Backkonzern gliedert Logistikbereich aus
Kamps gönnt sich eine Verschnaufpause

Großbäcker Kamps will auf Wachstumskurs bleiben, nimmt sich aber Zeit zum Durchatmen. Denn die zahlreichen Übernahmen sind noch nicht verkraftet. Kamps will die Gruppe deshalb neu ordnen.

DÜSSELDORF. Die Bäckerei-Gruppe Kamps AG soll neu geordnet werden, um die in den letzten Jahren übernommenen Firmen unter einem Dach zu integrieren. Vor allem durch die Zentralisierung des Vertriebs will Kamps die Synergien in der Back-Gruppe heben. Insgesamt würden damit Kostensenkungen und Ertragsbeiträge aus Mehreinnahmen möglich, die über 65 Mill. Euro hinausgingen. Auswirkungen auf das Ergebnis seien aber erst ab 2002 zu erwarten. Als Beispiel nennt Kamps den europaweiten Verkauf von Brioche der französischen Tochter Harry?s.

Kamps will an seiner Strategie festhalten, in zehn Jahren mit einem Umsatz von über 4 Mrd. Euro und einer operativen Umsatzrendite von 10 % einen internationalen Brot- und Backwarenkonzern aufzubauen. "Wir liegen strategisch genau im Plan", erklärte Vorstandschef Heiner Kamps im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die fast panische Reaktion der Börse auf die kürzlich veröffentlichte deutliche Korrektur der Ergebnisprognose kann der Konzernchef daher nicht nachvollziehen. "Der Kurseinbruch ist genauso überzogen wie der Höhenflug der Kamps-Aktie in der Vergangenheit", meinte der gelernte Bäckermeister.

Ein um die 7,50 Euro schwankendes Kursniveau hält Burkhard Sawazki von HSBC Securities für fair. Den Absturz auf 5 Euro nennt er übertrieben. Derzeit notiert die Bäckerei-Aktie bei 6,50 Euro mit leicht steigender Tendenz. Sawazki hält es für fraglich, ob das Geschäftsmodell von Kamps aufgeht. Denn Synergien seien nicht sichtbar. Kamps müsse erst beweisen, dass er seine Ankündigungen auch umsetzt. John Beaumont von Merrill Lynch ist optimistischer. Kamps sei fundamental unterbewertet. Beaumont sieht den fairen Kurs bei 10 Euro.

Konzern hält an Prognose fest

Heiner Kamps stellt klar, dass der Konzern an seiner Umsatzprognose festhält. 2001 soll der Umsatz von 1,5 auf 1,75 Mrd. Euro steigen. Die Korrektur der Ergebnisprognose um 40 Mill. Euro nach unten beruhe vor allem auf der Verschiebung des Zeitplans für die erwarteten Synergien aus den zahlreichen Übernahmen sowie neuen Geschäften. Zu den größten Übernahmen gehören die Industriebäcker Wendeln (Golden Toast) und die französische Backgruppe Harry?s. Kamps betont, dass das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) in 2001 trotzdem um 7 % auf 110 Mill. Euro zulegen werde. Die Firmenwertabschreibungen (Goodwill), die Kamps 2001 das erste Mal in der Gewinn- und Verlustrechnung ausweist, schlagen mit 20 Mill. Euro zu Buche.

Kamps räumt ein, dass er einige unternehmerische Ziele zu hoch angesetzt habe. Die ursprüngliche Planung werde sich aber lediglich verzögern. Nun will er unter Beweis stellen, dass Kamps die Margen verbessern und die Schulden des Konzerns von 750 Mill. Euro planmäßig zurückführen kann.

Zur Verbesserung der Strukturen im Unternehmen und zum Aufbau des Managements hat er sich zwei Jahre Zeit gegeben. "Ein 2-Milliarden-Tanker reagiert nun einmal langsamer als ein 500-Millionen-Schnellboot."

Ausgliederung des Logistikbereichs stellt ein Problem dar

Beispielsweise habe er den Zeitplan zur Ausgründung des Logistikbereichs in eine eigene Gesellschaft zu optimistisch gesehen und in die ursprüngliche Planung einbezogen. Gespräche mit einem Unternehmen aus dem Logistikbereich zur Gründung eines Joint Ventures seien ergebnislos verlaufen. Nun will Kamps eine eigene Gesellschaft gründen, die im September an den Start geht. "Wir können die Fixkosten allein mit dem eigenen Geschäft decken", sagte Kamps. Die 1 300 firmeneigenen Lkw sollen aber auch für Fremdkunden fahren. Kamps verspricht sich davon ab 2002 einen Beitrag zum Ergebnis von 15 Mill. Euro.

Überprüfen will Kamps die Pläne für die Imbisskette "Bakerstreet", sollte sich bis Ende des Jahres kein großer Vertragspartner in Deutschland abzeichnen. Entsprechende Gespräche mit Unternehmen der Mineralölwirtschaft hätten sich verzögert. Angesichts der geringen wirtschaftlichen Bedeutung sei die Aufgabe des Geschäfts kein Verlust, sofern kein Vertrag zu Stande komme.

Ausbauen will Kamps das Tiefkühlgeschäft mit vorgebackenen Produkten. Dazu nimmt er ein neues Werk in Lünen in Betrieb, in dem ab März 2002 rund um die Uhr in erster Linie für Supermärkte produziert wird. Die Investitionskosten betragen 30 Mill. Euro. Kamps verspricht sich dadurch Einsparungen in der Gruppe von jährlich 9 Mill. Euro, da Kapazitäten in kleineren Produktionsstätten frei werden, die dies bislang übernommen haben.

Verschuldung soll zurück geführt werden

Den Schuldenabbau will Kamps planmäßig aus dem Cash-Flow bestreiten. Bereits 2003 will er die Verbindlichkeiten so weit reduziert haben, dass er die restlichen 51 % an der französischen Back-Tochter Harry?s übernehmen kann.

Kamps betonte, dass die vorzeitige Kündbarkeit der Kamps-Wandelanleihe die Pläne nicht beeinträchtige. Die Anleihe von 660 Mill. Euro kann teilweise schon 2003 gekündigt werden. Mit den Banken sei die Refinanzierung für diesen Fall bereits besprochen worden. "Aus der vorzeitigen Rückzahlung der Anleihen entsteht keine zusätzliche Verschuldung", betonte Kamps.

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