Bahn erhöht die Preise auch in Fernzügen: Ärger über höhere Bahnpreise

Bahn erhöht die Preise auch in Fernzügen
Ärger über höhere Bahnpreise

Die Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn zum Jahreswechsel haben bei Fahrgästen für großen Unmut gesorgt. Wie sich am Donnerstag herausstellte, sind Bahnreisen auch in Fernzügen seit Jahresbeginn teurer.

dpa BERLIN/FRANKFURT/MAIN. Generell seien die Preise bei Entfernungen bis zu 100 Kilometern um 3,8 % erhöht worden, sagte Hans-Gustav Koch, Vorstand im Unternehmensbereich Personenverkehr der Deutschen Bahn AG, am Donnerstag in Frankfurt. Die neuen Preise gelten in allen Zugarten. Zudem kündigte die Deutsche Bahn AG an, dass sich ein Anruf bei den Call-Centern ab 1. Juli um das Vierfache auf 61 Cent (1,19 DM) pro Minute verteuern soll.

Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent habe es zudem für einige Käufer von Wochenkarten im Fernverkehr gegeben, räumte Koch ein. Es habe sich gezeigt, dass auf 60 bis 180 Kilometer langen Strecken diese Zeitkarten günstiger waren als die Fahrten im Nahverkehr, weil die Preise im Fernverkehr seit 1999 nicht erhöht worden waren. So habe sich etwa auf der Strecke Lübeck-Bremen eine Wochenkarte bereits nach zwei Tagen bezahlt gemacht. Um diese Ungereimtheit zu bereinigen, seien diese Wochenkarten deutlich stärker erhöht worden als im Schnitt. Betroffen sind nach Darstellung Kochs rund 50 000 Bahnkunden. Diese Besonderheiten seien bedauerlicherweise nicht bekannt gemacht worden. "Das haben wir verpennt."

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Deutsche Bahnkunden-Verband kritisierten die Preiserhöhungen der Bahn zum Jahreswechsel. Es entstehe der Eindruck, die Preissteigerungen sollten versteckt werden. Pro Bahn äußerte prinzipiell Verständnis für die Erhöhung.

Auch beim Schönen-Wochenend-Ticket, mit dem Gruppen bis zu fünf Menschen am Samstag oder Sonntag unbegrenzt im Nahverkehr reisen können, wird weiter um den Preis gestritten. Nach dem Veto von vier Bundesländern soll jetzt Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) entscheiden, ob der Tarif zum 1. April von 21 auf 28 Euro (54,76 DM) steigen darf, wie dies die Bahn beabsichtigt. Es ist das erste Mal, dass das Bundesministerium für eine Entscheidung über einen Nahverkehrstarif angerufen wird.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte Bodewig auf, das Ticket im Interesse der Bahnreisenden nicht auf 28 Euro zu verteuern, sonst würden viele wieder auf das Auto umsteigen. Die Bahn geht von einer Zustimmung des Ministeriums aus, will aber notfalls vors Gericht ziehen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte, die Juristen prüften die Situation. Das Ministerium könne letztlich einen Tarif vorgeben.

Mit den höheren Preisen für das Wochenend-Ticket will die Bahn künftig vermeiden, dass viele Nahverkehrszüge am Wochenende überfüllt sind. Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn könnte dieses Problem sinnvoller bekämpft werden, wenn die Bahn billigere Wochenend-Tickets für einzelne Personen anbieten würde. "Dann kann das Wochenend-Ticket für eine Gruppe auch gerne mehr kosten", sagte der Bundesvorsitzende Karl-Peter Naumann. Das Wochenendticket ist äußerst beliebt. 2000 verkaufte die Bahn es 6,8 Mill. Mal.

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