Werftenverbund schmieden. Unter anderem will er U-Boote an Staaten wie Taiwan liefern. Der amerikanische Rüstungskonzern Northrop Grumman hat bereits angeklopft und will dabei helfen. Entweder per Kooperation oder wie ursprünglich geplant mit einer 20-prozentigen Beteiligung. Allen ist Lederer auf der Nase herumgetanzt. Und auch die Bundesregierung hält sich bislang zu sehr zurück.

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