Babcock und Thyssen-Krupp wollen Chancen prüfen: Deutsche Werftenfusion vor dem Aus

Babcock und Thyssen-Krupp wollen Chancen prüfen
Deutsche Werftenfusion vor dem Aus

Über ihre geplante Fusion sind die zu Thyssen-Krupp und Babcock-Borsig gehörenden Marinewerften inzwischen heillos zerstritten. Gespräche wurden ohne Ergebnis abgebrochen. Ein Scheitern ist wahrscheinlich.

HAMBURG. Die Zukunft des von der Bundesregierung gewünschten Verbundes der norddeutschen Marinewerften steht auf der Kippe. Die Vorstände der Kieler Howaldtswerke Werft-Deutsche AG (HDW) und der Hamburger Thyssen-Krupp Werften GmbH brachen die Gespräche über die Fusion von HDW auf der einen Seite sowie Blohm + Voss und Thyssen Nordsee-Werke (TNSW) auf der anderen Seite am vergangenen Montag ohne Ergebnis ab. Dies bestätigt Thyssen-Krupp-Sprecherin Andrea Wessel auf Anfrage. Beide Unternehmen haben sich jetzt eine Pause bis mindestens zum 28. Februar verordnet, um auszuloten, ob der Werftenverbund überhaupt noch eine Chance hat.

"Wir halten den Verbund nach wie vor für sinnvoll", betont Andrea Wessel. Dies ist auch die offizielle Meinung des HDW-Eigners Babcock-Borsig. Skeptischer zeigen sich HDW nahe stehende Kreise. Die Verärgerung über das Verhalten von Thyssen sei groß, und es sei völlig offen, ob es überhaupt noch zum Verbund kommt.

Tatsächlich sind beide Seiten über die Formalitäten der Überkreuzbeteiligung, die in drei Schritten von 7,5 % über 15 bis 49 % reichen soll, heillos zerstritten. Bereits die für den 30. September 2001 vorgesehene erste Stufe wurde nicht eingehalten. "Weil HDW-Mutter Babcock dazu finanziell nicht in der Lage war", ließ Thyssen-Werften-Chef Herbert von Nitzsch vor knapp zwei Wochen gegenüber Journalisten anklingen und brachte damit bei Babcock das Fass zum Überlaufen.

So hält Babcock-Sprecher Hans Wieckmann der Thyssen-Gruppe vor, davor zurückzuscheuen, bereits besprochene Synergieeffekte zu realisieren. Dorn im Auge von HDW ist, dass die Thyssen-Werft in Emden entgegen der Absprache die U-Boot-Kapazitäten aufgestockt hat. Außerdem werfe der mögliche zukünftige Partner HDW bei der internationalen Vermarktung der von der schwedischen HDW-Tochter Kockums gebauten Korvette Knüppel zwischen die Beine.

Hierüber gebe es unterschiedliche Interpretationen bei beiden Gruppen, räumt Thyssen-Sprecherin Wessel ein. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass HDW noch Interesse an der für den 31. März vorgesehenen zweiten Stufe des Kapitaltauschs hat.

Auch bei der Neuverhandlung des seit zehn Jahren bestehenden Kooperationsabkommens beim Marineschiffbau knirscht es gewaltig. Hier ist Thyssen-Tochter Blohm + Voss Konsortialführer bei Überwasserschiffen, HDW bei U-Booten. HDW hält der Thyssen-Gruppe vor, ernten zu wollen, wo sie nicht gesät hätten. So sollen sie auch bei U-Boot-Verträgen kassieren, die HDW allein abgeschlossen hat. Thyssen betont dagegen, HDW bei der Aufteilung der Erlöse entgegen gekommen zu sein. Vor diesem Hintergrund überrascht eine Bemerkung aus Babcock-Kreisen nicht: Thyssen-Krupp sei nicht mehr der Hauptpartner. Tatsächlich setzt Babcock-Chef und HDW Vorstandschef Klaus Lederer auf Akquisitionen, wie bei der schwedischen Kockums-Werft, oder über europäische Kooperationsabkommen.

In einer Kooperation mit der weltweit neuntgrößten Werftengruppe, der spanischen Izar S.A., Madrid, werden jetzt die Geschäftsfelder von gemeinsamen Interesse - besonders bei U-Booten und Fähren - ausgelotet. Pikanterweise hat die aus der Fusion der Werften Bazan und Astilleros Españoles hervorgegangene Izar der Thyssen-Gruppe einen Fregattenauftrag in Norwegen weggeschnappt. In Italien wird das Abkommen mit der Werftengruppe Fincantieri festgeklopft, die U-Boote nach HDW-Design baut. Das Know-how von Fincantieri kann HDW auch beim Bau von Fähren helfen. Letztlich wird in Griechenland die jüngste HDW-Tochter Hellenic Shipyards in eine lupenreine U-Boot-Werft umgemodelt, die die Mittelmeerländer bedienen soll.

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