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Bagdad „scheibchenweise“ unter Kontrolle bringen

Die Vorstöße der US-Streitkräfte in die irakische Hauptstadt Bagdad haben in der amerikanischen Öffentlichkeit die Hoffnung geschürt, dass der Krieg in einigen Tagen vorbei sein könnte. Führende Militärs sind bemüht, diesen Optimismus zu dämpfen.

HB/dpa WASHINGTON. Tatsächlich zeichnet sich nach den ersten Tagen des Kampfes in und um Bagdad eine US-Strategie ab, die auf das "scheibchenweise" Erringen der Kontrolle abhebt. "Und das heißt, sich in Geduld zu üben", sagt ein Vertreter des US-Zentralkommandos in Katar, ohne Einzelheiten des Planes zu verraten. "Das alles kann noch einige Zeit dauern."

Wie amerikanische Militärexperten erläutern, sieht die Strategie wie seit Samstag praktiziert vorrangig zeitlich begrenzte Operationen vor. Besonders wichtige "Objekte" würden zwar besetzt, aber wenn möglich nur für kurze Zeit. Die Vorstöße dienten zum einen der Sicherung oder Zerstörung ausgewählter Einrichtungen und dem Erkunden von Zielen für Luftangriffe. Zum anderen zielten sie auch konkret auf die Psyche der Bagdader Bürger ab. Ihnen solle Schritt für Schritt die Übermacht der US-Streitkräfte vor Augen geführt werden.

Auch TV-Sendungen sind geplant

Die USA haben dabei insbesondere die Schiiten unter den rund fünf Millionen Einwohnern im Visier: Von ihnen erhoffe man sich wichtige Hinweise auf Widerstandszentren und Waffenverstecke in der Stadt, sagt Militäranalytiker Loren Thompson. Dazu passt es, dass jetzt Radio- und Fernsehbotschaften der Alliierten an die Bevölkerung deutlich ausgeweitet wurden. In Militärkreisen heißt es, in den nächsten Tagen sei sogar geplant, den Menschen in Bagdad via TV anhand von Land-und Stadtkarten das Ausmaß der alliierten Kontrolle vor Augen zu führen.

Ausgangspunkt ist ein Ring von US-Streitkräften um die Stadt - durchlässig für Zivilisten, aber nicht für die irakischen Streitkräfte, wie Peter Pace vom US-Generalstab erläuterte. Von hier aus unternehmen die Bodentruppen mit Panzern und Artillerie ihre Vorstöße. Wie aus dem Pentagon verlautet, sind die Kommandeure vor Ort dabei, die Stadt anhand des Verlaufes von Hauptstraßen und des Flusses Tigris in verschiedene Bezirke aufzuteilen. Gepanzerte Einheiten und Spezialtruppen könnten dann Schritt für Schritt in eine Sektion nach der anderen eindringen, Widerstand brechen und bestimmte Einrichtungen zerstören.

Sobald ein Bezirk gesichert sei, solle dort die Versorgung mit Wasser und Elektrizität wieder hergestellt werden. Sei das zivile Leben "am Laufen", komme der nächste Sektor an die Reihe. Dieser "vorsichtige Ansatz" biete die besten Chancen, die Einwohner zur Zusammenarbeit zu bewegen "oder zumindest zu erreichen, dass sie sich nicht gegen uns stellen", sagt ein Beamter. Er vergleicht den Plan mit einem Kuchen, "dem man scheibchenweise zu Leibe rückt". Entsprechend ist auch das Konzept der Luftunterstützung für die Bodeneinsätze ausgerichtet. Man gehe sehr überlegt vor, sagt General Michael Moseley. Es werde ganz bestimmte Munition eingesetzt, um die zivile Bevölkerung und zivile Einrichtungen zu schonen. Dazu gehörten 500-Pfund-Betonbomben, die nicht explodierten, sondern die Ziele durch die Wucht des Aufpralls zerstörten.

Viele Militärexperten wie der pensionierte General Robert H. Scales halten diese Strategie für sinnvoll. "Wir müssen zwar massiv zuschlagen, wenn es nötig ist. Aber der Schlüssel hier ist: Druck ausüben - Druck, Druck, Druck."

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