Bach sieht Probleme bei der Beherbergung
Bach: Nur so könnte Leipzig erfolgreich sein

Ohne ein ausreichendes Gesetz zum Schutz der Olympischen Ringe, weit gehende Garantien gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und eine professionellere Arbeit des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) wird es keine Spiele 2012 in Leipzig geben. Diese Ansicht hat IOC-Vizepräsident Thomas Bach in einem Interview vertreten.

HB/dpa HAMBURG. In einer Positionsbeschreibung zählt der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim die Chancen und Risiken der Bewerbung auf. Er werde sich bei seinen IOC-Kollegen "mit Begeisterung und Überzeugung" für Leipzig einsetzen. Bach könnte zum wichtigsten Helfer der sächsischen Metropole werden. Als Vorsitzender der IOC-Evaluierungskommissionen für die Winter- und Sommerspiele in Salt Lake City und Athen weiß er besonders gut, worauf es bei Bewerbungen ankommt. Als IOC - Vizepräsident, der im Juli bei der Vollversammlung in Prag für ein Jahr zum ersten Stellvertreter von Jacques Rogge aufrückt, hat der Fecht-Olympiasieger von 1976 besonderen Einfluss. Der 49-Jährige stimmt im Juni 2004 als eines von 15 Mitgliedern der Exekutive darüber ab, welche Bewerber aus dem Rennen um die Spiele 2012 ausscheiden müssen, ehe sein Mandat in der olympischen Regierung einen Monat darauf endet und frühestens 2005 erneuert werden könnte.

Laut Bach ist zunächst die Bundesregierung in der Pflicht. Sie muss, wie beabsichtigt, möglichst bald ein Gesetz zum Schutz der Olympischen Ringe in Deutschland verabschieden. Doch urteilt der Jurist über den im Zusammenwirken mit dem NOK erarbeiteten Referentenentwurf drastisch: "Mit dem gegenwärtigen Stand der Vorlage lassen sich keine Olympischen Spiele nach Leipzig holen." Das IOC überweise jedem Organisationskomitee etwa eine Milliarde Euro aus Fernseh- und Sponsorengeldern. "Doch das funktioniert nur, wenn die dabei verwendeten Symbole entsprechend exklusiv benutzt werden können." Deutschland sei bisher ein Markt für olympische Trittbrettfahrer. "Allein aus IOC-Sicht gibt es derzeit zehn Verstöße missbräuchlicher Zeichen und Bezeichnungen."

Olympische Spiele als Konjunkturprogramm

Auch Leipzig müsse nun ganz schnell seine Hausaufgaben machen. Dem IOC gehe es für seine Auswahlentscheidung im Juni 2004 um "klare, harte, nachvollziehbare Fakten". Am wichtigsten seien finanzielle Garantien für Bauten und das operative Budget, Bürgschaften für eventuelle Defizite, für Sportstätten, Infrastruktur, Umwelt. Als Problem sieht Bach die Beherbergung. Zwar seien, einschließlich Halle und Dresden, 43 000 Hotelbetten ausgewiesen. Doch etwa 16 000 davon seien noch in Planung. "Das muss festgezurrt werden." Sydney musste bei den Spielen 2000 Raum für 130 000 Akkreditierte schaffen.

Bach ist zuversichtlich, dass sich auch die deutsche Wirtschaft für Leipzig stark engagieren werde. "Sie weiß sehr wohl, dass Olympische Spiele eins der besten Konjunkturprogramme" sind. An das NOK richtet er indirekt die Aufforderung, seine Anstrengungen zu verstärken. Der neue Präsident Klaus Steinbach habe die nationale Ausscheidung "ganz gut hinbekommen". Das NOK müsse nun vor allem in der Außendarstellung "etwas professioneller arbeiten". Bach riet dem NOK und Leipzig, möglichst bald ein "Gesicht" für das Bewerbungskomitee auszusuchen. Es wäre gut, "wenn dieser Kopf nicht aus dem Sport käme, sondern vielleicht aus der Wirtschaft".

Der IOC-Vizepräsident will Leipzig "mit Rat und Tat zur Seite stehen, egal in welchem Gremium". Er könne jedoch "nicht der Protagonist der deutschen Bewerbung sein". Bach machte Leipzig mit der Aussage Mut, "eine kleine Stadt hat viel eher die Chance, prägend im Sinne eines einzigen Olympischen Dorfes zu wirken, als das im Moloch einer Zehn-Millionen-Stadt möglich wäre. In Leipzig würden die Spiele wirklich gelebt". Bach beschrieb aber auch die hohe Hürde, die die Stadt schon bei der Vorentscheidung überspringen muss. Das IOC lasse nicht zwangsläufig fünf oder sechs Kandidaten zu. Der Schnitt erfolge, "wo die größte Lücke ist zwischen zwei Bewerbern". Das könne auch zwischen den Nummern zwei und drei oder drei und vier sein.

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