Babcock und BDAG sollen verschmelzen
Babcock will Ergebnis trotz Umsatzeinbußen halten

Die Babcock Borsig AG rechnet eigenen Angaben zufolge für das Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30. September) trotz erwarteter Umsatzeinbußen mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Auf Grund von Änderungen im Konsolidierungskreis werde der Umsatz um 21 % auf 4,8 Mrd. Euro zurückgehen, teilte der Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer am Freitag auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Energietechnik-Tochter BDAG Balcke-Dürr AG weiter mit. Für 1999/2000 hatte Babcock ein Ergebnis im gewöhnlichen Geschäft von rund 200 Mill. DM sowie einen Überschuss von 41 Mill. DM ausgewiesen.

Reuters DÜSSELDORF. Die BDAG-Anteilseigner sollten auf dem Aktionärstreffen der Fusion mit dem Mutterkonzern zustimmen. Babcock Borsig hält 67,3 % an der BDAG. Damit gilt die Zustimmung zur Verschmelzung als gesichert, da diese nur einer einfachen Mehrheit bedarf.

Babcock Borsig setzte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 1,7 (Vorjahreszeitraum 2,2) Mrd. Euro um. Der Rückgang wurde mit Desinvestitionen begründet. Das Ergebnis im gewöhnlichen Geschäft wurde mit 1 Mill. Euro beziffert. Vergleichszahlen für das Ergebnis wurden nicht genannt, da auf Grund des veränderten Konsolidierungskreises die Vorjahreszahlen nur bedingt vergleichbar seien, hieß es. Der Auftragseingang sei auf 3,1 (3,0) Mrd. Euro leicht gestiegen, hieß es weiter. Die BDAG wies für die ersten sechs Monate einen um 5 % auf 378,2 Mill. Euro gestiegenen Umsatz aus und einen Periodenüberschuss von 43,6 Mill. Euro.

Einzelne Aktionäre kritisierten die Fusion der "Ertragsperle" BDAG mit der Babcock Borsig heftig. "Hier soll die arme Mutter durch die reiche Tochter saniert werden", sagte eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die BDAG-Aktionäre würden "verschaukelt", da der tatsächliche Unternehmenswert höher sei als der zu Grunde gelegte. Ein anderer Anteilseigner bezeichnete die Verschmelzung als eine "vorsätzlich sittenwidrige Schädigung der Aktionäre". Der Babcock-Konzern hatte jahrelang Verluste geschrieben und seinen Aktionären zuletzt für 1993/94 eine Dividende von fünf Mark gezahlt.

Der Verschmelzungsvertrag sieht vor, dass eine Aktie der alten Babcock Borsig in eine des neuen Unternehmens umgetauscht wird. Jeder BDAG-Aktionär erhält für einen Anteilsschein eine Stückaktie der neuen Babcock Borsig zuzüglich einer Barzahlung von 0,18 Euro. Das entspricht einem Unternehmenswert der Babcock von 957,2 Mill. Euro und der BDAG von 509,1 Mill. Euro. Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Oktober 2000 wirksam werden. Auch die neue Gesellschaft wird unter Babcock Borsig AG firmieren.

Ursprünglich sollten die BDAG und die Energie-Tochter Babcock Borsig Power (BBP) zu einer neuen Energiegruppe zusammengeführt werden. Einen entsprechenden Beschluss hatte die Hauptversammlung im Oktober gegen den massiven Widerstand zahlreicher Aktionäre durchgebracht. Die DSW hatte daraufhin Klage erhoben und die Bewertung der BBP gerügt, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage eingebracht werden sollte. Da diese und weitere Klagen das Zusammengehen der beiden Unternehmen verzögert hätten, ließ Babcock die Pläne fallen und beschloss Anfang des Jahres die Verschmelzung von Babcock Borsig und BDAG. Diese Fusion ist nicht mehr zu verzögern. Die Aktionäre können lediglich im Rahmen von Spruchstellenverfahren bessere Konditionen für sich erstreiten.

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