Bahn-Umsatz soll um 5,6 % steigen
Mehdorn dementiert drastischen Personalabbau

Mit massiver Kritik an der Deutschen Bahn begann der 16. Gewerkschaftstag der Transnet am Sonntag in Magdeburg. Transnet-Chef Norbert Hansen verlangte vor den 1 200 Delegierten von der Bahn ein schlüssiges Konzept für die Zukunft des Unternehmens und kritisierte zugleich den angekündigten drastischen Personalabbau.

adx MAGDEBURG. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) forderte Bahnchef Hartmut Mehdorn auf, eine realistische Bilanz auf den Tisch zu legen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhardt Höppner (SPD) kritisierte das immer schlechter werdende Angebot der Bahn im Personen- und Güterverkehr. Mehdorn selbst widersprach den Berichten über die Halbierung der Bahn-Belegschaft.

Hansen monierte in seiner Eröffnungsrede, dass es bislang nur "ein Sammelsurium" von nicht ausgegorenen Überlegungen gebe. Ständig kursierten neue Zahlen über den geplanten Personalabbau. Einen Stellenabbau bis 2015 von 120 000 Arbeitsplätzen werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen, kündigte Hansen an. Einen Streik schloss der Gewerkschaftschef nicht aus. Es gehe um "Sanieren statt um Halbieren". Es sei jetzt schon katastrophal, wenn aus Kostengründen das gesamte Interregio-Angebot gestrichen werden solle. Das "Streichkonzert für den Interregio" werde zu Mrd.-Verlusten führen.

Bodewig forderte Mehdorn auf, jetzt die ungeschminkte Wahrheit über den Zustand des Unternehmens auf den Tisch zu legen. Er kündigte die Bildung einer interministeriellen Arbeitsgruppe an, die diesen Prozess überwachen soll. Der Minister versprach, dass die Bahnkonsolidierung ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen solle. Keiner der Beschäftigten werde "ins Bergfreie fallen". Die Bahn stehe aber in der Pflicht, Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Mehdorn sagte, der angebliche Abbau von 120 000 Arbeitsplätzen sei Unsinn. Ein solches Unternehmensziel ist nirgendwo festgeschrieben. Es werde aber wegen des geringer gewordenen Wartungsbedarfs bei der Schließung von Spezialwerken bleiben.

Dem hielt Höppner entgegen, die Bahn gehe mit ihren Unternehmen schlechter um als die Treuhand mit den Betrieben der DDR. Für das Land seien die Pläne der Bahn nicht nachvollziehbar. Seine Regierung werde sich um die Erhaltung der Standorte bemühen.

Mehdorn fordert angesichts der angespannten Situation die Bahnbeschäftigten auf, an dem bisher "hart erkämpften Tarifkompromiss" festzuhalten. Der Handlungsspielraum des Unternehmens sei ausgeschöpft. Weitere Verhandlungen sollten mit Augenmaß geführt werden.

Nach Einschätzung Mehdorns werde die Bahn in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben. Gegenüber dem Vorjahresmonat konnte die Verkehrsleistung um rund acht Prozent gesteigert werden, der Umsatz im Personenverkehr stieg um zehn Prozent. Erstmals in diesem Jahr lag der Güterverkehr mit einem Wachstum von 8,3 % über dem Plan. Der Konzernumsatz im September lag um 5,6 % über dem Ergebnis des gleichen Monats 1999. Mehdorn kündigte für die kommenden Jahren aber deutliche Verluste an. Er appellierte an den Bund, seine Investitionszuschüsse auf das bei der Bahnreform in Aussicht gestellte Niveau zu bringen.

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